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Oskar Negt: Medienpädagogik und Soziologie

    Zur Person

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    Interdisziplinärer Diskurs

    Medien vor 60 Jahren – Medien heute. Da ist vieles gleich geblieben und doch irgendwie alles ganz anders. Wir sind vernetzt, online und mobil, Medien sind immer und überall – und aus keinem Lebensbereich und keiner (humanwissenschaftlichen) Disziplin wegzudenken. merz, seit 60 Jahren Forum der Medienpädagogik, nimmt ihren Geburtstag zum Anlass, um dies im interdisziplinären Horizont zu erörtern. Wir fragten Kolleginnen und Kollegen verschiedenster Disziplinen: Was macht den Mehrwert medienpädagogischer Forschung und Praxis in der zunehmend mediatisierten Gesellschaft aus?

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    In herkömmlichen Traditionsmilieus mag es eine besondere Bedeutung haben, wenn die Lebensdauer von 60 Jahren Anlass für eine Festschrift ist; im Falle von merz ist das anders. Allein der Tatbestand, dass es eine solche Zeitschrift noch gibt, dokumentiert eine politische Bedeutung.Seit nunmehr über 40 Jahren mit soziologischen und philosophischen Problemen der Öffentlichkeit befasst, fällt es mir zunehmend schwer, am Verbindungsfaden zwischen Öffentlichkeit, Aufklärung und Emanzipation fortzuspinnen. Denn das war ja die theoretische Grundüberzeugung, als ich mit Alexander Kluge Öffentlichkeit und Erfahrung schrieb. Diese teilten wir auch mit Hannah Ahrendt und Jürgen Habermas; ein gewisses Pathos steckte in dieser Haltung. Herstellung von Öffentlichkeit war das Leitmotiv jeder Herrschaftskritik. Das ist gewiss auch heute nicht falsch, aber viel zu wenig, um den Wahrheitsversprechen der Aufklärung gerecht zu werden, wie Immanuel Kant es formuliert hatte: Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit. Durch Privatisierung der Öffentlichkeit hat sich innerhalb von zwei Jahrzehnten die Medienlandschaft so grundlegend verändert, dass die alten begrifflichen Muster weder gesellschaftstheoretischen Analysen noch für die Praxis hinreichen.Es ist das entstanden, was Emile Durkheim einen anomischen Zustand nannte: Alte Regeln gelten nicht mehr unbesehen, neue sind noch nicht gefunden, werden aber gesucht.

    Die geistige Situation der Gegenwart lässt sich kennzeichnen als kulturelle Suchbewegung. Aber was wird hier gesucht? Die neuen Medien sind konstitutioneller Bestandteil der Gegenstandswelt, sie lassen sich von den Lebenszusammenhängen nicht mehr trennen. So kommt es darauf an, sie unter Gesichtspunkten der sinnvollen Verwendung zu überprüfen. In einem gesamtgesellschaftlichen Zustand, den wir Demokratie nennen, sind differenzierte Lernprozesse notwendig, um das Orientierungswissen zu erweitern. Es ist weitgehend Verfügungswissen, was den heutigen Umgang mit den Medien kennzeichnet.Demokratie ist die einzige staatlich verfasste Gesellschaftsordnung, die gelernt werden muss; alltäglich und bis ins hohe Alter hinein. Ich kann mir vorstellen, dass eines Tages Medienbildung und Medienerziehung selbstständige Unterrichtsfächer neben den traditionellen Fächern wie Naturwissenschaften, Sprachen und Mathematik stehen werden. Die Zeitschrift, die im Namen Medien und Erziehung trägt, ist mit zahlreichen Beiträgen dieser Aufklärungslinie gefolgt. Es ist zu hoffen, dass sie diese Ziele noch lange weiterverfolgt und damit zu allgemeiner Medienmündigkeit beiträgt.

    Oskar Negt ist Sozialphilosoph und emeritierter Professor für Soziologie der Leibniz Universität Hannover. Er gilt unter anderem auch als Vertreter der kritischen Theorie.

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