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Aktuelle Studien rund um das Themenfeld ‚Gesundheit und Medien‘

Unser aktuelles Heft beschäftigt sich mit dem Thema ‚Gesundheit und Medien‘. Beim Thema Medien und Gesundheit denken viele sicherlich aktuell an die intensive Mediennutzung während der Covid-19-Pandemie. Ungesunde Ernährung, verzerrte Körperbilder, Handynacken, Mediensucht und Depressionen sind weitere Beispiele, die man mit dem Thema in Verbindung bringt. Schnell fällt auf, dass insbesondere die negativen Wirkungen auf die physische und psychische Gesundheit im Vordergrund stehen. Wir haben für das Heft ‚Gesundheit und Medien‘ diverse aktuelle Studien gesichtet, die sich mit unterschiedlichen Facetten dieses Themenfeldes befassen. Einen Überblick über diese Studien erhalten Sie hier:

 

Schalt mal ab, Deutschland! TK-Studie zur ­Digitalkompetenz 2021


Die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Gesundheit und das Wohlbefinden stehen im Fokus der Studie der Techniker ­Krankenkasse. Hierfür wurden im Oktober 2020 1.250 deutschsprachige Personen ab 18 Jahren telefonisch befragt (bevölkerungsrepräsentativ). Untersucht wurden die Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Menschen für einen Umgang mit digitalen Technologien benötigen, mit dem Ziel, die Digitalkompetenz in Deutschland zu beschreiben und gesundheitsrelevante Verhaltensweise nachzuzeichnen. Dabei wird zwischen privater und beruflicher Internetnutzung differenziert.
Bei der privaten Internetnutzung zeigt sich, dass eher Männer (83 %) mehrmals am Tag bzw. fast immer online sind. Demgegenüber berichten nur 69 Prozent der Frauen von einer intensiven Nutzung. Die Häufigkeit der Internetnutzung hängt zudem vom Alter, dem Bildungsstand und Familienstand ab. Während die 18 bis 33-Jährigen (92 %) online häufiger Zeit verbringen als die Befragten zwischen 50 und 65 Jahren (63 %), nutzen auch Personen mit einem hohen Bildungsabschluss (90 %) im Vergleich zu Personen mit einem niedrigen oder mittleren Bildungstitel (66 %) stärker das Internet. Singles bewegen sich ebenfalls länger im Internet als Personen in einer festen Partnerschaft (52 % > 27 %; bei einer Nutzungszeit von mehr als zwei Stunden am Tag). 
Im Berufsalltag ist das Internet ein fester Bestandteil. Zwischen den Altersgruppen werden jedoch deutliche Unterschiede im Nutzungsverhalten sichtbar. Insbesondere die jüngeren Befragten (18 bis 29 Jahre) nutzen vermehrt das Internet (96 %). Die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation schätzen die unter 33-Jährigen ebenso positiver ein (85 %) als die Befragten ab 50 Jahren (61 %). Außerdem geben die jüngeren Befragten mehrheitlich an, dass sie durch die Digitalisierung eine Beschleunigung am Arbeitsplatz wahrnehmen (18 bis 29 Jahre: 68 %; 30 bis 39 Jahre: 74 %). Im Gegensatz dazu berichten die älteren Befragten (50 bis 65 Jahre), dass sie von flexiblen Arbeitszeiten, die durch die Digitalisierung von Arbeitsabläufen ermöglicht werden, nicht profitieren (60 %).
Bezüglich eines bewussten Umgangs mit dem Internet bemühen sich 87 Prozent, weniger Zeit online zu verbringen. Dennoch geben 60 Prozent an, dass sie dann doch länger online sind. Als ‚Zeitfresser‘ erweisen sich hier Online-Spiele (81 %) und Soziale Medien (72 %). Auch das Alter spielt eine Rolle – eine bewusste Auszeit fällt den 18- bis 33-Jährigen am schwersten (76 %).
Am sichersten im Umgang mit dem Internet fühlen sich die Menschen, die eigentlich immer online sind (83 %). Sie sind auch diejenigen, die viel von sich und ihren Daten im Internet preisgeben (88 %). Der Vergleich der demografischen Merkmale zeigt, dass auch ein junges Alter (18 bis 29 Jahre: 96 %; 30 bis 39 Jahre: 97 %) und ein hoher Bildungsabschluss (94 %) mit der Wahrnehmung eines sicheren Internetumgangs einhergehen. Auch die Preisgabe von Daten kann bei den Altersgruppen der 18 bis 29-Jährigen (50 %) sowie der 30 bis 39-Jährigen (55 %) eher beobachtet werden als bei Personen ab 40 Jahren. Zusätzlich geben Männer (51 %) eher Auskunft über ihre Daten als Frauen (37 %).
Die Studienergebnisse machen auch sichtbar, dass eine lange Internetnutzung mit einem schlechteren Gesundheitszustand einhergeht. 21 Prozent der Vielsurfer*innen (mehr als fünf Stunden am Tag) schätzen ihren allgemeinen Gesundheitszustand weniger gut bzw. schlecht ein. Des Weiteren berichten viele Befragte im Rahmen ihrer privaten Nutzung über körperliche Beschwerden, wie Muskelverspannungen. Vielsurfer*inner erwähnen verstärkt psychische Problemen wie Depression (40 %) oder Nervosität (38 %). Im Vergleich dazu wirkt sich die berufliche Nutzung nicht so deutlich auf die Gesundheit aus.
Anhand der erhobenen Daten konnte zudem ein Zusammenhang zwischen dem Gesundheitszustand, der Lebenszufriedenheit sowie der Selbsteinschätzung zum Umgang mit dem Internet herausgearbeitet werden. So fühlen sich zufriedene und gesunde Menschen sicherer im Umgang mit dem Internet als Menschen, die einen schlechten Zustand attestieren.

Techniker Krankenkasse (Hrsg.) (2021) Schalt mal ab, Deutschland! TK-Studie zur Digitalkompetenz 2021. www.tk.de/resource/blob/2099616/630d3a2e429edc359f15fd8225dcd45c/studie-schalt-mal-ab-2021-data.pdf

 


COPSY-Studie – Child Public Health


Die Covid-19-Pandemie prägt seit mehr als einem Jahr das öffentliche und private Leben. Besonders zu Beginn der Pandemie waren nicht nur die Auswirkungen des Krankheitsverlaufes, sondern ebenso die Auswirkungen der bundesweiten Einschränkungen nicht absehbar. Vor allem Kinder und Jugendliche nahmen zu dieser Zeit eine deutliche Veränderung ihres (Schul-)Alltags war. Wie sich diese Entwicklungen auf die psychische Gesundheit und Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen ausgewirkt haben und welche Belastungen verspürt wurden, untersucht die COPSY-Studie (Corona und Psyche). Die COPSY-Studie ist die erste deutschlandweite repräsentative Studie zu diesem Thema. Die Ergebnisse der ersten Erhebung (Mai bis Juni 2020) sind in Ravens-Sieberer et al. (2021a) dokumentiert. Eine Folgebefragung fand von Dezember 2020 bis Januar 2021 statt. Erste Ergebnisse hierzu wurden in Ravens-Sieberer et al. (2021b) veröffentlicht.
Mit einem Blick auf die Ergebnisse wird deutlich, dass Kinder und Jugendliche eine starke Belastung durch die Corona-bedingten Veränderungen verspürt haben. Während sich bei der ersten Befragung mehr als zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen im Allgemeinen belastet fühlten, verweist die zweite Erhebung auf einen erneuten Anstieg der Belastung (82,6 %). Für die Kinder und Jugendlichen dienten bei der ersten Erhebung insbesondere der wenige Kontakt zu den Freunden (82,8 %), die Anstrengung des Homeschoolings (64,4 %) und der häufigere Streit innerhalb der Familie (27,6 %) als Belastungsquellen, die durch Daten der zweiten Welle noch bekräftigt wurden.
Auch die Messung der Lebensqualität anhand des KIDSCREEN-10-Index zeigt eine Verschlechterung der Situation für Kinder und Jugendliche. So berichten bei der ersten Erhebung zwei Fünftel und bei der zweiten Erhebung fast die Hälfte der Kinder und Jugendlichen von einer geminderten gesundheitsbezogenen Lebensqualität (vor Corona: 15,3 %). Zusätzlich kann die Verschärfung von psychischen Auffälligkeiten (vor Corona: 17,6 %; Welle 1: 30,4 %; Welle 2: 30,9 %) und ein erhöhtes Aufkommen von Symptomen einer Angststörung (vor Corona: 14,9 %; Welle 1: 24,1 %; Welle 2: 30,1 %) beobachtet werden. Zudem muss in Folge der ersten Erhebung von einer Verschlechterung des Gesundheitsverhaltens von Kindern und Jugendlichen gesprochen werden. Neben einem erhöhten Medienkonsum (69,9 %) sank die sportliche Betätigung (19,3 %) bei Zunahme einer ungesunden Ernährung (26,3 %).
Eine besonders starke Belastung empfanden Kindern und Jugendliche, deren Eltern einen geringen Bildungsstand aufweisen, deren Eltern psychische Beschwerden haben, Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund sowie jene, die im beengten Wohnverhältnissen leben. Diese Merkmale zählen daher als Risikofaktoren. Ein gutes Familienklima sowie eine starke soziale Unterstützung wirken sich hingegen positiv auf die Lebenszufriedenheit und mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen aus.
Die Befragungswellen der COPSY-Studie wurden vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) in Zusammenarbeit mit der Infratest dimap Gesellschaft für Trend- und Wahlforschung mbH bundesweit durchgeführt. Insgesamt wurden für die erste Erhebung 1.586 Eltern und 1.040 Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren und für die zweite Erhebung 1.625 Eltern und 1.077 Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren befragt.

Ravens-Sieberer, Ulrike/Kaman, Anne/Otto, Christiane/Adedeji, Adekunle/Napp, Ann-Kathrin/Becker, Marcia/Blanck-Stellmacher, Ulrike/Löffler, Constanze/Schlack, Robert/Hölling, Heike/Devine, Janine/Erhart, Michael/Hurrelmann, Klaus (2021a). Seelische Gesundheit und psychische Belastungen von Kindern und Jugendlichen in der ersten Welle der COVID-19-Pandemie. Ergebnisse der COPSY-Studie. In: Bundesgesundheitsblatt, 64, S. 1512–1521. DOI: 10.1007/s00103-021-03291-3.


Ravens-Sieberer, Ulrike/Kaman, Anne/Erhart, Michael/Otto, Christiane/Devine, Janine/Löffler, Constanze/Hurrelmann, Klaus/Bullinger, Monika/Barkmann, Claus/Siegel, Nico A./Simon, Anja M./Wieler, Lothar H./Schlack, Robert/Hölling, Heike (2021b). Quality of life and mental health in children and adolescents during the first year of the COVID-19 pandemic: results of a two-wave nationwide population-based study. In: European Child + Adolescent Psychiatry. DOI: 10.1007/s00787-021-01889-1.

 


Expertise von Foodwatch zu Junkfluencer*innen


Das Ernährungsverhalten einer erwachsenen Person wird maßgeblich von Kindheitserfahrungen geprägt. Entsprechend hoch ist das Bestreben von Lebensmittelkonzernen, Menschen frühzeitig an ihre Produkte zu binden, um einen lebenslangen Konsum zu ermöglichen. Dabei machen sich Unternehmen immer mehr die Vorbildfunktion von Influencer*innen zunutze, um ihre Lebensmittel an junge Zielgruppen möglichst glaubwürdig zu vermarkten.
Die Expertise von foodwatch ‚Junkfluencer – Wie McDonald’s, Coca-Cola & Co. in sozialen Medien Kinder mit Junkfood ködern‘ beleuchtet, wie die Lebensmittelindustrie reichweitenstarke Influencer*innen nutzt, um insbesondere ungesunde Produkte an Kinder und Jugendliche zu vermarkten.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass eine Vielzahl an internationalen sowie nationalen Unternehmen durch Influencer*innen, wie z. B. Dagi Bee, Julia Beautx, Laser Luca, Simon Desue und Viktoria und Sarina, Kinder und Jugendliche mit ungesunden Lebensmitteln erreichen. Neben erkennbaren und direkten Produktplatzierungen werden ungesunde Produkte auch ohne sichtbare Werbemarkierung platziert oder gar eigene Lebensmittel der Influencer*innen beworben. Kinder und Jugendliche sehen sich hierbei direkt mit Kaufanreizen durch ihre Lieblingsinfluencer*innen konfrontiert.
Im Rahmen der Recherche wurden im ersten Schritt die 20 wichtigsten und beliebtesten Influencer*innen von Kinder und Jugendlichen identifiziert. Im zweiten Schritt wurden die fünf auffälligsten Influencer*innen tiefer analysiert. Hierfür wurden 2020 alle Kanäle der Influencer*innen über mehrere Wochen hinweg beobachtet.

Martin Rücker/foodwatch e. V. (Hrsg.) (2020). Junkfluencer. Wie McDonald‘s, Coca-Cola & Co. in sozialen Medien Kinder mit Junkfood ködern. www.foodwatch.org/fileadmin/-DE/Themen/Kinderernaehrung/Influencer/Webversion_Junkfluencer_Report_2021.pdf

 


Netzwerk Serious Games und Gamification for Health


Am 2. September 2021 ist das Netzwerk Serious Games and Gamification for Health (­https://serious-gamification4health.net/) offiziell gestartet. Ziel dieser Initiative ist es, die verschiedenen Perspektiven auf diese beiden Themenfelder zu bündeln, Forschungslücken zu identifizieren, sich auszutauschen und gegebenenfalls gemeinsame Projekte zu starten. Hervorgegangen ist das Netzwerk aus einer Community Working Group des Hochschulforums Digitalisierung. Interessierte sind herzlich willkommen und können über info@serious-gamification4health.net Kontakt zu den Koordinator*innen aufnehmen oder dem Netzwerk auf Twitter folgen (@NetGamification).

 

Weitere Rezensionen und aktuelle Studien rund um das Themenfeld ‚Gesundheit und Medien‘ finden sie in diesem online-exklusiv.

Zur merz 2022/1 Gesundheit und Medien

 

Begüm Güngör

Begüm Güngör ist studentische ­Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI) und studiert ­Soziologie (M.A.) in Göttingen.


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Herausgeber*in

Kathrin Demmler | Prof. Dr. Bernd Schorb
JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis

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