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Antje Müller: Wir wollen uns wieder – in ‚echt‘ jetzt!

  • 2019

Zur Person

Freundschaften sind wichtig, und sobald man sich in einer neuen Stadt befindet, wird nach neuen Verbindungen gesucht. Dabei geht es nicht allein um den Besitz. Es geht um das Teilen von Gemeinsamkeiten, um die Vermittlung und Versicherung von Persönlichkeit. Es stärkt die ei­gene Identität! Nun sind jedoch nicht alle Wege gleich effektiv. Manche haben sich abgenutzt, andere sind vielleicht so neuartig, dass es die Mechanismen zunächst zu verstehen gilt. Kom­munikationskulturen sind eben ein großes The­ma. Jugendliche ziehen aufgrund von Studium, Beruf oder Beziehung durch die ganze Welt, von einer Stadt in die nächste. Wenige können noch stolz von einer überschaubaren Wohnsitzanzahl reden, geschweige denn diese gemäß einer an­nähernd korrekten Chronologie noch aufzählen. Niemand kann gleichzeitig geistig und physisch an denselbem Ort weilen, aber der Drang, dies tun zu wollen, ja, – nahezu zu müssen, be­wegt einige Jugendliche und junge Erwachsene dazu, alternative Kommunikationsstrategien und -praktiken auszuloten. WhatsApp, Facebook und Co. sind dabei treue Begleiter und dienten bis­her zuverlässig dem Vorhaben und gleichzeitig Gemeinschaftsgedanken, die offline geschlosse­nen Kontakte auch online zu vernetzen. Für die dadurch vielfach erleichterte Organisation von Gruppenabsprachen und -information war man dankbar. Neuerdings tun sich jedoch von grup­penungebundenen Einzelnen initiierte Kommu­nikationspraktiken hervor, die mit einer Vielfalt an Gruppenanfragen das Social Web vereinnah­men, um Freundschaften geschehen zu lassen statt in Kauf zu nehmen. Ein ‚selbstloser‘ Plan, soziale Kreise zu generieren, wenn sie schon nicht allein entstehen. Jetzt geht es plötzlich nicht mehr nur darum, die gute alte Bekannte oder den treuen Bekannten zufällig in der Lieb­lingsbar anzutreffen oder den Sportkontakt mal zu einem Kaffee einzuladen, sondern Online- Offline-Räume zu schaffen, Vernetzungen online zu inszenieren und offline zu befördern – im ganz großen Stil! Man stelle sich vor, es gäbe einen unheimlichen Bedarf an der Rückkehr zu und ei­ner Wiederentdeckung realer Kontakte, die – so die kleine entscheidende Änderung: Online und für jegliche Nischeninteressen generiert werden. Eine Gruppe für deine Altersgruppe, eine für dein Stadtviertel, eine die gern wandert, eine die kulturelle Unternehmungen anstrebt, eine fürs Skifahren… Die Gastgeberin bzw. der Gast­geber oder vielmehr der Admin bemüht sich da­bei nicht nur um akkurate Selektion, Zuordnung und kleine Kommunikationsmotivationsschübe, sondern ebenso um Persönlichkeitsanalysen für Selektion nach der Selektion – bei Bedarf. Nicht nur, um ihrem bzw. seinem Ziel der Vernet­zung nachzukommen, sondern um – fast schon pädagogisch – anderen zu zeigen, wie es geht. Jedes persönliche Scheitern an Online-Hatern oder Offline-Missachtung wird dabei registriert bis kontrolliert, falls nötig verwertet und wenn nötig weitergegeben. Die Radarfühler sind weit gestreckt und die Informationsweitergabe selbst zu nicht administrierten Bereichen funktioniert einwandfrei. Dabei steht und fällt die Party oder der Mädels-Treff mit dem Potenzial des Einge­ladenen oder Hinzugefügten, die Chance zum Kontakteknüpfen nutzbar zu machen und, nicht zuletzt natürlich, mit der ‚Besonnenheit‘ des Admins, welche oder welcher die- oder denje­nigen dann eventuell zur nächsten Connection beitreten lässt. Dankbar – hoffentlich – den or­ganisatorischen Aufwand nicht selbst betreiben zu müssen!

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Kathrin Demmler | Prof. Dr. Bernd Schorb
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