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‚green-radio‘-Studie: Energiesparen mit dem Radio?

Die ,green-radio’-Studie von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien(BLM) und dem Bayerischen Rundfunk(BR) unter Mitarbeit weiterer Partner untersucht den Energieverbrauch von Radioprogrammen über UKW im Vergleich zu DAB+. Sie zeigt, dass bei der Verbreitung eines einzelnen Radio-Programms durch den Umstieg von UKW auf DAB+ zwischen 70 Prozent und 90 Prozent der Energie eingespart werden können.

UKW steht dabei für Ultrakurzwellen und bezeichnet die ,klassische’ Verbreitung von Radio-Programmen im Frequenzbereich zwischen 87,6 und 107,9 MHz. Sie werden über Frequenzmodulation (FM) übertragen, daher sind die Begriffe UKW und FM gleichbedeutend. Die Abkürzung DAB hingegen steht für ,Digital Audio Broadcasting’ – digitale Audioübertragung vom Sendemast zum Empfängergerät. Es kann als Nachfolger von UKW betrachtet werden.

Neuerungen gibt es auch bei den Radioempfangsgeräten:  Moderne Geräte sind mit zahlreichen Zusatzfunktionen, wie etwa farbigem Display, WLAN und Bluetooth ausgestattet und haben dennoch einen deutlich geringeren Standby-Verbrauch als ältere Modelle. Ein tragbares Radiogerät aktueller Bauart verbrauche der Studie zufolge heute bei DAB+ Radiowiedergabe mit 50 Prozent Lautstärke etwa 40 Prozent weniger Energie als ein vergleichbares älteres Modell im UKW-Modus. Die Energieeffizienz ergebe sich allerdings vor allem aus der besseren Energiebilanz von Netzteil und Verstärkerstufe und weniger aus Einsparungen im DAB+ Modus.

Die ,green-radio'-Studie untersuchte nun den Energieverbrauch bei der Ausstrahlung der Radioprogramme und bezieht sich dabei auf das Bundesland Bayern, da hier bereits alle privaten Radioanbieter sowie der Bayerische Rundfunk ihr Programm über DAB+ ausstrahlen. Dort empfängt bereits knapp die Hälfte der Bevölkerung in bayerischen Haushalten (42 %) Radiosendungen via DAB+.

Bei einem vergleichbaren Ausbau der UKW- und DAB+-Sendernetze, so zeigt die Studie, ist der Energieverbrauch bei der Ausstrahlung eines Radioprogramms über DAB+ deutlich geringer als über UKW. Betrachtet man die einzelnen Sender genauer, wird deutlich, dass der Bayerische Rundfunk rund 75 % und Antenne Bayern 85 %Energie pro Programm einsparen könnten, wenn sie ausschließlich per DAB+ ausstrahlen würden. Für das Deutschlandradio würde das gleiche Szenario eine Einsparung von 70 % bedeuten und gleichzeitig ein größeres Publikum, da mittels der ihnen verfügbaren UKW-Frequenzen keine flächendeckende Versorgung für das Deutschlandradio möglich ist. In Hamburg bzw. Schleswig-Holstein wäre sogar eine Energieeinsparung von 90 Prozent für das Programm Klassik Radio möglich.

Diese erheblichen Unterschiede im Energieverbrauch werden weiterhin ersichtlich, wenn berücksichtigt wird, dass für UKW-Programme rund 2.700 Sendegeräte an rund 1.054 Standorten eingesetzt werden und für eine vergleichbare Versorgung mit DAB+ Programmen derzeit nur 654 Sender an ca. 300 Standorten benötigt werden. Für eine DAB+-Vollversorgung sind allerdings knapp 1.000 weitere Sender für DAB+ notwendig.

Insgesamt bietet ein Wechsel auf digitales Radio damit eine vielerorts verbesserte Versorgung, eine höhere Programmvielfalt und zudem deutlich geringere Verbreitungskosten. Das hat Norwegen als erstes Land schon 2017 erkannt und ist komplett von UKW auf DAB+ umgestiegen; nur noch vereinzelte lokale Programme dürfen bis 2027 über UKW senden. Auch die Schweiz plant bis Ende 2024 die Verbreitung via UKW einzustellen. Es bleibt spannend, wann es in Deutschland so weit ist.

 

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