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JIM-Studie 2020: Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger

Nachdem im Frühjahr die Sonderbefragung JIMplus Corona zum Medienumgang von Jugendlichen während der Schulschließung und zum Thema ‚Homeschooling‘ veröffentlicht wurde, erschien im Dezember 2020 die reguläre Basisuntersuchung der JIM Studie.

Die Studie wird jährlich vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (mpfs) durchgeführt. In diesem Jahr liegt auch hier ein Fokus auf dem Medieneinsatz in der Schule unter den Voraussetzungen der Pandemie. Zum ersten Mal wurde bei dieser Studie ein Teil der Stichprobe mittels eines Onlinefragebogens erhoben. Die Befragungen erfolgten zwischen dem 8. Juni und dem 20. Juli 2020. Insgesamt wurden 1200 deutschsprachige Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 19 Jahren befragt. Die Stichprobe umfasst 52 Prozent Jungen und 48 Prozent Mädchen. Davon besuchen 77 Prozent eine allgemeinbildende Schule, 8 Prozent sind in Ausbildung und 9 Prozent studieren.

 

Die Jugendlichen verfügen über ein breites Spektrum an Medien

Inzwischen sind in nahezu allen Haushalten ein Smartphone, ein WLAN-Anschluss und ein Computer/Laptop vorhanden. Einen Fernseher besitzen 95 Prozent der Familien. Auf eine feste Spielkonsole können die Jugendlichen in 71 Prozent der Haushalte zurückgreifen und auf eine tragbare in der Hälfte der Haushalte. Außerdem sind ein Videostreaming-Dienst in 84 Prozent und ein Musikstreaming-Dienst in 76 Prozent der Familien vorhanden (S.6). Diese haben im Vergleich zum Vorjahr an Abonnements zugenommen. Weniger Abos wurden bei den Tageszeitungen und Zeitschriften abgeschlossen (S.7).

Der Gerätebesitz der Jugendlichen selbst hat im Vergleich zu 2019 zugenommen. So besitzen 96 Prozent der Jugendlichen ein eigenes Smartphone oder Handy (2019: 95 %) und 72 Prozent einen eigenen Computer oder Laptop (2019: 65 %). Dabei ist der Besitz eines Laptops/Computers bei den 16- bis 19-Jährigen höher (84 %), als bei den 12- bis 15-Jährigen (59 %). Die Hälfte der Jugendlichen hat ihren eigenen Fernseher und 42 Prozent haben eine Spielkonsole. Eine starke Zunahme (13 %) gab es beim Besitz eines Tablets. Ein Gerät, welches in den Jahren zuvor nicht erfasst wurde, ist der Drucker. 2020 konnte bei 15 Prozent der Jugendlichen der Besitz eines Druckers festgestellt werden (S.8). Hier könnte ein Rückschluss auf die Bedeutung des Druckers in Zeiten der Schule im Corona-Jahr geschlossen werden. 

 

Das Lernen wird auch weiterhin von der Corona-Pandemie geprägt

Ein Fokus der Befragung lag auch weiterhin auf dem Lernen in Corona-Zeiten. Vor allem der Schulort der Schüler*innen hat sich verändert. Nur noch 69 Prozent der Jugendlichen geht zeitweise in die Schule. 16 Prozent lernen ausschließlich von zu Hause und 12 Prozent besuchen noch jeden Tag die Schule (S.18). Dabei muss beachtet werden, dass die Befragung zu einer Zeit stattfand, als es gerade möglich war etwas Präsenzunterricht stattfinden zu lassen.

Durch den Wechsel des Schulortes mussten verschiedene Plattformen zum Lernen gefunden werden. So wurden Materialien oder Aufgaben per Mail verschickt (57 %), eine eigene Schulcloud verwendet (55 %), mit den eigenen Büchern gelernt (31 %) und per Videokonferenz unterrichtet (27 %).  Bei wenigen wurden Chats genutzt (15 %) und Aufgaben oder Materialien per WhatsApp verschickt (13 %) (S.19).

Mehr als der Hälfte der Jugendlichen (59 %) fällt es schwer sich für das Lernen zu motivieren. Ebenso gehört noch immer eine schlechte Internetverbindung bei 16 Prozent der Jugendlichen zu den Hindernissen und Schwierigkeiten beim Lernen. 12 Prozent der Jugendlichen haben keinen ruhigen Ort, um ungestört und konzentriert lernen zu können (S.20).

Bei der Befragung konnten die Jugendlichen Schulnoten für die Schulen im Rahmen des Onlinelernens vergeben. Dabei wurden von 63 Prozent der Jugendlichen die Noten zwei und drei verteilt. Nur 13 Prozent gaben an, dass das Onlinelernen sehr gut funktioniert (S.21).

Ein weiterer Aspekt der Studie war die Erfassung der Wünsche, Erfahrungen und Befürchtungen in Zeiten von Corona. Besonders die sozialen Aktivitäten fehlen den Jugendlichen. So vermissen sie es ihre Freunde zu treffen, auf Feste und Veranstaltungen zu gehen oder Sport im Verein bzw. mit anderen zu machen. Außerdem sorgen sich die Jugendlichen um die Gesundheit ihrer Familie. Dagegen aber eher weniger um ihre eigene Gesundheit. Ein Großteil der Jugendlichen gab noch an, dass ihnen oft langweilig sei (S.22).

 

Was sticht sonst noch heraus?

Bücher, Musik und Co.

In Bezug auf die Bücher und das Lesen gibt es wenige Veränderungen zum Vorjahr. Allerdings hat sich die tägliche Lesedauer deutlich erhöht. 2020 geben die Jugendlichen im Durchschnitt an täglich 74 Minuten zu lesen, dagegen waren es 2019 nur 53 Minuten (S.23).

Spotify und YouTube bleiben die liebsten Wege, um Musik zu hören (S.26). Ein Unterschied zum Vorjahr lässt sich nur bei der Nutzung von Spotify verorten, denn es wird um 10 Prozent weniger genutzt. Wieso das so ist bleibt allerdings offen (S.27).

Sieger der Pandemie ist die Sparte der Podcasts, denn diese konnten deutlich mehr Zuhörer*innen gewinnen. 17 Prozent der Jugendlichen hören täglich oder mehrmals die Woche Podcasts und 16 Prozent einmal die Woche bis einmal in 14 Tagen. Dabei werden Podcasts eher von Schüler*innen eines Gymnasiums gehört als von Schüler*innen einer Haupt- oder Realschule (S.28f.).

Digitale Spiele sind auch 2020 bei den Jugendlichen beliebt. Dabei ist die Spieldauer im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gestiegen. An Werktagen spielen die Jugendlichen im Durchschnitt 121 Minuten (2019: 81 Minuten) und am Wochenende 145 Minuten (2019: 117 Minuten). Dabei spielen Jungen im Schnitt doppelt so lange wie Mädchen, wobei das Alter keine Rolle spielt (S.56).

 

Die Zeit im Internet

Die tägliche Nutzungsdauer der Jugendlichen ist im Jahr 2020 gestiegen. Die Jugendlichen geben an 258 Minuten online zu verbringen. 2019 waren dies noch 205 Minuten. Dieser Anstieg kann mit der Corona-Pandemie verbunden werden, denn durch die Verlagerung der Schulpräsenz und den Wegfall der Freizeitaktivitäten, wurde hier viel Zeit online verbracht: zum einen für die schulischen Zwecke und zum anderen, um Freunde zu treffen oder für sonstige Freizeitbeschäftigungen (S.33). Inzwischen wird das Internet fast gleichermaßen zur Kommunikation (27 %), für Spiele (28 %) und zur Unterhaltung (34 %) genutzt. Am wenigstens erfolgt die Nutzung des Internets zur Informationssuche (11 %) (S.34).

Die Jugendlichen wurden, wie in den Vorjahren auch, nach ihren liebsten Online-Angeboten gefragt. Dabei zeigte sich, dass weiterhin YouTube, Instagram und WhatsApp zu den liebsten Angeboten zählen. In dieser Kategorie gibt es allerdings auch einen klaren Gewinner, denn die App TikTok wurde von 19 Prozent der Jugendlichen als liebste App genannt. Im Vergleich: 2019 waren dies nur 1 Prozent (S.37).   

Im Jahr 2020 gab es einen deutlichen Anstieg für die Informationsgewinnung durch Videos bei YouTube. Diese wurden von 65 Prozent der Jugendlichen geschaut (2019: 55 %). Außerdem wurden stärker Seiten wie Wikipedia und Informationen bei Facebook oder Twitter genutzt. Insgesamt hat hier kein Dienst an Bedeutung verloren (S.50).

 

Desinformationen und Hate Speech

Als letztes wurde in der Befragung noch das Thema der Desinformationen und Beleidigungen im Netz aufgegriffen. 29 Prozent der Jugendlichen berichten, dass schon einmal beleidigende oder falsche Inhalte über sie selbst im Netz verbreitet wurden. Dabei steigt dieser Anteil mit zunehmendem Alter. Nicht nur erfahren die Jugendlichen negative Inhalte gegen sich selbst, sondern sie werden auch mit Hassbotschaften (53 %), extremen politischen Ansichten (45 %) oder Verschwörungstheorien (43 %) konfrontiert (S.62).  

 

Zusammenfassend wird in der JIM Studie 2020 ersichtlich, dass die Haushalte umfangreich mit Medien ausgestattet sind. Viele Medien besitzen die Jugendlichen selbst wie beispielsweise das Smartphone. Das Internet mit seinen Funktionen gewann noch einmal durch die Corona-Pandemie an Bedeutung: für Schulaufgaben, zum Austausch mit Freunden oder für die Unterhaltung. Dennoch erfahren die Jugendlichen immer öfter Hassbotschaften gegen die eigene Person oder gegen andere. Ihnen begegnen verstärkt extremistische Ansichten und Verschwörungstheorien im Internet. Aus pädagogischer Sicht muss hier ein Schritt getan werden, um Jugendliche auf die negativen Seiten des Internets vorzubereiten und ihnen Unterstützung zu bieten.

 

Die Studie

Joana Baumgarten


Teaserbild: Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest

Headerbild: Mohamed Hassan I pixabay


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Herausgeber

Kathrin Demmler | Prof. Dr. Bernd Schorb
JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis

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