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Jürgen Ertelt: „StaSi reloaded“

    Zur Person

    Die Verfilmung des Romans 1984 trifft nur annähernd die Tragweite des Welt-Überwachungsskandals, den der Whistleblower Edward Snowden in Teilen öffentlich gemacht hat – mit Daten aus 2008. Stecken wir in 2014 bereits in einer Matrix-Interpretation des Terminator 4-Films mit einem Held namens Snowden oder ist es die potenzierte Daten-Apokalypse mit dem falschen Endzeitdatum 2012? Die Komplexität der Überwachungsmaschinerie überfordert den Einzelnen in seiner Vorstellungskraft, man glaubt im falschen Film zu sein – lebt aber in einer alltagskontrollierten Welt. Die Überforderung lähmt den Widerstand und die politische Handlungsunfähigkeit der betroffenen Regierungen gefährdet das hohe Gut der Demokratie. Die Überwachung wirkt tief nach ihrer Offenkundigkeit: Nur wenige Journalistinnen und Journalisten thematisieren sie in gebotener Vehemenz und Kontinuität der Anklage, Anonymous-Aktivistinnen und -Aktivisten fürchten um ihre Anonymität und werden zahm. Die belächelten Aluhut-Trägerinnen und -Träger der Verschwörungstheoretiker-Fraktion haben Recht behalten – aber hilft es, einen Aluhut zum Schutz zu bauen? Es besteht die Gefahr, dass wir wie ein Kind im Glashaus reagieren und uns durch artiges Verhalten nicht mehr der offensichtlichen Beobachtung ausgesetzt fühlen.

    Das nahm auch der Frosch an, der im langsam erhitzen Wasser doch noch den brühenden Tod fand. Wir dürfen uns nicht mit einer staatlichen Totalüberwachung arrangieren! Und nein, es geht nicht um Datenarmut in Social Media, sondern um die Freiheit, meine persönliche Öffentlichkeit selbst zu bestimmen, ohne gefährdet zu sein oder als Gefahr sortiert zu werden. Die geschätzten Kolleginnen und Kollegen vom Chaos Computer Club und andere Netzaktive fordern in Konferenzen als Reaktion mehr und neue Verschlüsselung im Wettrüsten gegen den Überwachungsstaat; man möge in die Geheimdienste eintreten und diese unterwandern, die Schwarmintelligenz soll ein neues Netz bauen. Also doch Matrix-Revolution? Dem gegenüber stehen die immer wieder zu hörenden absurden Argumente der Fatalistinnen und Fatalisten sowie anderer politischer Opfer, die leider die überwachte Mehrheit stellen: Die leichte Beute spricht von ‚Terrorismus verhindern‘ und ‚selber nichts zu verbergen‘. Der nächste richtige Schritt in Deutschland wäre, die sich eigentlich selbst verbietende Vorratsdatenspeicherung zu streichen. Daran könnte die ‚GroKo‘ gewinnen. Unterm Strich müssen wir dennoch mit Überwachung leben, zumindest bis zum Weltfrieden.

    Dies ist auch eine Herausforderung für die Medienpädagogik. Sie muss politischer agieren und mediale Überwachungstechnologien und deren Sabotage erklären und in Praxis-Workshops einen neuen Code gestalten und hacken trainieren. Das Internet wird nie wieder so sein wie es war. Wer das nicht glaubt, möge bitte jetzt deutlicher sprechen, die Webcam in einen 90 Grad-Winkel stellen und vor Verlassen des Hauses bitte die Akkus seines Mobiles aufladen.

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    Kathrin Demmler | Prof. Dr. Bernd Schorb
    JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis

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