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Das Leben in Zeiten von Corona

Neue Forschungsergebnisse des Deutschen Jugendinstituts zum Familienalltag in der Corona-Pandemie

Das Forschungsmagazin Impulse des Deutschen Jugendinstituts (DJI) erscheint seit 2018 zweimal im Jahr und stellt aktuelle Forschungsergebnisse in einen größeren Zusammenhang. In seiner 124. Ausgabe werden aktuelle Forschungsergebnisse zum Thema: ‚Im Krisenmodus. Wie das Coronavirus den Alltag von Eltern und Kindern verändert – eine Zwischenbilanz‘ diskutiert.

 

Das Leben wird auf den Kopf gestellt

Kaum ein Leben hat sich während der Corona-Pandemie nicht verändert. Familien werden hier von multiplen Belastungen getroffen, denn oftmals ist die Balance zwischen Familie und Erwerbstätigkeit aus dem Gleichgewicht. Kinder dürfen größtenteils nicht mehr in Kita oder Schule, Kontakte zu Großeltern sind eingeschränkt und viele Freizeitaktivitäten entfallen. Der Lebensmittelpunkt wurde auf das Eigenheim von Eltern, Kindern und Jugendlichen reduziert.

In einer Zusatzbefragung der Kinderbetreuungsstudie 2020 (KiBS) des DJI zeigte sich, dass drei Viertel der befragten Eltern die Betreuung der Kinder vollständig alleine übernommen haben. Nur wenige Eltern konnten auf eine Notbetreuung zurückgreifen und auch die Betreuung durch Großeltern reduzierte sich um 40 Prozent.

Die Verlagerung von der Schule ins Homeschooling stellt Eltern vor besondere Herausforderungen. Sie müssen neben der eigenen Erwerbstätigkeit die Betreuung oder das Homeschooling der Kinder managen. Die Dringlichkeit der Möglichkeit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird hier bewusst. Soziale Ungleichheiten  zwischen Kindern und Jugendlichen wurden verstärkt, indem nur ein Teil von ihnen Unterstützung von Eltern oder (virtuell) von Freunden erhielten. Bei einigen Kindern standen diese Ressourcen nicht zur Verfügung, da zum Beispiel die Betreuung nur notdürftig erfolgte.  

Aus diesen und weiteren Problemlagen entstanden unterschiedliche Projekte, um sich gegenseitig zu unterstützen: private Kinderbetreuungszirkel, Hausaufgabenhilfen oder Online-Lernvideos, Fahrdienste oder Nähstuben für Alltagsmasken.

Zu diesem Thema fand die Corona-Zusatzbefragung AID:A (Aufwachsen in Deutschland, Alltagswelten) statt. Sie nimmt die Veränderungen des Berufsalltags sowie das Freizeit- und Sozialverhalten der Menschen in den Blick. Jugendliche und junge Erwachsene haben sich beispielsweise bei Technikfragen geholfen, um neue Kommunikationskanäle herzustellen oder haben sich bei der Nachbarschaftshilfe engagiert und für ältere Nachbar*innen eingekauft.

 


Gut zu wissen: in der zweiten mehr merz Podcastfolge sprechen wir mit Julia Knopf, welche zu Beginn der Schulschließungen mit ihrem Forschungsinstitut die Plattform School to go ins Leben gerufen hat. Eine Plattform, um Eltern und Lehrkräfte zu entlasten sowie geprüfte Materialien kostenfrei zur Verfügung zu stellen.


 

Unterstützung für die Kinder- und Jugendhilfe

Um die Folgen und Herausforderungen der Pandemie für die Jugendämter aufzuzeigen, führte das DJI die Online-Befragung Jugendhilfeb@rometer durch. Dabei wurde von den befragten Jugendämtern angegeben, dass keine Erhöhung der Meldungen zur Kindeswohlgefährdung stattgefunden hat. Allerdings äußern Fachkräfte dennoch Bedenken über unerkannte häusliche Gewalt.

Im Interview mit Bundesfamilienministerin Franziska Giffey wird deutlich, dass für die Kinder und Jugendlichen extra Online-Beratungsangebote geschaffen wurden, um einen direkten Zugang für Hilfestellungen zu ermöglichen. Beispielsweise wurde die Förderung der Erziehungsberatung Nummer gegen Kummer und der Jugendhotmail erhöht.

Außerdem wurde die Plattform Forum-Transfer – Innovative Kinder- und Jugendhilfe in Zeiten von Corona neu eingerichtet. Hier stehen der Praxisaustausch und die Entwicklung sowie Erprobung neuer und vor allem digitaler Zugänge in der Kinder- und Jugendhilfe im Fokus. Auf die Bedarfe aus der Praxis wird hier möglichst zeitnah reagiert.

 


Gut zu wissen: auf der Plattform Forum Transfer werden Fragen und Erfahrungen aus der Praxis sowie Informationen und wissenschaftliche Erkenntnisse zur Verfügung gestellt. Für die verschiedenen Bereiche der Kinder- und Jugendhilfe finden sich dort gegliedert je Praxisbeispiele, Tools und Werkzeuge, Informationen zum Umgang mit Unsicherheiten sowie zu den Rahmenbedingungen. In anderen Rubriken lassen sich noch weitere Informationen finden. Die Plattform eignet sich somit vor allem für Fachkräfte, die praktisch in der Kinder- und Jugendhilfe tätig sind. Viele Anregungen werden geboten. 


 

Freundschaften während der Pandemie

Zu den Maßnahmen der Bundesregierung zur Eindämmung der Pandemie gehörten (und gehören) Kontaktbeschränkungen. Somit waren (und sind) persönliche Kontakte außerhalb der eigenen Familie kaum oder gar nicht möglich.

Im Rahmen der Studie Kind sein in Zeiten von Corona des DJI wurde sichtbar, dass die Einschränkungen der Kontakte für Kinder eine starke Veränderung des Lebensalltags darstellen. Insgesamt haben die Kinder weniger Zeit mit ihren Freund*innen verbracht, allerdings konnte trotz der Einschränkungen Kontakt durch weitere persönliche Treffen, Treffen mit Abstand, per Brief und Telefon oder mithilfe digitaler Medien gehalten werden.

Die digitalen Medien nehmen hier eine besondere Stellung ein, denn besonders für ältere Kinder gelang der Kontakt zu Freund*innen bei 78 Prozent. Über alle Altersgruppen hinweg sind die wichtigsten Kommunikationsformen Textnachrichten, Videochat und Videobotschaften, aber auch das Telefon. Die sozialen Online-Netzwerke sind für den Austausch der älteren Kinder bedeutsam. Sie sind ein wichtiges Medium zur Vernetzung mit dem Freundeskreis.

Insgesamt zeigt sich, dass die Kinder trotz der Situation den Kontakt zu Freund*innen halten konnten. Dabei ist das Thema Medienkompetenz ein wichtiger Aspekt, um negative Folgen der digitalen Mediennutzung zu vermeiden.

 


Gut zu wissen: für die Unterstützung von Eltern und Fachkräften zur Medienbildung von Kindern und Jugendlichen gibt es verschiedene Plattformen. Eine Auswahl: bei den Webseiten Schau Hin und klicksafe werden aktuelle Themen und Informationen rund um Apps, Games und Soziale Netzwerke in Bezug auf den Jugendmedienschutz veröffentlicht. Auf der neuen Plattform Zebra können Eltern Antworten auf ihre Fragen zu digitalen Medien erhalten und selbstständig nach Antworten recherchieren (hierzu auch die Meldung vom 22.01.2021). Auf der Website und dem gleichnamigen Instagram-Kanal @medienkindersicher werden regelmäßig technische Schutzlösungen für Geräte, Dienste und Apps für Kinder geboten.


 

Die vollständige Ausgabe des Forschungsmagazins Impulse 02/20 kann über die Website abgerufen werden.

 

Joana Baumgarten


Teaserbild: Deutsches Jugendinstitut I www.dji.de

Headerbild: Mohamed Hassan I pixabay



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Herausgeber

Kathrin Demmler | Prof. Dr. Bernd Schorb
JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis

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