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Cornelia Pläsken: Rechtsextremismus kompakt

    Zur Person

    Thüringer Landesmedienanstalt (TLM) (2013). MEDIENKOFFER gegen RECHTS. DVD und Broschüren, kostenfrei.

    Heimatgefühl, Umweltschutz und Proteste gegen Kindesmissbrauch – all diese Themen sind auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich, bedrohlich oder kritisch zu betrachten, allerdings eben nur auf den ersten Blick! Mit scheinbar normalen gesellschaftlichen Themen ködern rechtsextremistische Vereinigungen Kinder und Jugendliche, um ihnen dann rechtsextremistisches Gedankengut schmackhaft zu machen. An dieser Stelle versucht der MEDIENKOFFER gegen RECHTS anzusetzen, um mithilfe von Pädagoginnen und Pädagogen medienpädagogische Aufklärungsarbeit bezüglich Rechtsextremismus zu betreiben. Der Koffer ist ein Gemeinschaftsprojekt der Thüringer Landesmedienanstalt (TLM), des Thüringer Ministeriums für Soziales, Familie und Gesundheit (TMSFG) und des Thüringer Instituts für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (Thillm). Er bietet eine umfangreiche multimediale Materialsammlung, die theoretisch von Pädagoginnen und Pädagogen aus Thüringen kostenfrei erstanden werden kann. Praktisch sind alle 600 bestehenden Exemplare des Koffers bereits vergriffen, die Inhalte können aber auch online abgerufen und verwendet werden. Das Material soll wertvolle methodische Anregungen und Hilfen für die Kompetenzförderung im Umgang mit problematischen Medieninhalten geben.

    Doch was genau ist eigentlich drin? Eine ganze Menge! Neben einigen Faltblättern und einer DVD gibt es vier Broschüren unterschiedlicher Ausprägungen. Der Titel der umfangreichsten Broschüre lautet: „Rechtsextremismus hat viele Gesichter“. Eine 90-seitige Handreichung für Lehrkräfte von klicksafe.de, in der es darum geht, wie Rechtsextreme im Netz erkennbar sind und was gegen Rechtsextremismus konkret getan werden kann. Lehrerinnen und Lehrer bekommen zum einen umfassende Informationen zur Thematik und zum richtigen Umgang damit in der Klasse. Zum anderen erhalten sie Anregungen, wie beispielsweise ein Elternbrief aussehen könnte, der darüber informieren soll, dass Rechtsextremismus in nächster Zeit im Unterricht thematisiert wird. Zusätzlich enthält die Broschüre hilfreiche Links, auf denen entweder Zusatzmaterial für die Schule abgerufen werden kann oder weitere Informationen rund um das Thema gegeben werden. Die Broschüre verweist außerdem auf Internetseiten, die rechtsextreme Propaganda im Netz verbreiten. Mithilfe dieser Seiten soll Heranwachsenden durch einschlägige Slogans, Musik oder modernes Design der Einstieg in die Szene geebnet werden. Durch die ausführliche Darstellung solcher Seiten ist es Lehrkräften möglich, Schülerinnen und Schüler detailliert und anschaulich über die Gefahren, die hier lauern, zu informieren und darüber zu diskutieren. Im letzten Teil der Broschüre sind nochmals hilfreiche Linklisten aufgeführt und Arbeitsmaterialien für den Unterricht beigelegt, die durch didaktische Empfehlungen ergänzt wurden.

    Eine weitere Broschüre von klicksafe.de ist gleich in fünffacher Ausführung im Koffer enthalten. Tipps für Eltern. Rechtsextremismus im Internet zielt, wie der Name bereits verrät, auf Eltern als Zielgruppe ab. Hier sollen Eltern informiert werden, wie Neo-Nazis das Internet für ihre Zwecke nutzen, welche gesetzlichen Vorgaben zu dieser Thematik existieren, wie entsprechende Inhalte als solche deklariert werden können und wie man die eigenen Kinder diesbezüglich informieren und schützen kann. Besonders auffällig bei dieser Broschüre ist, dass Handlungsanweisungen für Eltern keineswegs übertrieben oder übervorsichtig sind, sondern reflektiert und angemessen. Neben Lehrkräften und Eltern werden auch die Jugendlichen bedacht. „Klickt‘s? Geh Nazis nicht ins Netz“ richtet sich an Jugendliche von zwölf bis 15 Jahren, um ihnen eher spielerisch die Thematik näher zu bringen. Ein Teil der Inhalte ist wie ein Chat aufbereitet, durch den sich Jugendliche angesprochen fühlen sollen. Die Verwendung von Jugendsprache soll dies unterstreichen. Der andere Teil besteht aus aufklärenden Informationen und Möglichkeiten. Bei dieser Broschüre ist allerdings fraglich, ob Jugendliche in diesem Alter das Material ernst nehmen und wie genau der Einsatz aussehen soll, da dazu in der Beschreibung des Koffers nichts Genaueres erwähnt wird. In der letzten Broschüre Die Rechtsextremen sagen werden 17 Argumentationslinien der NPD aufgegriffen und argumentativ entkräftet.

    Auf diese Weise soll verständlich gezeigt werden, wie Rechtsextremisten die Realität zu ihren Gunsten verdrehen und was hinter den Denkstrukturen wirklich steckt. Neben den Broschüren liegt auch die DVD Gegen Rechts! Handlungsstrategien für die Schule bei. Sie richtet sich an alle Schulformen, ab der achten Jahrgangsstufe. Die DVD ist in vier Kategorien aufgeteilt: Video, Audio, Bild und Material. Es gibt eine Reportage über eine Schulklasse, die ein Konzentrationslager besucht. Bei den üblichen Führungen wird den Schülerinnen und Schülern das KZ näher gebracht. Dazu übernachtet die Klasse mit ihrer Lehrerin dort und hilft bei den anfallenden Arbeiten. Das Video ist sowohl in der rein zu rezipierenden Version als auch interaktiv vorhanden. Die interaktive Version unterscheidet sich im Grunde nur durch interaktive Fragen zum Video, die zwischendruch gestellt werden. Neben der Reportage gibt es drei sogenannte Erklärfilme, ein Interview mit einer Lehrerin und eine Umfrage mit Menschen auf der Straße, bei der es darum geht, was man gegen Neonazismus tun kann. Bei der Umfrage wird jedoch nicht ganz deutlich, worin der Nutzen für die Rezipierenden besteht. Das Audio-Material der DVD ist die Audio-Version der letzten beiden Videos und bietet somit auch keinen besonderen Mehrwert. In der Kategorie Bild werden Bilder aus dem KZ, Zahlen bezüglich Neonazismus in Ost- undWestdeutschland sowie Aufkleber neonazistischer Vereinigungen gezeigt. Das Zusatzmaterial hingegen bietet zum Teil Hilfestellungen für Lehrkräfte, da die Materialien adäquat im Unterricht eingesetzt werden können. Auf das interaktive Material trifft dies allerdings nicht zu, da hier der Anspruch eher geringer ist und keine Herausforderung besteht. Zu den Broschüren und der DVD wurden dem Koffer einige Faltblätter beigelegt, die einen thematischen Bezug aufweisen. Sie reichen von Beschreibungen rechtsextremistischer Symbole, Schriftzüge und Zahlencodes über den Hinweis auf eine ausleihbare Ausstellung über Nazi-Rock und die NPD bis hin zu thematischen Beratungsangeboten und Projekten. Die Faltblätter ergänzen den Koffer also um mehr oder weniger Randinformationen, die durchaus große Relevanz haben.

    Der MEDIEN-KOFFER gegen RECHTS bietet vieles zum Thema Rechtsextremismus. Mithilfe von medienpädagogischen Materialien befähigt er Lehrkräfte wie andere pädagogische Fachkräfte, Heranwachsende umfassend über die Thematik aufzuklären, zu informieren und zum kritischen Nachdenken anzuregen. Die beiliegenden Unterrichtsmaterialien sind passendes Werkzeug für den Schulalltag. Didaktisch wertvoll sind die zusätzlichen Anleitungen für die Benutzung der Materialien. Die Broschüren für Lehrkräfte und Eltern sind im Vergleich zur Broschüre für Jugendliche besonders positiv zu bewerten, da sie sinnvoll aufgebaut und äußert informativ sind. Die Handreichung für Jugendliche hingegen wirkt aufgesetzt und nicht überzeugend. Zwar sind die Inhalte an sich gut gewählt, doch ist es schwer vorstellbar, dass sie in dieser Aufmachung wirklich bei der Zielgruppe ankommen. Auch die DVD hat einen mäßigen Mehrwert für den Koffer. Die Reportage und die Erklärfilme sind nett anzusehen, doch fehlt ihnen die stichhaltige Relevanz. Insgesamt war es im ersten Moment etwas überraschend, dass kaum eines der Materialien speziell für den Koffer angefertigt wurde, sondern es sich eher um eine Sammlung von bereits vorhandenem Material handelt. Dies soll den Wert der Inhalte nicht schmälern, da sie einen wichtigen Beitrag für die medienpädagogische Auseinandersetzung mit dem Thema liefern.

    Der MEDIEN-KOFFER gegen RECHTS ist damit ein sinnvolles und brauchbares Werkzeug für Pädagoginnen und Pädagogen, die sich in verschiedenen Bereichen der Medienbildungsarbeit mit dem Thema Rechtsextremismus auseinandersetzen wollen.

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