Inhalt

aus dem Heft: 2010/01: Musik – Die schönste Nebensache
in der Rubrik: aktuell

aktuell

Internet bleibt Kommunikationsmedium:
JIM-Studie 2009


Seit 1998 gibt die JIM-Studie, die vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest in Auftrag gegeben wird, Aufschluss über den Medienumgang der Zwölf- bis 19-Jährigen in Deutschland. Nachdem sich in diesen elf Jahren einiges in der Medienlandschaft verändert hat, wurde in der JIM-Studie 2009 erstmals die Computertätigkeit nicht mehr in ‚offline‘ und ‚online‘ kate­gorisiert, sondern nach Art und Motivation der Nutzung der Angebote. Zudem wurden im Wahljahr 2009 das Interesse für Politik im Allgemeinen und für die bevorstehende Bundestagswahl im Besonderen sowie die präferierten Informationsquellen zur Wahl abgefragt.
Im Alltag nutzen Kinder und Jugendliche entgegen aller Annahmen Fernsehen und Internet in nahezu identischem Umfang – rund 90 Prozent der Befragten geben an, mehrmals pro Woche fernzusehen, ebenso häuf ig wird die Nutzung des Internets genannt. Gerade zur Information über aktuelles Zeitgeschehen und Politik sowie Sport und Stars liegt der Fernseher noch vor dem Internet.
Zwei Drittel der befragten Kinder und Jugendlichen geben an, regelmäßig Videoportale im Internet zu besuchen, aber nur ein Drittel sieht regelmäßig Fernsehausschnitte im Internet an. Zwei Drittel empf inden die eher passive Nutzung des vorstrukturierten Fernsehprogramms als Vorteil. Wenn sich die Heranwachsenden über Musik, aber auch über Ausbildung und Beruf, persönliche Probleme oder Handy sowie Computerspiele informieren wollen, tun sie das bevorzugt im Internet. Dennoch bleibt das Internet für die Mehrheit der Befragten in erster Linie Kommunikationsmedium – knapp die Hälfte der Nutzungszeit wird in sozialen Netzwerken, beim Chatten oder mit dem Schreiben von E-Mails verbracht. Weniger als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen hat in sozialen Netzwerken die ‚privacy‘-Funktion aktiviert, das heißt, dass die eingestellten Informationen nicht nur von einem bestimmten Personenkreis eingesehen werden können, sondern allgemein zugänglich sind.
www.mpfs.de

Juuuport – dein Schutz im Web

Julia wird von einem Klassenkameraden im Internet gemobbt, Tom ist sich nicht sicher, was mit den Daten geschieht, die er in Social Communitys wie SchuelerVZ auf sein Profil lädt, und Mia überlegt, ob sie einen Handyvertrag abschließen kann, wo sie doch noch nicht volljährig ist. Alle drei suchen mit ihren Problemen Rat, und alle drei tun das auf der Plattform juuuport, die seit Ende September 2009 in Betrieb ist. Hier werden Julia, Tom, Mia und viele andere Nutzerinnen und Nutzer aber nicht von Erwachsenen beraten, sondern von Jugendlichen – Juuuport ist eine Online-Plattfom von Jugendlichen für Jugendliche. Optisch ansprechend im Comic-Stil gestaltet, ohne dabei überladen zu wirken, bietet Juuuport den jugendlichen Ratsuchenden die Möglichkeit, sich mit ihren Anliegen rund um die neuen Medien im fooorum direkt an die Community zu wenden. Vielleicht wissen andere Userinnen und User ja eine Antwort oder können aus eigener Erfahrung berichten, wie sie mit bestimmten Problemen umgegangen sind. Aber nicht alle Probleme, die einem im Web begegnen, möchte man öffentlich ansprechen. Um auch bei solchen Problemen helfen zu können gibt es die Rubrik Beratung, in der sich die Nutzerinnen und Nutzer per Kontaktformular oder E-mail direkt an einen sogenannten "Scout" wenden können. Scouts sind extra geschulte Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren, die ehrenamtlich als Beraterinnen und Berater zur Verfügung stehen oder die Seite als Admins aktiv mitgestalten. Außerdem können die Nutzerinnen und Nutzer sich über Internetseiten beschweren, die sie als verstörend oder abstoßend empf inden. Die Beschwerden werden vom juuuport-Team geprüft und an zuständige Institutionen weitergeleitet. Zudem klärt das Portal in der Rubrik Thema des Monats über aktuelle Probleme und Gefahren wie etwa Phishing auf und bietet eine Liste mit hilfreichen weiterführenden Links an. Das Online-Portal geht auf eine Initiative der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) zurück und wird durch die Bremische Landesmedienanstalt (brema), die Medienanstalt Hamburg Schleswig-Holstein (MA HSH) und die Landesrundfunkzentrale Mecklenburg-Vorpommern (LRZ MV) mitgefördert.
http://juuuport.de

Zehn Jahre kids-hotline

Bereits seit zehn Jahren finden Kinder und Jugendliche bei kids-hotline, der virtuellen Beratungsstelle des Kinderschutz München e. V., Rat und Hilfe. Heranwachsende bis 21 Jahren werden hier zu Themen wie Sexualität und Liebe, Pubertät, Familie, Schule und Ausbildung, Sucht und Gewalt oder zum Sinn des Lebens beraten. Kostenfrei und anonym steht die Onlineberatung ratsuchenden Jugendlichen rund um die Uhr zur Verfügung, nach dem Motto: "Wenn deine Welt mal Kopf steht – wir sind für dich da". Gerade die Anonymität erleichtert es den Jugendlichen, Probleme anzusprechen und sich von anderen Userinnen und Usern oder einem kompetenten Team von Fachberaterinnen und -beratern, den "Fachteamerinnen und -teamern", helfen zu lassen. Auf kids-hotline.de gibt es drei Möglichkeiten der Beratung. Jugendliche können ein Forum eröffnen und ihre Fragen stellen. Sinnfragen oder Stress mit den Eltern bis hin zu Missbrauch und Mobbing können Themen sein, bei denen Userinnen und User, Peerberaterinnen und -berater – Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren, die, von den Fachberaterinnen und -beratern geschult und begleitet, aus eigener Erfahrung heraus beratend zur Seite stehen – und das Team der Fachberatenden Tipps geben, zuhören und helfen. Da nicht alle Ratsuchenden ihre Probleme im offenen Forum ansprechen möchten gibt es zudem die Einzelberatung. Hier können sich die Jugendlichen von einem Mitglied des Beratungsteams individuell und geschützt beraten lassen, ohne dass andere anwesend sind. Drittens werden regelmäßig Chats zu Themen angeboten, die sich Nutzerinnen und Nutzer gewünscht haben oder bei denen die Beraterinnen und Berater Bedarf sehen. Diese werden von einem Mitglied des Beratungsteams betreut. kids-hotline.de ist das größte deutschsprachige Beratungsangebot dieser Art und wird vor allem durch ehrenamtliche Mitarbeit getragen.
https://kids-hotline.de

Zahlen oder nicht zahlen?

Das Urheberrecht hat es schwer in Zeiten des Internet: Oft gibt es Musik und Filme schon vor ihrer Veröffentlichung illegal online. Der Schaden für die Industrie geht allein in Deutschland jährlich in die Millionen. Die Initiative RESPE©T COPYRIGHTS möchte hier aufklären und das Thema Raubkopieren für Jugendliche greifbar machen. Dazu bietet sie auf ihrer Homepage neben kostenfreien Unterrichtsmaterialien auch eine Anleitung für ein Rollenspiel, das helfen soll, auf spielerische und differenzierte Weise mit Jugendlichen über das Thema Urheberrecht ins Gespräch zu kommen. Das Rollenspiel will einen persönlichen Zugang ermöglichen und bedient sich deshalb einer nachvollziehbaren Ausgangssituation: Horst Müller betreibt ein kleines, eigentlich beliebtes Kino. Seit Jahren kommen aber immer weniger Gäste, denn viele sehen sich die Filme lieber kostenlos, wenn auch illegal als Download an. Als wäre das nicht genug, hat Herr Müller auch noch Ärger mit dem Filmverleih, denn eine bei einer Razzia gefundene Raubkopie wurde nachweislich in seinem Kino mitgeschnitten! Horst Müller weiß nicht weiter, schließlich ist er auf die Verleihe angewiesen, doch er möchte seine Kundschaft auch nicht durch übertriebene Sicherheitskontrollen verärgern. So lädt er zur Podiumsdiskussion, um gemeinsam mit Jugendlichen eine Lösung zu finden. Die Teilnehmenden vertreten dabei unterschiedliche Meinungen: Von der Schauspielerin bis zum Raubkopierer darf jeder zu Wort kommen. Neben der neutralen Moderatorin sind mit Müller insgesamt sieben Charaktere dargestellt, deren Positionen auf Rollenkarten beschrieben werden. So können sich die Jugendlichen auf ihre Rolle vorbereiten und Argumente für ihre Figur zurechtlegen.
Darüber hinaus bietet das Material Hintergrundinformatio­nen über die Filmindustrie, die rechtlichen Grundlagen des Urheberrechts sowie drohende Strafen bei Verletzung. Das hilft den Jugendlichen, zu verstehen, warum geistiges Eigentum geschützt wird und dass der Schaden durch illegale Downloads zwar Hollywoodstars nicht weh tut, vielen anderen Personen, die an der Produktion beteiligt sind, aber schon. Zudem wird gezeigt, wie Argumente für das Raubkopieren mit dem nötigen Hintergrundwissen entkräftet werden können.
www.respectcopyrights.de


Jugendliche als FSK-Prüfer?!

Wie nehmen Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren Gewalt in Filmen wahr und wie verarbeiten sie das Gesehene? Diese Frage versucht das Projekt 16 – Medienkompetenz und Jugendschutz III zu beantworten. Über 200 Jungendliche aus verschiedenen Schulformen sind für das Projekt, das von der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft GmbH (FSK) in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur Rheinland-Pfalz initiiert wurde, in die Rolle der FSK-Prüferinnen und Prüfer geschlüpft, um gewalthaltige Genrefilme zu beurteilen. Ausgewählt wurden dafür drei Kinofilme, die in den Ausschüssen der FSK zwischen "Beeinträchtigung" und "Gefährdung" in Bezug auf die Gewaltwirkung diskutiert wurden – die Filme 300, Vier Brüder und Chiko. Die Auseinandersetzung der Jugendlichen mit der Filmanalyse, der Beurteilung von Wirkungen und die anschließende Diskussion um die Jugendfreigabe sollten zum einen deren Medienkompetenz fördern, zum anderen die Spruchpraxis der FSK um Einblicke in die Lebenswelten der Jugendlichen erweitern. Schließlich ist es für Erwachsene nicht immer leicht, die Medienmündigkeit Heranwachsender und deren Kompetenz im Umgang mit medialer Gewalt einzuschätzen. Die Ergebnisse des Projekts wurden daher mit der Arbeit der plural besetzen FSK-Ausschüsse konfrontiert und verglichen. Dabei wird deutlich, dass die befragten Jugendlichen klare Grenzen zwischen Jugend- und Erwachsenenfreigaben setzten und zu den gleichen Altersfreigaben kamen wie die Ausschüsse der FSK. Konnten sich Heranwachsende mit bestimmten Situationen identifizieren, setzten sie sich vermehrt mit den scheiternden Heldenfiguren auseinander. Teilweise wurde Gewalt unreflektiert hingenommen, doch gleichzeitig suchten die Jugendlichen, die insgesamt große Seherfahrungen im Actionbereich aufzeigten, auch nach Ursachen für das Gewaltverhalten Einzelner.
Der Ablauf und die Ergebnisse des Projektes, das neben der Förderung der Medien- und Kommunikationskompetenz aller Beteiligten auch als Beitrag zum präventiven Jugendmedienschutz zu verstehen ist, kann in der Broschüre Medienkompetenz und Jugendschutz III. Projekt 16 – wie beurteilen Jugendliche Gewalt im Film?, die bei der FSK inklusive DVD kostenfrei bestellt werden kann, nachvollzogen werden. Die DVD bietet mit Interviews mit den Schülerinnen und Schülern sowie Verantwortlichen der FSK zudem einen atmosphärischen Einblick in die Vorgehensweise des Projektes.
http://www.spio.de/index.asp?SeitID=442

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