Zum Hauptinhalt springen

Bildung in einer digitalisierten Welt – nationaler Bildungsbericht erschienen

Der achte Bildungsbericht des Bundesamts für Bildung und Forschung beschreibt die Gesamtentwicklung des deutschen Bildungswesens. Der Schwerpunkt des aktuellen Berichts ist Bildung in einer digitalisierten Welt. Der Bildungsbericht erscheint alle zwei Jahre. 

Die Frage nach Veränderungen im Bildungsbereich durch die fortschreitende Digitalisierung sowie die damit einhergehenden Anforderungen der einzelnen Bildungsbereiche werden im Schwerpunkt ausführlich behandelt. Im Mittelpunkt stehen dabei individuelle Lernprozesse. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie ist dies besonders aktuell. Das unterstreicht auch die KMK-Präsidentin und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig: 

 „Die Corona-Krise ist eine immense Herausforderung für die gesamte Bildungslandschaft, die Bildungsungerechtigkeit zu verschärfen droht. Ein besonderes Augenmerk müssen wir deshalb auch weiter auf Schülerinnen und Schüler aus bildungsfernen Schichten legen, die weniger Unterstützung durch ihre Eltern erfahren und zusätzlich häufig nicht über die technische Ausstattung verfügen, um jetzt gleichberechtigt am digitalen Unterricht teilzunehmen.“  

Sie spricht damit den wichtigen Aspekt der Chancengerechtigkeit und (Un-)Durchlässigkeit des Bildungssystems an. Zwar wird aus der Untersuchung deutlich, dass digitale Technologien mittlerweile selbstverständlicher Teil des alltäglichen Lebens sind, jedoch bestehen individuelle und strukturelle Unterschiede im Zugang zu digitalen Medien. Diese ergeben sich etwa aufgrund der sozialen Lage oder auch aus regionalen Gegebenheiten. Die digitalen Kompetenzen der Bildungsteilnehmenden sind ausbaufähig und unterscheiden sich zwischen verschiedenen Gruppen, wobei sich Leistungsunterschiede insbesondere zuungunsten der Jungen, der Schüler*innen mit Migrationshintergrund sowie aus Elternhäusern mit niedrigem sozialem Status zeigen. Wie erfolgreich Lernprozesse sind, hängt maßgeblich von einem didaktisch sinnvollen und kritisch reflektierten Einsatz digitaler Technologien ab. Entscheidend scheint nicht die eingesetzte Technik zu sein, sondern wie Lehrende digitale Medien in das alltägliche Lehr-Lern-Geschehen integrieren. 

Blickt man auf den tatsächlichen Einsatz digitaler Medien, sieht man im Hochschulbereich eine weite Verbreitung digitaler Technologien, seltener jedoch im schulischen Bereich und in der frühen Bildung nur partiell. Erkennbar sind große Entwicklungsbedarfe bei der Ausstattung von Schulen und Einrichtungen der frühen Bildung mit digitalen Medien. 

Allgemein verzeichnet der Bericht die positiven Entwicklungen im deutschen Bildungssystem: 

  • Die Ausgaben für Bildung, Forschung und Wissenschaft sind gestiegen: im Jahr 2017 auf knapp 300 Milliarden Euro und – nach vorläufigen Berechnungen – im Jahr 2018 auf gut 310 Milliarden Euro. Das entspricht einer Steigerung von 30 Prozent gegenüber 2010 und einem wenig veränderten Anteil von 9,3 Prozent am BIP, das in diesem Zeitraum ebenfalls deutliche Zuwächse zu verzeichnen hatte. Die jährlichen Ausgaben je Schüler*in  an öffentlichen Schulen stiegen im Zeitraum 2010 bis 2017 um rund 22 Prozent auf 7.300 Euro. 

  • Mehr Kinder – mehr Studierende: Die Zahl der Bildungsteilnehmer*innen  hat sich weiter erhöht, auf 17,2 Millionen Menschen im Jahr 2018. Diese Entwicklung geht nicht nur auf steigende Geburtenzahlen und vermehrte Zuzüge aus dem Ausland, sondern auch auf eine zunehmend frühere Bildungsbeteiligung und einen Trend zur Höherqualifizierung zurück. 

  • Mehr Abiturient*innen – mehr Hochschulabsolvent*innen: Der Bildungsstand der Bevölkerung hat sich in den letzten zehn Jahren positiv entwickelt: 2008 verfügten 24 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren über die Hochschulreife, 2018 bereits 33 Prozent. Im gleichen Zeitraum ist der Anteil von Personen, deren höchster Schulabschluss der Hauptschulabschluss ist, von 39 Prozent auf 30 Prozent zurückgegangen. Der Anteil der Hochschulabsolvent*innen - ist im gleichen Zeitraum um fünf Prozentpunkte auf 18 Prozent gestiegen. 

  • Die Zahl der im Bildungswesen Beschäftigten hat seit 2008 kontinuierlich zugenommen. Der größte Zuwachs bis zum Jahr 2018 ist dabei in der frühen Bildung (+ 63 %) und an den Hochschulen (+ 37 %) zu verzeichnen. 

  • Die Zahl der Kinder, die ein Angebot früher Bildung in Anspruch nehmen, ist zwischen 2006 und 2019 von 2,6 Millionen auf 3,3 Millionen gestiegen. 

  • Sowohl das Angebot der Ganztagsbetreuung als auch deren Inanspruchnahme haben deutlich zugenommen. Im Schuljahr 2018/19 wurden 68 Prozent aller Schulen als Ganztagsschulen ausgewiesen. Im Jahr 2005/06 traf dies lediglich auf 30 Prozent aller Schulen zu. Rund die Hälfte aller Grundschulkinder (1,5 Millionen) nutzten im Schuljahr 2018/19 Ganztagsbetreuung in Schulen oder Kindertageseinrichtungen. 

  • Bei gleichzeitigem Rückgang der Zahl der Schüler*innen waren bundesweit im Schuljahr 2018/19 knapp 20.000 Lehrkräfte mehr an allgemeinen und beruflichen Schulen tätig als vor zehn Jahren. Zudem stieg der Anteil der unter 40-jährigen Lehrkräfte in den letzten 15 Jahren um zehn Prozentpunkte. Dennoch ist die Altersstruktur von Schulkollegien regional unterschiedlich und nicht immer ausgeglichen. Der Bedarf nach gut ausgebildetem pädagogischem Personal bleibt hoch. 

  • Die hohe Studiennachfrage hält weiter an. Nach vorläufigen Berechnungen lag die Anzahl der Studienanfänger*innen  im Jahr 2018 zum sechsten Mal in Folge über einer halben Million. Der Anteil der Neueinschreibungen an Fachhochschulen ist auf 44 Prozent aller Studienanfänger*innen gestiegen. 

  • Die Bildungschancen für Kinder von gering qualifizierten Eltern stiegen trotz weiterhin vorhandener sozialer Disparitäten. Sie erreichen häufiger einen höheren Bildungsstand als ihre Eltern. 

  • Bildung bringt positive Erträge für Individuum und Gesellschaft. Eine lange und qualifizierte Bildung wirkt sich positiv auf die individuelle Lage aus (zum Beispiel bessere Arbeitsmöglichkeiten und höheres Lebenseinkommen, Ernährung, politisches Interesse) und unterstützen die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sowie den sozialen Zusammenhalt. 

Der Bericht zeigt auch übergreifende Trends und Problemlagen des Bildungswesens auf: 

  • Insgesamt zeichnet sich das Bildungssystem durch eine höhere Durchlässigkeit aus. Unabhängig von der Herkunft und dem ersten Bildungsweg bieten sich vielfältige Möglichkeiten, einen individuell hohen Bildungsstand auch nach einem ersten niedrigeren formalen Abschluss zu erlangen. 

  • Trotz des langjährigen Trends zu höherer Bildung bleiben junge Menschen wieder häufiger ohne Abschluss. Es zeigen sich zunehmend Disparitäten zwischen formal gering und hoch Qualifizierten. Junge Männer weisen häufiger eine formal geringere Qualifikation auf als junge Frauen. Dies hat weitreichende Konsequenzen. Eine formal geringe Qualifikation erhöht für den Einzelnen das Risiko sozialer oder finanzieller Risikolagen und erschwert häufig den Zugang zu beruflich stabilen Positionen. 

  • Die Digitalisierung schreitet in allen Bildungsbereichen voran. Digitale Medien werden nicht nur aus aktuellem Anlass, sondern auch im längerfristigen Trend vermehrt in die Lehr-Lern-Prozesse integriert, jedoch in unterschiedlichem Maße in den verschiedenen Bildungsbereichen. 

Hier finden sie den kompletten Bericht

 


Zurück

In merz suchen

Volltextsuche

Ausgabe nach Jahrgang

Beiträge nach Medien

Kontakt

Redaktion

merz | medien + erziehung
Kati Struckmeyer
Arnulfstraße 205
80634 München

+49 89 689 89 120
+49 89 689 89 111
merz@jff.de

Verlag

kopaed verlagsgmbh
Arnulfstr. 205
D-80634 München

+49 89 688 900 98
+49  89 689 19 12
www.kopaed.de
info@kopaed.de

Rechtsträger

JFF – Jugend Film Fernsehen e. V.
Arnulfstraße 205
80634 München

+49 68 989 0
+49 68 989 111
www.jff.de
jff@jff.de

Herausgeber

Kathrin Demmler | Prof. Dr. Bernd Schorb
JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis

Kontaktformular

Kontaktformular