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Teresa Strebel: Etwas mehr Respekt, bitte!

    Zur Person

    Stiftung Lesen (2015). Respekt, Respekt! Ideen für den Unterricht für die Klassenstufen 7–10. www.stiftunglesen. de/programmbereich/schule/sekundarstufe/respekt. 22 S., kostenfrei.

    Wie möchte ich von meinen Mitmenschen behandelt werden? Wie gehe ich mit den Menschen in meinem Umfeld richtig um? Was genau steckt hinter Begriffen wie Toleranz, Fairness, Anerkennung, Mobbing oder Diskriminierung? Gerade in Pubertät geht es im Kontext von Orientierungs- und Identitätsbildungsprozessen Heranwachsender häufig um respektvolles oder respektloses Verhalten, da Grenzen, Autoritäten, eigenes Handeln und dessen Konsequenzen ausgetestet sowie neue Erfahrungen gesammelt werden (vgl. Albert et al. 2010; Geißler et al. 2013). Das Unterrichtsmaterial Respekt, Respekt! der Stiftung Lesen, die dieses mit Unterstützung der Kulturinitiative eXperimente der Aventis Foundation konzipiert hat, motiviert Lehrkräfte, diese Verhaltensweisen zum Thema zu machen. Arbeitsgrundlage sind Themenkarten für Schülerinnen und Schüler, mit deren Hilfe diese die aufeinander aufbauenden Schwerpunkte ‚Bedeutung von Respekt‘, ‚Kommunikation und Respekt‘ und ‚Respekt im Netz‘ erarbeiten. Auf jeder Karte finden sich zum einen Informationen zu einzelnen Aspekten des jeweiligen Schwerpunkts, zum anderen vielfältige Anschlussaufgaben, die selbständig – alleine oder im Team – bearbeitet werden sollen. Zum Einstieg geht es um den Begriff Respekt allgemein. Es werden erste Erläuterungen dargelegt, die verständlich und treffend beschreiben, was sich hinter dem Wort verbirgt. Auf Basis dessen machen sich die Jugendlichen Gedanken dazu, was sie selbst darunter verstehen. Auch wird auf den geschichtlichen und rechtlichen Hintergrund, also Respekt im Kontext von Menschenwürde eingegangen sowie respektvolles Verhalten in verschiedenen Situationen und gegenüber unterschiedlichen Personengruppen beleuchtet.

    Der Zusammenhang von Respekt und Gefühlen bzw. Empathie-Fähigkeit ist Teil des zweiten Schwerpunkts. Hier geht es vor allem um respektvolles Verhalten in der alltäglichen Kommunikationund die Macht von Worten. Die Schülerinnen und Schüler werden angeregt, sich mit der Kommunikation innerhalb ihrer Peergroup und der Schule auseinanderzusetzen sowie zu reflektieren, was ‚rausgerutschte‘ oder ‚reingedrückte‘ Äußerungen und Sprüche bei ihnen selbst oder dem Gegenüber auslösen können. In diesem Kontext spielen auch die Selbstwahrnehmung bzw. eigene Stärken und Schwächen eine zentrale Rolle. Abschließend werden gemeinsame Regeln für einen fairen Umgang innerhalb der Klasse entwickelt. Gerade mit Blick auf sogenannte Hate Speeches und Cybermobbing-Problemfelder, mit denen sich viele junge Internetnutzende konfrontiert sehen (vgl. mpfs 2014; Schnetzer 2014), wird Respekt auch im Netz – speziell in sozialen Netzwerken – relevant. In diesem Kontext geht es immer wieder um den Missbrauch persönlicher Daten. Anhand ihrer eigenen Online-Profile analysieren und bewerten die Projektteilnehmenden daher im dritten Teil des Materialpakets die Informationen, die sie über sich im Internet finden. Sie erhalten Hilfestellungen sowie Tipps zu ihren Rechten im Netz. Außerdem werden sie zur besseren Nachvollziehbarkeit bei der Analyse eines Songtextes in die Position eines Täters bzw. Opfers versetzt. Abgerundet wird das Material durch eine umfassende Sammlung an Zusatzmaterialien in Form von Medien-, Linkund Lesetipps – für Lehrkräfte wie auch für die Jugendlichen selbst. Das Unterrichtsmaterial Respekt, Respekt! – kostenfrei downloadbar – ist modern und flippig designt und erinnert von der Aufmachung her an eine Jugendzeitschrift oder -Webseite. Die Themenkarten sind abwechslungsreich aufbereitet: eine Kombination aus informativen, aber auch feinfühligen Texten, Visualisierungen, Zitaten, Ausschnitte aus Studien und Songtexten sowie Links zu Videos und Webseiten. Auch die Aufgaben und Anregungen sind vielseitig und reichen von kreativen Inszenierungen über Diskussionen und Spiele bis hin zur Reflexion des eigenen Handelns.

    Im Projekt wird eine sehr offene Herangehensweise gewählt, so dass sich die Jugendlichen auf Basis ihrer Vorstellungen, Gedanken und Erfahrungen zu Respekt und respektvollem bzw. respektlosem Verhalten das Thema selbst erschließen können – angeregt durch das Material. Die Themenkarten, die von Lehrenden zuvor lediglich ausgedruckt werden müssen, dienen als Grundlage und motivieren zur Auseinandersetzung mit den einzelnen Facetten von Respekt bzw. geben Anregungen, das eigenen Verhalten und das anderer zu reflektieren – und letztendlich eventuell auch aktiv zu überdenken. So erhalten die Projektteilnehmenden die Chance, sich selbst, aber auch andere besser kennenzulernen. In den Inhalten wird weder vorgegeben wie ‚richtiges‘ Verhalten und Respekt auszusehen haben noch zu solchem Verhalten belehrt. Die Materialen selbst sind konkret als Unterrichtsmaterial ausgezeichnet, sie können aber sehr gut auch in andere pädagogische Settings integriert werden. Empfohlen wird es für Schülerinnen und Schülern der siebten bis zehnten Jahrgangsstufe. Im Schulkontext kann das Material beispielsweise im Rahmen des fächerübergreifenden Projektunterrichts in Fächern wie Gemeinschaftskunde, Gesellschaftslehre, Sozialkunde sowie dem Religions- und Ethikunterricht verwirklicht werden. Mit Blick auf die kommunikativen und sprachlichen Aspekte von Respekt ist es auch möglich, die Projektinhalte im Deutschunterricht zu thematisieren. Etwas unklar bleibt leider, welchen ungefähren zeitlichen Umfang die Projektbausteine in Anspruch nehmen, es besteht jedoch die Möglichkeit, einzelne Stationen zu kürzen oder auszulassen. So kann das Material an individuelle Gegebenheiten angepasst werden.

    Literatur:

    Albert, Mathias/Hurrelmann, Klaus/Quenzel, Gudrun/TNS Infratest Sozialforschung (2010). Jugend 2010. 16. Shell Jugendstudie. Frankfurt: Fischer.

    Geißler, Holger/Schöpe, Susanne/Klewes, Joachim/Rauh, Christina/von Alemann, Ulrich (2013). Wertestudie 2013: Wie groß ist die Kluft zwischen dem Volk und seinen Vertretern? Köln: YouGov.

    Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs) (2014). JIM-Studie 2014. Jugend, Information, (Multi-)Media. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf14/ JIM-Studie_2014.pdf [Zugriff: 04.11.2015].

    Schnetzer, Simon (2014). Toleranz Online 2014: Eine Jugendstudie über Respekt, Sicherheit und Freiheit im Internet. Hamburg: Diplomica.

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