Elisabeth Jäcklein-Kreis: #dennsi #ewis #senni #chtwassi #etun
Er ist gekommen, um Ordnung zu schaffen in einer chaotischen Welt. Um Inhalte und Informationen zu bündeln. In #justforfun und #seriousthings, in #cybermonday, #justinbieber und #aufschrei. Er ist gekommen, um Menschen schnell zu ihrem Ziel zu führen, sei dieses nun #fcbayern, #gamescom oder #db_bahn. Er ist nie zu spät. Er verfährt sich nicht. Er nimmt keine Umwege. Er duldet kein Chaos. Er kennt sich mit dem #business genauso gut aus wie mit dem #Weltkatzentag, hilft beim #startup weiter und hält zur #icebucketchallenge auf dem Laufenden. Und wer das möchte, den informiert er auch zu #tiniundclarissabestfriendsforever, #soproudofmylittlesisterannidubistdiegrößte oder #kaumzuglaubenderbacheloristgeschaffturlaubherewecomewoohoo6monateaustralien-letsgetthepartystartet. Freilich, besonders viel ‚Laufendes‘ wird da mitunter nicht zu finden sein.
Wer sich anschickt, seine Timeline auf #miawird5prinzessinnenpartyimgarten hin zu sortieren, wird sich vermutlich mit einer überschaubaren Anzahl an royalen Veranstaltungen zufriedengeben müssen. Schlimmer ergeht es nur dem, der die Unvorsichtigkeit begeht, dem tieferen Sinn so mancher #-Tiraden auf den Grund gehen zu wollen. Der nämlich findet sich mitunter in einem urbanen Bermuda-Dreieck wieder, versunken und verloren in endlosen Reihen von scheinbar willkürlich aneinander gereihten Buchstaben, weit und breit kein rettendes Leerzeichen oder Satzzeichen in Sicht, kein Ausweg mehr nach hinten oder vorne, nur noch #einschierunendlichesgetümmelanimmerneuenzeichenausdeneneskaum-mehrmöglichistunverehrthervorzukommen. An der Suche nach sinnvollen Fragmenten, logischen Bruchstücken dieser Wahnsinns-Gebilde ist schon so manch versierte Löserin bzw. Löser von Rätselheften gescheitert, bringt der Hashtag in seiner ewigen Eintönigkeit doch noch jeden Bildschirm zum Flirren und jeden noch so scharfen Blick zum Kapitulieren.
Vorbei ist es dann mit dem vollmundigen Versprechen, Ordnung in Timelines und Nutzerhirne zu bringen, unversehens wird aus dem schönsten Tag im Leben ein #dre #am #wed #ding, aus dem beruflichen Erfolg ein #karri #er #esch #ritt und aus dem gemütlichen Abend mit Bewegtbild und Snack ein #dennsi #ewis #senni #chtwassi #etun. So lange letzteres nicht nur für James Dean und Co., sondern auch für so manch #-Nutzende gilt, drängt sich doch die Frage auf: Wer bringt nun Ordnung in die chaotische Welt der Hashtags? Wer bündelt, wer sortiert, wer führt zum Ziel? Brauchen wir ein neues System? Tags für die Tags? Es muss in dieser Informationsflut doch einen rettenden Anker geben, der den Überblick behält und die Menschen endlich zu ihrem Ziel führt.
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