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TINCON-Themenwoche ‚Let’s talk – MENTAL HEALTH & SOCIAL MEDIA‘ – Ein Rückblick - Teil 2

Social Media & Mental Health: Interview mit Psychologe Hannes-Vincent Krause (Mittwoch, 11. August)

 

Der nachfolgende Bericht ist die Zusammenfassung eines Beitrags der TINCON-Themenwoche ‚Let’s talk – MENTAL HEALTH & SOCIAL MEDIA‘. Die TINCON ist die Konferenz für digitale Jugendkultur für junge Leute von 13 bis 25 Jahren. Vom 9. bis 13. August wurde eine Woche lang auf verschiedenen online-Plattformen in verschiedenen Videoformaten über mentale Gesundheit gesprochen. Die Zusammenfassungen für die Beiträge zum Thema ,Therapie- und Therapieplatzsuche‘ befinden sich hier. Der ,Flokati Beach‘-Talk mit der Gen Z ist hier nachzulesen. Der Beitrag zum Thema Männlichkeit und mentale Gesundheit und Musiker*innen auf Social Media findet man hier.

Im dritten Video der TINCON-Themenwoche ist der Psychologe Hannes-Vincent Krause zu Gast im Interview. Er forscht zu den Auswirkungen des Digitalen, insbesondere Sozialer Medien, auf die Gesellschaft und die mentale Gesundheit. Außerdem nutzt er selbst Instagram als Kommunikationsplattform.

Die Untersuchung einer Korrelation von Sozialen Medien und mentaler Gesundheit ist, laut Krause, schwierig messbar, da sowohl die Nutzung, als auch die Psyche aufgrund ihres Facettenreichtums schwammige Parameter sind. Zur mentalen Gesundheit gehören beispielsweise, wie die Person ihr Leben bewertet, wie glücklich sie ist, ob ihre Bedürfnisse befriedigt sind oder sie sich einsam fühlt und auch die Art und Weise der Nutzung von Sozialen Medien variiert von Person zu Person. Es zeigt sich jedoch der Effekt, dass eine aktive Nutzung, also das chatten mit anderen, liken, posten und kommentieren tendenziell glücklicher macht als eine passive Nutzung.

Dass das bloße Betrachten von Bildern anderer unglücklicher macht, könnte mit ,fomo‘ zu tun haben. Der Begriff beschreibt die ,fear of missing out‘, also das Gefühl, andere könnte ein besseres Leben haben als man selbst. Das Phänomen ,fomo‘ spielt, laut Krause, im Kontext der Sozialen Medien eine große Rolle. Menschen neigen als soziale Wesen dazu, sich mit anderen in ihrem sozialen Umfeld zu vergleichen. Das ist erstmal vollkommen normal. Ein Problem entsteht jedoch durch zwei Eigenschaften von Sozialen Medien. Erstens vergrößert sich das soziale Umfeld schier ins Unendliche. Die Vergleichssituation wird also stark vergrößert. Und zweitens herrscht auf Sozialen Medien tendenziell eine positive Norm. Das bedeutet, es werden nur positive Erlebnisse veröffentlicht, keine negativen. Es fehlt somit für die passiven Betrachtenden das Hintergrundwissen. In einem Vergleich werden sie zwangsläufig schlechter abschneiden.

Was in diesem Fall helfen könnte ist, laut Krause sich diese Mechanismen vor Augen zu führen und ein Bewusstsein dafür zu haben, welche Inhalte auf solchen Plattformen veröffentlicht werden. Es kann auch ratsam sein, die eigene Liste der Personen, denen gefolgt wird zu überarbeiten und sich bei jedem Profil zu fragen, ob die Inhalte zu einem Wohlbefinden oder Unwohlsein beitragen. Es kommt also auf die Benutzungsweise an, ob Soziale Medien die mentale Gesundheit negativ oder positiv beeinflusst.

Dass Social Media einen großen Einfluss auf die mentale Gesundheit hat, liegt auch an der immensen Zeit, die auf diversen Plattformen verbracht wird. Soziale Medien sind dazu konzipiert, Aufmerksamkeit zu akquirieren. Bereits das Design ist durch seinen Endlos-Feed so gestaltet, dass Nutzer*innen zu keinem Ende kommen werden. Benachrichtigungen, die auch bei geschlossener App erscheinen, verlangen nach Aufmerksamkeit, indem sie sich immer wieder in das Bewusstsein der Nutzenden rufen. Doch auch der Inhalt selbst ist darauf ausgelegt, die Nutzer*innen auf der Plattform zu halten. Durch Like- und Kommentarfunktionen wird explizit das grundlegende Bedürfnis des Menschen nach sozialer Anerkennung angesprochen. Krause beschreibt, dass solche virtuellen Interaktionen kurzfristig das Belohnungszentrum im Gehirn aktivieren. Der Mensch strebt also automatisch nach mehr Belohnungen und verbringt noch mehr Zeit auf Sozialen Plattformen.

Zuletzt, spricht Krause an, ist auch der Inhalt an sich auf einen Massenkonsum verantwortlich. Die Algorithmen der Netzwerke sammeln Daten, wie Interessen, Geschlecht, Alter, Vorlieben usw., ihrer Nutzer*innen und stimmen den Inhalt der angezeigten Beiträge individuell auf sie ab. Diese sogenannten Filterblasen, in denen sich jede*r befindet, werden mit der Zeit immer mächtiger und es wird für Einzelne immer schwieriger bis unmöglich sich davon zu befreien. Das ist vor allem deshalb ein Problem, weil der Blick für die ganze Gesellschaft verloren geht. So kann es leichter zu einer Radikalisierung des Gedankenguts kommen.

Krause betont auch in diesem Kontext erneut die Wichtigkeit, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln. Durch die Corona-Zeit stieg die Nutzung und Wichtigkeit der Sozialen Netzwerke für die Aufrechterhaltung sozialer Kontakte immens an. Doch die Medienkompetenz ist noch nicht ausreichend vorhanden. Das wird zwangsläufig zu Problemen führen. Daher wünscht sich Krause abschließend im Interview, dass der Umgang mit Sozialen Medien, den Inhalten und Datenschutz bereits in der Schule gelehrt werde. Soziale Medien werden in ihrer Form erstmal nicht verschwinden und sind von vielen junge Menschen, sogar unter 13 Jahren, ein fester Bestandteil des Lebens geworden. Daher appelliert der Psychologe solche Plattformen ernst zu nehmen und einen gesunden Umgang mit ihnen so früh wie möglich zu vermitteln.

 

Die meisten Videos der TINCON-Themenwoche sind auf Instagram oder YouTube nachzuschauen.

VIDEO MIT PSYCHOLOGEN HANNES-VINCENT KRAUSE

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Luisa Baier


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Kathrin Demmler | Prof. Dr. Bernd Schorb
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