Zum Hauptinhalt springen

Die Wirkung von Internet-Pornografie auf Kinder und Jugendliche

Eine Buchrezension zu Björn Kleins Thesis

 

Gewagte Outfits, viel nackte Haut, eine offenkundig operativ vergrößerte Oberweite – so präsentiert sich das Internetphänomen Katja Krasavice. Die Meinungen zu der als Erotik-YouTuberin und Rapperin bekannt gewordenen Künstlerin polarisieren (Eine medienpädagogische Auseinandersetzung mit Katja Krasavice findet sich hier und in der merz 2021/03 ‚Sexualität und Medien‘). Doch eines ist sie: bekannt. Und das auch schon bei Grundschüler*innen. Der Sozialpädagoge Björn Klein lernte die YouTuberin durch seine Viertklässlerinnen kennen. Das Gespräch mit ihnen über die sexualisierten und pornografischen Inhalte von Krasavice veranlassten Klein, sich mit dem Thema pädagogisch auseinanderzusetzen: „Ist das ein Zu- und ‚Einzelfall‘, der sich mir gerade eröffnet – oder ist das verbreitet? Sind die Kinder von dem, was sie da sehen und hören, psychisch-emotional überfordert – oder haben sie intuitive Verarbeitungsstrategien? In puncto Kinderschutz: muss ich die Eltern informieren und ggf. darauf hinwirken, dass den Kindern verboten wird, pornografisches Material im Internet zu rezipieren – oder reicht es, wenn ich vorläufig zur Kenntnis nehme, was mir erzählt wurde, und ich im sensiblen Gespräch mit den Kindern bleibe? Wie schätzen meine Kolleg*innen das alles ein? ...“

In seiner Thesis ‚Die Wirkung von Internetpornografie auf Kinder und Jugendliche‘ befasst sich der Sozialpädagoge mit der Frage, wie sich Internet-Pornografie auf Kinder und Jugendliche auswirkt. Sein Buch fasst verschiedene Wirkungstheorien, empirische Studien und pädagogische Konzeptualisierungen zusammen, vergleicht diese und stellt sie auf den Prüfstand. Dabei beleuchtet Klein zunächst, was unter Pornografie zu verstehen ist, wobei er sich auf verschiedene Definitionen stützt, bevor er dann die zentralen theoretischen Ansätze und Argumentationspolarisierungen im gegenwärtigen Pornografie-Diskurs betrachtet. Im Weiteren nimmt er insbesondere internetpornografische Angebotsformate in den Blick, die für Kinder und Jugendliche medienschrankenlos zugänglich sind, und diskutiert ausführlich die Wirkung von Internet-Pornografie auf Kinder und Jugendliche. Dazu zieht Klein etwa die Medienwirkungstheorien von Anja Bellmund oder Björn Heuser heran. Kleins Buch liefert so einen Überblick sowohl über die Ergebnisse empirischer Studien zum Kontakt von Kindern und Jugendlichen mit pornografischen Inhalten als auch über verschiedene Ansätze, was deren Rezeption bei Kindern und Jugendlichen bewirkt. Dabei distanziert er sich von der Hysterisierung des Diskurses und stellt pädagogische Ansätze, wie etwa den von Nicola Döring zur Pornografie-Kompetenz durch eine gezieltere Kompetenzförderung und andere Ansätze in der Sexualaufklärung an Schulen, in den Fokus. Klein vermittelt einen unaufgeregten Blick auf das Thema, zeigt auf, welche Gefahren unterschiedliche wissenschaftliche Ansätze sehen und befürchten, aber liefert auch pädagogische Herangehensweisen. Zwar sind pornografische Inhalte im Internet schon für Kinder und Jugendlich leicht auffindbar und zugänglich, doch zeigen auch die Zahlen, dass gerade die Jüngeren nicht regelmäßig solche Inhalte rezipieren und dass auch Darstellungen von gewaltsamen sexuellen Handlungen bei den wenigsten zu einem ebensolchen Handeln führen. Trotz der emotional aufgeladenen und teils vorurteilsbelasteten Diskussionen um pornografische Inhalte im Netz und deren Wirkungen auf Kinder und Jugendliche, schafft es der Autor, eine differenzierte und reflektierte Betrachtung des Phänomens vorzunehmen, ohne dabei in Pauschalisierungen zu verfallen oder die Problematik zu relativieren. Für Eltern und pädagogische Fachkräfte liefert das Buch einen guten Einblick und Überblick und nimmt mit Sicherheit auch einige Ängste und Sorgen aus der Diskussion.

 

Klein, Björn (2021). Die Wirkung von Internetpornografie auf Kinder und Jugendliche. Wirkungstheorien, empirische Studien und pädagogische Konzeptualisierungen auf dem Prüfstand. Hamburg: Alma Marta. 136 S., 15,00 €.


Zurück

In merz suchen

Volltextsuche

Ausgabe nach Jahrgang

Beiträge nach Medien

Kontakt

Redaktion

merz | medien + erziehung
Kati Struckmeyer
Arnulfstraße 205
80634 München

+49 89 689 89 120
+49 89 689 89 111
merz@jff.de

Verlag

kopaed verlagsgmbh
Arnulfstr. 205
D-80634 München

+49 89 688 900 98
+49  89 689 19 12
www.kopaed.de
info@kopaed.de

Rechtsträger

JFF – Jugend Film Fernsehen e. V.
Arnulfstraße 205
80634 München

+49 68 989 0
+49 68 989 111
www.jff.de
jff@jff.de

Herausgeber

Kathrin Demmler | Prof. Dr. Bernd Schorb
JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis

Kontaktformular

Kontaktformular