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Von der Kontrollinstanz zum Medien-Mentor

Neue Perspektiven auf die Medienerziehung in der Familie

Digitale Bildschirmmedien sind heutzutage ein fester Bestandteil der mediatisierten Kindheit. Im Schul- sowie im Freizeitkontext werden sie genutzt und in Form von mobilen Endgeräten begleiten sie Kinder und Jugendliche durch ihren Alltag. Dabei eröffnen digitale Medien eine Vielzahl an attraktiven und entwicklungsfördernden Inhalten und Handlungsmöglichkeiten für die heranwachsende Generation. Auch die heutige Elterngeneration bedient sich zunehmend der digitalen Technologie, sodass sich die Familie zu einem mediatisierten Umfeld entwickelt hat.
In Hinblick auf die Medienerziehung ihrer Kinder legen viele Eltern dennoch eine eher angstbehaftete Sichtweise an den Tag. Für sie stellen Bildschirmmedien eine Gefahr dar, deren Nutzung überwacht und kontrolliert werden muss. Die bewahrende Perspektive vieler Eltern minimiert zwar Nutzungsrisiken, jedoch vertreten Forscherinnen und Forscher des Projektes Preparing for a Digital Future die Ansicht, dass Kinder somit in der Entwicklung relevanter medienbezogener Fähigkeiten eingeschränkt werden.

Um Eltern bei der Gewährleistung einer zeitgemäßen Medienerziehung zu unterstützen, entwickelten Sonia Livingstone und Alicia Blum-Ross im Rahmen des Forschungsprojektes Preparing for a Digital Future der London School of Economics and Political Sciences (LSE) und in Kooperation mit der Connected Learning Alliance ein übersichtliches Informationsmaterial für Eltern. Nach dem Motto Screen Time For Kids: Getting The Balance Right bietet diese Handreichung effektive Strategien, um den Medienkonsum innerhalb der Familie auf angemessene Weise zu managen.

Eltern werden durch die Lektüre dazu angeregt, sich mit ihrem bisherigen Verhalten bezüglich der Medienerziehung ihrer Kinder auseinanderzusetzen und die Gründe ihrer gegebenenfalls angstbehafteten Einstellung zu reflektieren. Eine Auflistung von positiven Aspekten und Fähigkeiten, die Heranwachsende durch die Internetnutzung erlernen – wie zum Beispiel verschiedene Bereiche des informellen Lernens, kommunikative und technische Fähigkeiten sowie gesellschaftliche Partizipation – eröffnet Eltern eine neue Sichtweise und schafft ein Bewusstsein für die komplexe Zusammensetzung von Vor- und Nachteilen digitaler Mediennutzung. Digitale Medien werden hier weniger als Bedrohung, sondern vielmehr als Instrumente dargestellt, die gewinnbringend eingesetzt werden können. Dabei werden Eltern für die kindliche Sichtweise auf digitale Medien und ihren entwicklungsbedingten Nutzen sensibilisiert. Ein kurzer Fragenkatalog befähigt sie dazu, den Medienkonsum des eigenen Kindes besser einschätzen und bewerten zu können, um so einer übermäßigen Besorgnis entgegen zu wirken. Verweise auf weiterführende Informationen und relevante Institutionen im englischsprachigen Raum bieten zudem die Möglichkeit einer intensiveren Beschäftigung mit dem Thema. Außerdem enthält die Handreichung zentrale Handlungsempfehlungen für die Medienerziehung in der Familie. Hierunter fallen unter anderem die offene Kommunikation mit den Kindern, das Respektieren der kindlichen Sichtweise und die gemeinsame Aufstellung von Familienregeln und medienfreien Zeiten.

Die britische Handreichung Screen Time For Kids: Getting The Balance Right stellt einen übersichtlichen Wegweiser für die Medienerziehung in der eigenen Familie dar. Die wissenschaftlich fundierten Kernaussagen vermitteln ein zeitgenössisches Bild des Stellenwertes von kindlicher Mediennutzung für Sozialisationsprozesse, welches Eltern eine neue Perspektive auf ihre Handlungsrolle abseits der Kontrollinstanz eröffnet und sie dazu befähigt, die Mediennutzung ihres Kindes als Mentor zu begleiten.

Mehr Informationen unter www.blogs.lse.ac.uk.

Saskia Eilers
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