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Makers gonna make, make, make...

Makerspaces, FabLabs und Hacker-Spaces gibt es immer mehr – auch in deutschen Städten. Für viele sind diese Werkstätten, die zum Teil in Hinterhöfen und kleinen leerstehenden Gebäuden entstehen, ein Rätsel. Wer bastelt da vor sich hin? Warum gibt es davon immer mehr? Was ist neu an dieser Bewegung? Neugierde und der Wille, für sich selbst und andere etwas Neues zu erschaffen, sind wohl die Haupttriebfedern der Maker-Bewegung. ‘Maker’ stammt aus dem Englischen und basiert auf dem Wort ‘to make’, was ‘machen’ bedeutet. Genau darin liegt auch der Kern: Dinge verstehen, verbessern oder neu erschaffen, um eigene oder die Probleme der Allgemeinheit zu lösen.

Unter Making versteht man, etwas mithilfe digitaler Technologien selber zu machen, aber erst hinzukommende andere Elemente, wie das Erschaffen oder Modifizieren physischer Elemente, machen Making aus. Makerspaces, FabLabs und Hacker-Spaces stehen alle für Making, doch sie unterscheiden sich etwas voneinander. Hacker-Spaces finden ihren Ursprung eher im Softwarebereich und erinnern etwas an den Chaos Computer Club bei dem sich viel mit Coding und Datensicherheit auseinandergesetzt wird. Makerspaces kann man sich in etwa wie offene Freie Werkstätten vorstellen, in denen sich Technikbegeisterte zusammengeschlossen haben, die möglichst frei und unabhängig ihre Projekte weiterverfolgen möchten. Hierbei liegt der Schwerpunkt mehr auf dem Austausch von Erfahrungen und auch gemütlichem Beisammensein, als einer perfekt eingerichteten Werkstatt. Diesen Aspekt versucht das Fablab zu erfüllen. Hier wird möglichst umfangreiches Equipment gebündelt für die Mitglieder angeboten. Es bietet auch gezielt Kurse an, zum Beispiel Geräteeinführungen oder Projekte für Kinder, setzt aber eher auf das eigenständige Arbeiten der Mitglieder.

Durch neue Technologien und die stetige Weiterentwicklung von Geräten fühlten sich viele Menschen überfordert. Das Phänomen gleicht einer Blackbox: Man sieht, was rein geht, beispielsweise Strom oder Informationen. Am Ende sieht man, was herauskommt – zu wissen, was dazwischen geschieht, bleibt nur wenigen Fachkundigen vorbehalten. Genau das wollten die ersten Maker ändern. So wurden Geräte geöffnet und auseinander gebaut, um zu verstehen, was darin vorgeht. Um selbst Probleme lösen zu können, ohne auf andere angewiesen zu sein. Dabei haben sie jedoch nicht aufgehört, sondern gingen noch einen Schritt weiter, indem sie begannen, Dinge zu verbessern oder gar völlig neu zu erschaffen. Ähnlich wie bei der DIY-Bewegung, die Sachen selbst gestalten will, haben die Maker ihre Ideen und Lösungen geteilt, mit allen, die sie benutzen möchten. Making ist ein soziales Thema. Es geht um das Lernen von- und miteinander. Durch die im Vergleich zur Vergangenheit heute günstigeren Modelle von 3D-Druckern, Lasercuttern und ähnlichen Geräten haben sich schnell Gruppen zusammengeschlossen, um gemeinsam Werkstätten zu eröffnen, in denen sie Maschinen miteinander nutzen und sich gegenseitig unterstützen können.

Durch die BDA von großen Unternehmen wie Google oder Facebook dringt der Begriff der Medienkompetenz zudem in andere Bereiche, die über die Handhabung technischer Geräte hinausreichen. Es geht um mehr. Daten sind eine neue Art von Produkt, die jeder konsumiert und produziert. Welche Daten ich von mir preisgeben möchte und wie viel ich wirklich abgebe, ist häufig nicht konsensuell Oft ist nicht sofort ersichtlich welcher Service welche Daten von mir sammelt und ob diese nicht weitergegeben werden. Genau hier greift der Gedanke des Making. Wie funktioniert ein Algorithmus? Wie funktioniert ein Computer oder Smartphone? Welches Unternehmen möchte wie viel über mich wissen? Um Antworten darauf zu finden, muss man keine Informatikerin bzw. Informatiker sein, denn die Auseinandersetzung mit den eigenen Daten und deren Wert für andere geht schon einen Schritt weiter um sich selbst zu schützen. Braucht die Taschenlampen-App wirklich Zugriff auf meine Kontakte? Die Antwort darauf ist relativ einfach: Nein. Wenn ich jedoch die erstbeste Applikation nehme, ohne darauf zu achten, auf welche Informationen sie Zugriff verlangt, muss ich unter Umständen damit rechnen, dass meine und die Daten anderer unabsichtlich weitergegeben werden. Wie kann Making mir und anderen hierbei helfen? Es hilft Dinge zu verstehen, indem man lernt, Dinge zu zerlegen und sich ihre Funktionsweise zu vergegenwärtigen, sie zu adaptieren oder gar zu verbessern. Hierbei ist das Teilen von entsprechenden Informationen untereinander der Schlüssel, um individuell und als Gruppe zu lernen.

Am Anfang steht eine Idee, die es zu realisieren gilt, oder eine ungeklärte Frage. Gibt es das Produkt nicht so, wie ich es mir vorstelle oder möchte ich ein bestehendes Objekt verbessern? Wie gelingt es beispielsweise, die Farben des Bildschirms durch LEDs auf der Rückseite eines Fernsehers an die Rückwand strahlen zu lassen, damit das Bild weichere Kanten bekommt und somit für die Augen angenehmer zu betrachten ist? Hier könnte ich natürlich den einzigen hier verfügbaren Hersteller aufsuchen, der diese Funktion anbietet. Ich habe aber bereits ein Gerät, das tadellos funktioniert. Wieso also sollte es ausgetauscht werden, wenn es auch die Möglichkeit gibt es zu verbessern!?

Nach einer kurzen Recherche sind schnell andere Bastler gefunden, die ihre Idee dazu schon umgesetzt haben. Teilelisten, Software und eine Bauanleitung für das ‚Ambilight‘ sind auch schon verfügbar. All diese Informationen stehen kostenlos und öffentlich als OER zur Verfügung. Ist Nachbauen aber das Gleiche wie etwas selbst zu entwickeln? Es ist zumindest ein erster Schritt in Richtung Unabhängigkeit und Selbstständigkeit. Man entwickelt und baut etwas – mit allen Erfolgen und Misserfolgen. Man lernt praktisch hinzu und ist schließlich stolz darauf.

In Zeiten von Massenproduktion und fertigen Lösungen aus dem Laden, gehen selbstgebaute Produkte etwas verloren. Selbst etwas zu erschaffen, dieses Gefühl gibt es heute kaum noch im Alltag – außerhalb der Küche zumindest. Making heißt nicht nur, in einer Werkstatt zu sitzen und mit 3D-Druckern neue Dinge zu erschaffen. Es geht um einen neuen Ansatz, die Welt zu betrachten und ein Teil davon zu sein. Für die Medienpädagogik gibt es hier ein großes Potenzial, sowohl was Medienkompetenz betrifft als auch das Aufbrechen von Stereotypen. Hinter dem steckt auch der Anspruch, Kindern und Jugendlichen Technik näher zu bringen und ihnen die Angst vor Themen wie Coding oder Löten zu nehmen, damit sie eigenständig und selbstbestimmt ihr Leben gestalten können. Making ist ein Bildungswerkzeug, dessen Möglichkeiten längst noch nicht ausgeschöpft sind.

Glossar:
Eine Blackbox ist ein Objekt, dessen innerer Aufbau und innere Funktionsweise unbekannt sind.
DIY steht für ‘do it yourself’, also Dinge selbst machen.
Big Data Analytics (BDA) bezeichnet das Sammeln und Auswerten von großen Datensätzen durch Algorithmen.
Open Educational Resources (OER) bedeutet frei zugängliche Lern- und Lehrmaterialien

Jerome Wohlfarth studiert Soziale Arbeit an der Hochschule für angewandte Wissenschaften München.

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Kathrin Demmler | Prof. Dr. Bernd Schorb
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