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Swenja Wütscher: Auf den Hund gekommen

    Zur Person

    Er selbst, eine kalte Schnauze auf vier Pfoten, gilt als äußerst treuer Begleiter, doch seinen eigenen treuen Weggefährten hat Dackel Darius verloren. Besser gesagt hat das Schlappohr seinen Knochen selbst vergraben, hat aber nicht den blassesten Schimmer, wo auf dem Bauernhof sich sein Herzstück nun befindet. Glücklicherweise hilft ihm sein Freund Mops Moritz, den verschwundenen Leckerbissen wiederzufinden. Dazu lädt die interaktive Kinderbuch-Spiele-App Dackel Darius sucht seinen Knochen Vorschulkinder ein, Darius auf seiner Knochensuche zwischen Hühnerstall, Traktor und Pferdekoppel ebenfalls behilflich zu sein. Spielerisch lernen die Kleinen dabei die Welt eines Bauerhofs mit seiner vollen Tier-, Obst- und arbenpracht pädagogisch sinnvoll kennen. Sie erfahren beispielsweise, wo Milch, Eier und Wolle herkommen, dass Pferde den Menschen früher bei der Feldarbeit geholfen haben und was der Unterschied zwischen einem Hengst und einer Stute ist. Zudem sind fünf kleine Aufgaben in die Geschichte integriert, die das Gehörte bildlich abfragen. Die Konzentration, Sprach- und Hörmerkfähigkeit sowie die auditive Wahrnehmung werden dadurch unbewusst trainiert. Durch Farbund Positionswechsel der Geschichten- und auch Spieleelemente bei jedem Neustart wird zudem der Lerneffekt erhöht, die Aufmerksamkeit durch Neues aufrechterhalten und dem Auswendiglernen erfolgreich entgegengewirkt. Zwar besitzt die Kinderbuch-App dabei durchweg liebevoll-detaillierte Illustrationen, die durch gezieltes Einsetzen von einigen wenigen Animationen einer visuellen Überreizung vorbeugen und damit die Aufmerksamkeit nicht verteilen, die Bedienung der Anwendung verlangt Vorschulkindern allerdings eine zu große Portion Vorwissen oder zumindest eine Intuitionsstärke ab. So ist die Abbildung einer Hundehütte in der Menüzeile nur für versierte Nutzende selbsterklärend ein Home-Button, der zur Startseite der App zurückführt, und ein nach links beziehungsweise rechts gerichteter Dackel ein Zeichen für Vor- und Zurückblättern. Auch ist die Abbildung eines Hundes, welcher bei Berührung seine Sprechblase zwischen „WAU“ und „PSSST“ wechselt, auf der App-Startseite zwar niedlich, sie verlangt der Zielgruppe der Vorschulkinder aber sowohl eine eigentlich nicht unbedingt vorhandene Lesekompetenz wie auch eine gute Deutungskompetenz – „WAU“ bedeutet „App-Ton an“ – ab, ohne zumindest direkt akustische Unterstützung zu liefern. Diese Navigationsverwirrung durch zwar äußerst kreative, aber inhaltlich zu anspruchsvolle Symbole zieht sich durch die gesamte Anwendung und resultiert daher in der zwingenden Notwendigkeit einer – nicht vorhandenen – App-Bedienungsanleitung; teilweise übrigens auch für erwachsene Nutzende. Grundsätzlich sind die Ein- und Ausschaltfunktion der Erzählstimme sowie der Bilder- und Lesemodus der Kinderbuch-App dennoch besonders hilfreich, um beispielsweise gemeinsam die Bilder anzusehen und durchzusprechen oder die Geschichte als Gute-Nacht-Lektüre vorzulesen. Aber auch die Anwendung selbst kann sich hören lassen, da es erkennbar professionelle Sprecherinnen und Sprecher sind, die Dackel Darius und seinen tierischen Freundinnen und Freunden ihre Stimme geliehen haben.

    Die Art ihrer Aufbereitung spricht dabei Jungen und Mädchen gleichermaßen an. Neben dem Geschichtenmodus – ob selbst gelesen, vorgelesen oder angeschaut – können die 19 vorhandenen Illustrationen je nach Altersstufe in einem separaten Spielemodus auch in zwei Schwierigkeitsgraden gepuzzelt werden; mit wahlweise sechs oder zwölf Puzzleteilen. Leider ist auch diese nützliche und sehr gute Auswahloption nur zufällig – oder gar überhaupt nicht – aufzufinden. Auch ist es in dem gut durchdachten Konzept der App zwar ein Herzensanliegen, die Merkfähigkeit zu trainieren, dennoch wäre es sinnvoller, die Instruktionen der Spiele würden während der Durchführung zum Nachlesen stehenbleiben, um unnötige Frustrationen zu vermeiden. Auch die Instruktionsvorgänge selbst könnten expliziter beschrieben sein. Neben der Anweisung „Hilf den Hunden durchs Maisfeld-Labyrinth zu laufen“ wäre beispielsweise eine Beschreibung, wie genau dies zu tun ist, hilfreich. Eine anderes Gimmick wiederum sticht aus der Anwendung positiv hervor: Zur Einübung von lokalen Präpositionen wie auf, neben, unter oder zwischen, ist auf jeder dieser Abbildungen nämlich zusätzlich noch eine Maus versteckt. Deshalb eignet sich die Kinderbuch-App auch zur Unterstützung sprachtherapeutischer und logopädischer Behandlungen.

    Bei Dackel Darius sucht seinen Knochen wollen also Früchte und Tiere benannt, ein Labyrinth durchquert und Präpositionen zugeordnet werden, ohne dass Langeweile einkehrt. Erfolgreich. Denn mit den Abstrichen einiger, auch ernüchternder Eingewöhnungsminuten zur Bedienung, bietet die Kinderbuch-App ein erfolgreich gut durchdachtes Konzept mit emporragendem, pädagogischem Mehrwert auf allen unterschiedlichen Ebenen: im Erzählermodus, im Lesemodus und im Bildermodus ... vor allem durch (klitze-)kleine, interaktive Elemente, wie dem Belohnungspiepsen, das beim Auffinden der versteckten Maus auf den Illustrationen ertönt. Auch die angedachte Zielgruppe der Drei- bis Sechsjährigen wird – nicht nur durch die Hauptfigur eines Hundes, den sich besonders viele Kinder in dieser Altersgruppe wünschen – durch die Aufbereitung angesprochen, sei es nur durch kleine, versteckte Zusatzgeräusche und -Animationen, die erfahrene Kinder auf Bilderbuch-Bildschirmen suchen und auf diesem finden können. Dass die Anwendung nicht nur unter iOS, sondern auch unter Android läuft, ist ebenso eine Besonderheit, da die meisten Apps nicht für den Gebrauch auf einem Google-Smartphone ausgerichtet sind.

    Diese Anwendung ist mit absolut identischen Versionen verfügbar für iPhone, iPod touch, iPad, Android-Smartphones und Tablet-PCs. Zu einem Preis von 1,79 Euro steht das Kinderbuch in den deutschen App Stores zum Kauf bereit. Angemessen sind diese Kosten unter anderem auch deshalb, da die Macherinnen und Macher von Dackel Darius den Hund up-to-date halten. Ein schönes, lobenswertes Update hat das Schlappohr auch bereits spendiert bekommen, Version 2.0. In dieser wurde unter anderem aus Rücksicht auf kleinere Nutzende die Swipe-Funktion deaktiviert, um ungewollten Seitenwechseln vorzubeugen.

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    Kathrin Demmler | Prof. Dr. Bernd Schorb
    JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis

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