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‚Hidden Codes‘ – eine Lern-App zum Thema ‚Radikalisierung‘

Mit ‚Hidden Codes‘ erscheint ein Game, das junge Menschen spielerisch für Radikalisierung sensibilisieren soll.

Vergangene Woche präsentierte die Bildungsstätte Anne Frank ihr Game ‚Hidden Codes‘. Bereits vor Veröffentlichung des Spiels war es für den Deutschen Computerspiel-Preis in der Kategorie ‚Serious Game‘ nominiert worden. In einer Pressekonferenz stellten Vertreter*innen der Bildungsstätte Anne Frank sowie die Entwickler*innen von ‚Hidden Codes‘ das Spiel und die Idee dahinter vor. Auch Schüler*innen, die zuvor das Spiel testen durften, kamen dabei zu Wort.

„Es gibt Vieles, was du tun kannst!“ Das soll das Spiel laut Fartuun Heinze, der Texterin des Games, den jungen Menschen vermitteln. In der App interagieren die Spieler*innen in fiktiven Geschichten selbständig, um radikale Inhalte zu finden und gegen sie vorzugehen. In den bisher verfügbaren zwei Episoden geht es jeweils um eine Person, die sich im Umfeld Rechtsradikaler bewegt. Als Mitglied einer Schülerzeitung hilft die*der Spieler*in in Episode I mit Unterstützung der Redaktion der Mitredakteurin und Freundin Emilia aus dem rechtsradikalen Umfeld herauszukommen, in das diese ohne es zu wollen geraten ist. In der zweiten Episode deckt die*der Spielende für einen Artikel auf, ob ein Mitschüler hinter dem Profil eines rechtsradikalen Gamers steckt. Ziel ist es, Symbole und Handlungsmuster radikaler Akteur*innen wie auch antisemitische Äußerungen und Symboliken zu erkennen.

Das Game ist als Social-Media-Plattform angelegt, auf der man als Spielender mit den Personen der Storys interagiert. Zunächst legt man sich dazu ein Profil an, das man mit Namen, Status und einem Avatar gestaltet und sogar mit Bildern befüllen kann – und schon ploppt die erste Nachricht im Chatverlauf auf und die Handlung beginnt. Mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten tritt die*der Spieler*in mit den Figuren in Kontakt, außerdem bewegt man sich durch die Profile verschiedener Charaktere, macht Screenshots der geposteten Bilder, wenn man darin einen Hinweis auf Radikalisierung entdeckt hat, und leitet diese wieder weiter. Zum Glück kennen sich die Figuren in der Redaktion beispielsweise mit Symbolen der rechten Szene oder auch mit den Strukturen hinter rechten Akteur*innen aus und helfen auch weiter, wenn man etwa mit ‚Algorithmus‘ oder auch ‚Fake-News‘ nichts anfangen kann. Das Wissen wird somit ganz unterschwellig vermittelt und lässt sich auch ganz individuell, je nach Hintergrundwissen der*des Schüler*in, abrufen.

Den Entwickler*innen war es besonders wichtig, dass sich die Spieloberfläche möglichst authentisch anfühlt. Dazu fand eine enge Zusammenarbeit mit Jugendlichen bei der Entwicklung des Games statt. So gestalteten die Game-Designer beispielsweise die App im Dark-Mode, da bei Befragungen Jugendliche angaben, dass sie Apps auf ihrem Smartphone im Dark-Mode nutzen. Die Oberfläche ist insgesamt mit sehr viel Liebe zum Detail ausgestaltet. Auch im Chatverlauf wurde viel mit Emojis und realitätsnahen Konversations-Elementen gearbeitet, sodass wirklich das Gefühl entsteht, mit den Figuren zu interagieren. Genau diese Realitätsnähe bewerteten die Schüler*innen, die das Game vorab testen durften, als sehr positiv. „Es hat sehr viel Spaß gemacht, weil wir Neues gelernt haben, aber trotzdem ein Spiel gespielt haben. Wir konnten an der Problemlösung teilhaben. Somit sind wir vorbereitet, wenn so etwas in der Realität wirklich passieren würde.“

‚Hidden Codes‘ ist als Bildungs-Game konzipiert, das im Unterricht und anderen pädagogischen Kontexten eingesetzt werden kann, ja sogar soll. Die App soll Schüler*innen an das Thema ‚Radikalisierung‘ heranführen. Dazu eröffnet das Game viele Aspekte des Themas, wobei sowohl im interaktiven Chat als auch in Zwischensequenzen mit Auswertungen des Spielverlaufs sehr viele Hintergrundinformationen gegeben werden. Dennoch ist es den Entwickler*innen wichtig, die Jugendlichen mit den Inhalten nicht allein zu lassen, sondern die angesprochenen Themen zu vertiefen und das Gespielte zu reflektieren. Aus diesem Grund ist das Game auch nicht frei zugänglich, sondern muss mit einem Code freigeschaltet werden. Zudem gibt es umfangreiche Begleitmaterialien für Lehrkräfte und Multiplikator*innen. Freischalt-Codes und die Materialien können kostenlos auf der Website der Bildungsstätte Anne Frank angefragt werden, die App ist kostenfrei im AppStore und Playstore verfügbar.

Neben den beiden ersten Episoden, die das Thema Rechtsextremismus behandeln, sollen bald weitere folgen, die dann auch speziell islamistische Radikalisierung thematisieren werden.


Header- und Teaserbild: Bildungsstätte Anne Frank


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