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aus dem Heft: 2017/05: Self-Tracking. Lifelogging. Quantified Self.
in der Rubrik: publikationen

Hüther, Gerald/Quarch, Christoph (2016). Rettet das Spiel! Weil Leben mehr als Funktionieren ist. München: Hanser. 224 S., 20,00 €

Nichts ist kulturbezeichnender als Spielen. Im Spiel werden unmögliche Dinge möglich und der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt. Unaufdringlich und zweckbefreit präsentiert sich eine Fülle an Möglichkeiten und bietet so die Chance, das Selbst zu erproben.
Rettet das Spiel! widmet sich zentralen Fragestellungen unserer Zeit: Wohin führen uns die Mächte der Wirtschaft und Wissenschaft mit einer stetigen Ausrichtung auf Logik, Effizienz, Produktivität und Kommerzialisierung? Was passiert, wenn alle Lebensbereiche künftig zunehmend von Ernsthaftigkeit, Planung und Kontrolle regiert werden? Wie kann sich auf lebendigkeitsbejahende Ziele zurückbesonnen werden? Um der Besorgnis um den Fortbestand der Kultur entgegenzuwirken, widmen sich Hüther und Quarch zunächst der naturwissenschaftlichen Daseinsbegründung des Spiels. Gelockt durch sympathische Wortspiele und angereichert durch zahlreiche Beispiele aus Wissenschaft und Kultur werden Lesende sicher entlang einer Kette fundierter Argumentationen geleitet. Dabei werden mit leicht mahnendem Unterton philosophische, literarische, historische, soziologische, aber auch esoterische Perspektiven zu Spielen und Spielweisen angesprochen, um deren universelle Bedeutung fassbar zu machen. Eine positivistische Versteifung vermeidend schärft der Band zugleich den Blick auf Spielverderber und bösartige Spiele, die zusammen mit wieder aktuell werdenden theoretischen Menschenbildern einen interessanten (medien-)pädagogischen Zugang für weniger Belehrung, Anleitung und Vorgaben eröffnen. Neben dem Plädoyer, dem Spiel im Alltag mehr Beachtung zu schenken, können sich hier insbesondere auch Eltern und pädagogische Fachkräfte Anregungen holen. Abgesehen vom Spiel als Konsumartikel prüfen die letzten Kapitel genau, welche Spiele den Menschen guttun und stellen moralische Kriterien für ihr Erkennen auf.
Mit einem kategorischen Imperativ und einen kulturkritischen Blick unternehmen Hüter und Quarch den eindringlichen Aufruf, sich dem pädagogisierten Zwangskorsett zu entledigen und der Freiheit und Experimentierfreudigkeit mehr Raum zu schenken. Ohne zu detailliert oder unkonkret zu werden, bietet Rettet das Spiel! eine Inspiration zur Wiederentdeckung des Spiels und leistet einen charmanten Beitrag zur kritischen Hinterfragung kapitalistischer ökonomisierter Verhältnisse einer leistungsorientierten Gesellschaft.

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    Autor/innen: Antje Müller
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