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Handyfreie Zone!?

Die Autorin Steffi Freitag befasst sich in ihrem Kinderbuch ‚Muddelkuddel und das Daddelding‘ mit der Bildschirmzeit von Kindern.  

Die kleine Lina lebt in ihrem Zimmer nicht alleine. Da sind noch drei kleine Monster: Der knuddelige Stauberich mit seinen blauen Haaren wohnt unter Linas Bett. Die vornehme Stinkelulle mit ihrer rosa Blume im lila Haar schläft gerne im Turnsäckchen, während der kleine Muddelkuddel in der Sockenschublade lebt. Für ihre Monster und sich bastelt Lina aus Bechern und einer Schnur vier Telefone. Eines Tages hat Muddelkuddel plötzlich keine Zeit mehr, um mit seinen Freunden zu spielen. Er möchte viel lieber ‚chillen‘, wie er sagt. Doch eigentlich fordert ein leuchtendes viereckiges Daddelding seine ganze Aufmerksamkeit: „Er wischte und drückte darauf herum und dann erschienen Spiele auf der Leuchtscheibe.“ Doch mit dem Smartphone, das er noch vor seinen Freunden unter den Socken zu verstecken versucht, befasst er sich mehr, als ihm gut tut. Und dann passiert plötzlich etwas Schreckliches: „Muddelkuddel hatte seine elastischen Arme, die er wie ein Kaugummi in die Länge ziehen konnte, mehrmals um das Handy gewickelt und verknotet.“ Jetzt sind Lina und die anderen zwei Monster gefragt, um Muddelkuddel aus der misslichen Situation zu retten.  

Spielerisch und mit einer großen Prise Humor erklärt Steffi Freitag Kindern ab vier Jahren das Thema Handy-Nutzung. Die Idee zum Buch ist ihr gekommen, als sie überall Menschen sah, die völlig vertieft in ihre Handys waren und die Welt um sich herum, nicht wahrzunehmen schienen: „Selbst kleine Kinder saßen oft wie hypnotisiert vor dem Wunderapparat, anstatt, wie es sein sollte, zu toben, zu träumen, zu spielen, zu quengeln, zu basteln oder die Welt zu erforschen.“  

In dem Buch, das für die ganze Familie lesenswert ist, gibt es in Sachen Mediennutzung auch einen mahnenden Fingerzeig für die Erwachsenen, der durchaus angebracht scheint: Wie oft überquert jemand mit Kinderwagen die Ampel und ist mehr auf das Handy fokussiert, als auf die Straße? Lina bringt im Buch ihre Mama dazu, das Daddelding für einen handyfreien Tag endlich wegzulegen. Damit dies auch während der Lektüre mit der handyfreien Vorlesezeit wirklich klappt, hat sich Illustrator Thorsten Berger eine pfiffige Idee ausgedacht. Der Clou des Buchs ist ein gedruckter Parkplatz auf dem Buchdeckel. „Auch wir Erwachsenen verbringen oft zu viel Zeit mit unserem Smartphone und verpassen es, unsere Umwelt wahrzunehmen und uns mit unseren Liebsten zu beschäftigen“, so Steffi Freitag. „Wahre Freunde sitzen nicht im Handy und es ist wichtig, rechtzeitig und selbständig den Aus-Knopf zu betätigen“, findet die Autorin, die selbst gerne Kinder- und Jugendbücher in ihrer Freizeit liest. 

‚Muddelkuddel und das Daddelding‘ ist das dritte Band der ‚Muddelkuddel‘-Reihe (‚Muddelkuddel räumt auf‘ und ‚Muddelkuddel trennt Müll‘). Im Mittelpunkt stehen Alltagsthemen, die für Kinder relevant sind und gleichzeitig eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft darstellen. „Da Handyspiele leider schon im Kindergartenalter allgegenwärtig sind, habe ich eine Geschichte zu dem Thema geschrieben“, erklärt Freitag. Ursprünglich hat die Münchner Autorin Politikwissenschaft, Ethnologie und  Religionswissenschaft studiert. Heute arbeitet sie vor allem als Illustratorin. Was das Buch betrifft, hat sie noch ein Anliegen: „Ich wünsche mir, dass das Buch Lust auf noch mehr Bücher macht und dass die Eltern beim nächsten Mal an der Bushaltestelle oder beim Arzt ihrem gelangweilten Kind eine lustige oder schöne Geschichte vorlesen, mit ihm Quatsch machen oder sich mit ihm unterhalten, anstatt ihm ein Handy in die Hand zu drücken, um es ,ruhigzustellen‘.“  

 

Freitag, Steffi/ Berger, Thorsten (2022): Muddelkuddel und das Daddelding. Nürnberg: klein & groß Verlag, 14,00 €. 

Wer nach der Lektüre sein eigenes Becher-Telefon basteln möchte, erfährt in einer Online-Anleitung des Museums für Kommunikation Berlin, wie das ganz leicht funktioniert:  https://www.mfk-berlin.de/digital-dosentelefon/ 

 

Heinrike Paulus


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Herausgeber*in

Kathrin Demmler | Prof. Dr. Bernd Schorb
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