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Ethische Message mit Ecken und Kanten

Buchbesprechung: ‚Starke Geschichten für deinen Alltag‘

 

„Die Bibel ist der beste Lebensbegleiter, den es gibt“, findet der Schweizer Theologe, Journalist und Autor Stephan Sigg (‚Null Empfang‘ oder ‚Kein Plastik für den Wal. Lena kauft unverpackt‘). Doch seine Erfahrung ist auch, dass Jugendliche und junge Erwachsene oft keinen Zugang zur Bibel oder gar zu den gängigen Standardübersetzungen (wie z. B. Einheitsübersetzung oder Luther-Bibel) haben. Deshalb möchte der Autor mit seinem jüngst erschienen Buch am Puls der Zeit sein und Themen aus dem Alltag von Heranwachsenden aufgreifen. 14 Erzählungen der Bibel hat er jeweils in eine kompakte Kurzgeschichte mit Bezug zur Gegenwart für die ‚Smartphone-Generation‘ eingebaut. Einige Stories greifen daher auch die digitalisierte Welt der Jugendlichen und jungen Erwachsenen rund um Smartphone oder YouTube im Alltag auf. Sie klinken sich dann beim Foto-Casting ein oder beim Teilen von Fake News. Davon erzählt eine Geschichte über einen Jugendlichen, der ein Medienpraktikum in einem Unternehmen absolviert, weil er Sportreporter werden möchte. Entsetzt muss er allerdings feststellen, dass dort Fake News getextet werden. Angelehnt ist die Geschichte an eine Bibelstelle aus dem Neuen Testament: ‚Prüft alles und behaltet das Gute‘ (1. Brief an die Thessalonicher 5,21). Dieses Beispiel soll die jugendlichen Leser*innen ermutigen, zu hinterfragen, wie sich mit Fake News und Gerüchten umgehen lässt. „Die Bibel ist ein Buch mit Ecken und Kanten“, sagt Sigg, der sich seit vielen Jahren mit der Frage befasst, wie die Bibel sich zeitgemäß vermitteln lässt. Deshalb hat er auch nicht gängige Bibelstellen gewählt, sondern jene, die etwas sperrig sind. So macht Jesajas Ausruf ‚Schwerter zu Pflugscharen‘ Mut, an Vision einer besseren Welt zu glauben oder Jesus Begegnung mit Martha und Maria erinnert daran, sich für die wichtigen Dinge Zeit zu nehmen.

Inspiriert sind Siggs Erzählungen von biblischen Texten. Doch für ihre Lektüre ist es völlig unerheblich, ob und welcher Konfession die jungen Leser*innen angehören oder ob sie religiös sind. Vielmehr geht es um ihre ‚ethische Message‘. Der Titel ‚FirmBibel‘ weckt natürlich Assoziationen an das katholische Sakrament der Firmung. Sie ist für Katholiken wiederum eine Bestätigung der beiden Sakramente Taufe und Kommunion. Bei der Firmung sind Jugendliche im Schnitt 15 Jahre alt. Ein Blick in das Duden-Wörterbuch zeigt jedoch ebenfalls, dass das Adjektiv ‚firm‘ ein Synonym für ‚erfahren‘ ist. Das schließt auch mit ein, dass jemand etwa weiß, was Sache ist oder hinter die Dinge schauen kann. Vor diesem Hintergrund sind die Geschichten eine Ermutigung für die Heranwachsenden, über die eigene Medienkompetenz, das soziale Miteinander im eigenen Umfeld und der Gesellschaft oder die eigenen Lebensziele und Zukunftspläne nachzudenken. Die Kurzgeschichten sind so gestaltet, dass bei ihnen kein erhobener, (medien- bzw. religions-)pädagogischer Zeigefinder mitschwingt. Vielmehr sind sie von dem Bewusstsein geprägt, dass die digitalen Medien eng mit dem Alltag der Jugendlichen verzahnt sind. Während der Lektüre werden den Jugendlichen spielerische Denkanstöße aufgezeigt, um etwa ihre Alltagserfahrungen in den Blick zu nehmen: Wer sind meine Vorbilder? Wo liegen meine Begabungen und Talente? Was sind meine Zeitfresser im Alltag?

Stehpan Sigg hat außerdem eine klare Botschaft für seine Leserschaft: „Du bist ok, so wird du bist!“ So sollen Jugendlichen ermutigt werden zum Beispiel Zukunftsvisionen zu entwickeln oder sich von Rückschlägen nicht ausbremsen zu lassen. Nicht unberücksichtigt bleiben auch die Sorgen und Zweifel der Heranwachsenden um ihre Zukunft angesichts der aktuellen globalen und digitalen Herausforderungen.

Die Kurzgeschichten sind auch zum Vorlesen gedacht. Diese Methode erscheint zunächst im Hinblick auf Jugendliche ungewöhnlich. Doch Sigg ist überzeugt, bewusstes Vorlesen könne junge Menschen begeistern. Oft würden sich Lehrer*innen allerdings nicht trauen mit dem ‚Medium‘ Text zu arbeiten. „Wer es doch macht, ist oft überrascht, dass sich die Jugendlichen darauf einlassen und es schätzen, etwas vorgelesen zu bekommen.“ Wie sich dieses gemeinsame Lesen umsetzen lässt, dazu gibt Stephan Sigg Tipps und Tricks an die Hand. In einem digitalen Leitfaden hat er diese und weitere pädagogische, lebensweltorientierte Anregungen zusammengetragen. Gedacht sind sie für den Einsatz in Schule und Unterricht sowie in der kirchlichen Bildungsarbeit.

Auch wenn die Bibel für heutige Heranwachsende steinalt oder aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Viele der darin enthaltenen Botschaften sind trotzdem immer noch aktuell und berücksichtigen menschliche Grunderfahrungen mit denen sich Generationen schon seit jeher befassen: ‚Wie werde ich glücklich? Wie gehe ich um mit Gefühlen wie Angst, Enttäuschung, Neid oder Eifersucht? Woher nehme ich den Mut, wenn es mal um alles geht? Was ist wichtig, damit sich alle Menschen in unserer Gesellschaft, auf unserer Welt wohlfühlen?‘

Heinrike Paulus

 

Sigg, Stephan (2022). FirmBibel. Starke Geschichten für deinen Alltag. Innsbruck-Wien: Tyrolia-Verlag. 144 S., 14,95 €.

 

Zusatzmaterial zum Buch


Teaser- und Headerbild: Coverabbildung © Tyrolia-Verlag (gestaltet mit Canva)

 


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Herausgeber*in

Kathrin Demmler | Prof. Dr. Bernd Schorb
JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis

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