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aus dem Heft: 2009/04: Informationelle Selbstbestimmung?!
in der Rubrik: publikationen

Meyer, Erik (Hrsg.) (2009). Erinnerungskultur 2.0. Kommemorative Kommunikation in digitalen Medien. Frankfurt/New York: Campus Verlag. 239 S., 27,90 €

Radio, Fernsehen, Internet – unser Leben wird scheinbar von Jahr zu Jahr medialer und digitaler. Schon heute ist das Internet nicht mehr aus dem täglichen Leben wegzudenken,
das ganze Leben ist davon beeinf lusst und die Zukunft wird maßgeblich von (digitalen) Medien mitgestaltet. Da bleibt eigentlich nur die Vergangenheit als ‚medienfreier’ Raum – oder? Glaubt man Erik Meyer und seinen Autorinnen und Autoren, so ist selbst die Vergangenheit längst medial beeinflusst. Digitale Medien prägen unsere Sicht auf Vergangenes, steuern und gestalten unsere Erinnerungen und nehmen so indirekt Einfluss auf die tatsächlichen Geschehnisse. Doch wie sieht sie aus, die "Erinnerungskultur 2.0", in der wir heute leben? Im Rahmen der Tagung "Virtual Memory; Virtual History – Digitale Verbreitungsmedien: Konkurrenz und Komplementarität?", die im November 2006 stattfand, machten sich Expertinnen und Experten darüber Gedanken und hielten ihre Befunde und Erkenntnisse nun im Band "Erinnerungskultur 2.0" fest. Exemplarisch wird hier am Zweiten Weltkrieg in einem medialen Rundumschlag untersucht, wie Vergangenheit in den digitalen Medien aufgearbeitet und präsentiert wird. So untersuchen Wulf Kansteiner und Gunnar Sandkühler zunächst, wie Videospiele und speziell Ego-Shooter die Geschichte darstellen, aufarbeiten und teilweise auch neu konstruieren. Bruno Arich-Gerz beschäftigt sich mit einem E-Learning Projekt, in dem Studierende das Wissen von Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges gesammelt und auf DVDs ‚haltbar’ gemacht haben und arbeitet Vorteile und Kritikpunkte an einer solchen Art der Erinnerungsarchivierung heraus. Angela Sumner und Marc Grellert stellen anschließend zwei Angebote vor, die ‚echtes’ Erinnern in eine virtuelle Welt verlagern: die "Virtual Wall" des Vietnam Veterans Memorial Fund und die virtuelle Wiederherstellung zerstörter Synagogen. Zu guter Letzt schließlich zeigen Dörte Hein, Erik Meyer und Maren Lorenz, wie Geschichte im Web 2.0 präsentiert und aufbereitet wird. Dabei werden Seiten, die online an den Holocaust erinnern, auf ihre Qualität und Motive hin untersucht, Angebote wie Wikipedia kritisch beleuchtet und die Eigenheiten digitaler Historiendarstellungen – wie Individualisierung, Fragmentierung und Subjektivierung der Fakten – herausgearbeitet. Heraus kommt bei alledem kein umfassendes Werk über Geschichte im digitalen Zeitalter, dies macht die Breite des Themas sowie die Konzentration auf nur ein geschichtliches Ereignis schon unmöglich. Dennoch bietet das Buch einen Ansatz, die gängigen Darstellungen von Geschichte und auch das eigene, digital geprägte Bild der Vergangenheit in einem neuen Licht zu sehen und wirft interessante Fragen und Diskussionsansätze auf.

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