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Kinderreporter 2018

Medienbildung und persönliche Entwicklung

Mit Aufnahmegerät, Kamera und Kritikbögen ausgestattet waren zwölf Schülerinnen und Schüler beim Kinderfilmfest München vom 29. Juni bis 07. Juli 2018 im Münchner Kulturzentrum, dem Gasteig, als Kinderreporterinnen und -reporter unterwegs. Kinderfilme wurden beurteilt und Kritiken geschrieben, Filmschaffende interviewt und Eindrücke fotografisch festgehalten. Die Elf- bis 13-jährigen Teilnehmenden, die die Montessori Schule an der Balanstraße München besuchen, nannten sich "Fame Socken Reporter" und beurteilten insgesamt sechs international renommierte Kinderfilme – von Animes wie Mary und die Blume der Hexe, über Komödien wie 100% Coco bis hin zu spannenden Actionfilmen für Kinder wie Kidbusters.

Im Vorfeld des Kinderfilmfestes fanden Vorbereitungstreffen in der Schule der teilnehmenden Nachwuchsreporterinnen und -reporter statt. Hierbei ging es zunächst darum, den Schülerinnen und Schülern wichtige journalistische Kenntnisse spielerisch zu vermitteln und sie zu motivieren. Sie lernten, Filme anhand bestimmter Bausteine zu analysieren, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese auf Papier zu bringen. Dabei konnten sie ihre Kreativität ausleben und sollten sich gezielt spannende Alternativen zu den eher langweiligen Adjektiven "gut" oder "schlecht" ausdenken, wie beispielsweise "zuckerwattesüß" oder "blubberwasserdoof". Darüber hinaus eigneten sie sich in den Vorbereitungstreffen den Umgang mit technischen Geräten, wie Aufnahmegeräten und den Spiegelreflexkameras, an und feilten ebenso an der richtigen Fragetechnik für Interviews.

Aufregender Projektstart

Das eigentliche Projekt startete am Freitag, den 29. Juni 2018, mit dem Eröffnungsfilm Ich bin William im Kino Rio Palast München. Zu Gast war der Hauptdarsteller Alexander Magnússon, der nach dem Film auf der Bühne live vor Publikum interviewt werden sollte. Entsprechend herrschte große Aufregung im Saal und die Teilnehmenden waren kaum auf den Kinosesseln zu halten. Die Reporterin Lilli und der Reporter Ferdinand ließen sich davon nur wenig beeindrucken und führten das Interview gelassen und kompetent.

Im Anschluss starteten die Kinderreporterinnen und -reporter am eigentlichen Veranstaltungsort mit ihren Filmkritiken, von denen eine ausgewählte in der Abendzeitung München erscheinen sollte. Die euphorische Stimmung unter Schülerinnen und Schülern führte zum regen Austausch von Meinungen zu sehr gelungenen oder spannenden Filmen und der Kinovorstellung. Beim Schreiben der Filmkritiken zeigte sich jedoch auch die hohe Menge an zu verarbeitenden Eindrücken, was unter anderem in eine Vermischung mit Erinnerungen aus den Vorbereitungstreffen mündete. Doch schon am zweiten Tag wurde diese Herausforderung gemeistert, und Verbesserungsvorschläge wurden erfolgreich umgesetzt. Diese hohe Motivation mehr zu lernen und einverleibte Energie blieben und hielten sich über die gesamte Projektdauer ungebrochen.

Auffällig war das sehr professionelle und disziplinierte Verhalten der Schülerinnen und Schüler. Ob die selbstverständliche Anwesenheit oder kollegiale Rücksichtnahme in Talk-Runden und Fragestunden im Kinosaal betreffend oder die selbstständige Zusammenarbeit bei der Erstellung der Filmkritiken – die Schülerinnen und Schüler befanden sich im Workflow des Tuns und Schaffens, der mit dem ‚Großer‘ ohne Probleme mithalten kann. Auch die Interviews mit Regisseurinnen und Regisseuren, Filmverantwortlichen und Schauspielerinnen sowie Schauspielern führten sie souverän, mutig und respektvoll. Hierfür wurden sie auch mehrfach von den Interviewpartnerinnen und -partnern gelobt.

Die Kinderreporterinnen und -reporter zeigten sich während des Kinderfilmfestes und in der abschließenden Feedbackrunde von dem Projekt begeistert und begründeten dies unter anderem damit, dass ihre Meinung bei den Filmkritiken gefragt sei und sie diese frei äußern durften. Das empfanden sie als spannender als den üblichen Schulunterricht. Es gefiel ihnen auch sehr, viele verschiedene Filme ansehen und miteinander vergleichen zu können. Das Highlight bestand für die meisten aber auch darin, mit professionellen Aufnahmegeräten interviewen zu können. Sie fanden es toll, dass Expertinnen und Experten auf dem Gebiet Film vertreten waren, die auf ihre Fragen eingingen und sie ernst nahmen. Zu der motivierten Haltung der Nachwuchsreporterinnen und -reporter hat sicher auch der Faktor Öffentlichkeit beigetragen, der das Bewusstsein für eine gute Qualität der veröffentlichten Filmkritiken als auch der Interviews und Fotos im besonderen Maße schärfte.

Mut zur eigenen Meinung

Für die beteiligten Jugendlichen offenbarte das Kinderfilmfest München einen bedeutenden Lerneffekt, der insbesondere darauf gründete, von allen Beteiligten ernst genommen zu werden und Respekt für die eigene Meinung zu erhalten. Das Projekt vermittelte den Kindern auf diese Weise, dass die eigene Position und die eigenen Fragen gehört werden und eine Rolle spielen. Gleichermaßen haben die Schülerinnen und Schüler erfahren, unabhängig von anderen, auch von Erwachsenen, einen eigenen Standpunkt zu vertreten und entfalteten erste Blüten eines kritischen Denkvermögens. Kreativität, Kommunikationsfähigkeit aber auch Persönlichkeitsbildung und Selbstbewusstseinsstärkung – das waren die wesentlichen Stichpunkte, die die Teilnehmenden für sich mitnehmen konnten. Denn Meinungen und Thesen mussten schließlich auch Hand und Fuß haben und innerhalb einer zielgerichteten Argumentation belegt werden. Ganz nebenbei ermöglichte ihnen das Beurteilen der international renommierten Filme den Zugang und die Auseinandersetzung mit gesellschaftsrelevanten Themen wie Armut und Mobbing.
Durch die Teilnahme am Projekt konnte der Aufbau von Medienkompetenz in vielerlei Hinsicht gefördert werden. Die Teilnehmenden erlernten den Umgang mit professionellen Kameras und Aufnahmegeräten und erlangten Kenntnisdarin, wie man Filme analysiert, kritisiert und welche Qualitätsmerkmale es dabei zu beachten gilt. Durch die Interviews und die Talk-Runden mit Filmschaffenden erfuhren sie außerdem mehr darüber, wie viel Aufwand hinter der Produktion eines Films steckt und welche vielfältigen Aspekte beachtet werden müssen -zum Beispiel die Synchronisation und Vermarktung.

Das Projekt Kinderreporter wird vom Medienzentrum München des JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis, in Kooperation mit dem Münchner Kinderfilmfest und artechock durchgeführt sowie medienpädagogisch begleitet. Neben den Reporterinnen und Reportern der "Fame Socken" durften auch die Schülerinnen und Schüler der Grundschule an der Herrnstraße einen Beitrag zum Kinderfilmfest leisten, indem sie einen Trailer produzierten, der vor jedem Kinderfilm zu sehen war.

Filmkritiken der Kinderreporterinnen und -reporter sind auf dem Blog www.jff.de/kinderreporter und im Filmmagazin www.artechock.de sowie in der Abendzeitung München veröffentlicht.

Lilly Werny ist Praktikantin bei dem Projekt Kinderreporter am Medienzentrum München des JFF – Instituts für Medienpädagogik in Forschung und Praxis.

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Herausgeber

Kathrin Demmler | Prof. Dr. Bernd Schorb
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