Zum Hauptinhalt springen

Rezension: Digitale Medien im Unterricht

Der Einsatz von digitalen Medien sollte im Zuge der Digitalisierung auch im Unterricht erfolgen. So sollten zum einen die Medien als Mittel genutzt werden, aber auch ihre Chancen, Risiken und Herausforderungen inhaltlich thematisiert werden. Dies machen die im Folgenden vorgestellten Bücher unter Berücksichtigung ganz unterschiedlicher Aspekte

Aus einer sehr theoretischen und empirischen Sicht nähert sich Stephan Wedding in seinem Buch ‘Das didaktische Prinzip der Digitalität. Ein allgemeindidaktischer Beitrag zum bildenden Unterricht mit und zu digitalen Medien’dem Einsatz von digitalen Medien im Unterricht.

Nach einer allgemeinen Hinleitung zum Thema geht Wedding im zweiten Kapitel auf die theoretischen Grundlagen ein. Dazu gehört in erster Linie der Begriff ‚Bildung‘, welcher in Bezug zu Unterricht gestellt wird. Anschließend steht der Medienbegriff im Fokus. Die ‚neuen Medien‘ sind in der Gegenwart in jedem Haushalt vertreten und nehmen Einfluss auf nahezu alle Lebensbereiche. Dabei haben die digitalen Medien höhere Anforderungen an die Nutzung, weshalb es umso wichtiger ist, sie als Unterrichtsgegenstand oder als methodisches Hilfsmittel einzusetzen. Des Weiteren nähert sich Wedding den Medien als Teil von Unterricht aus einer empirischen Perspektive, indem er den aktuellen Forschungsstand ausführt. Hier werden wieder die zwei Einsatzmöglichkeiten der Medien im Unterricht deutlich: inhaltlich-erzieherisch und methodisch. Zur Verknüpfung dieser zwei Dimensionen werden im folgenden Abschnitt Blended-Learning-Szenarien betrachtet. Damit sind letztendlich alle Situationen gemeint, in denen Schüler*innen „zu gewissen Teilen auf Online-Elemente zugreifen können, die Ihnen Wahlmöglichkeiten bzgl. Der Zeit, des Ortes, des Lernpfades und/oder des Tempos bieten“ (S. 102). Mit einer Zusammenführung der theoretischen Grundlagen schließt Wedding das zweite Kapitel des Buchs ab.

Das dritte Kapitel stellt sich nun den empirischen Zugängen, die den Blick auf die schulische Wirklichkeit richten. Als Ansätze wählt Wedding eine qualitative und eine quantitative Herangehensweise: die Dokumentenanalyse, welche sich auf die inhaltlichen und methodischen Aspekte des Einsatzes digitaler Medien fokussiert, und die Befragung, bei welcher unterrichtsorganisatorische und methodische Fragen im Zusammenhang mit dem digitalen Medieneinsatz im Fokus stehen. Insgesamt hat sich in der Dokumentenanalyse gezeigt, dass eine inhaltliche und methodische Thematisierung von digitalen Medien im Unterricht zu finden ist. Bei der Befragung verdeutlichte sich dies, denn Schüler*innen und Lehrer*innen gaben an, dass die digitalen Medien im Unterricht vertreten sind und dort einen festen Platz haben.

Im vierten Kapitel wird die Frage geklärt, auf welcher Ebene der didaktischen Theoriebildung hybride Lernarrangements zu verorten sind und das Blended-Learning-Format in diesen einzuordnen ist. Dabei wird geschlussfolgert, dass Blended Learning letztendlich ‚nur‘ ein didaktisches Prinzip ist. Darauf aufbauend wird dieses didaktische Prinzip ausformuliert, welches den Einsatz von digitalen Medien im Unterricht beinhaltet. Bezeichnet wird das Ganze als didaktisches Prinzip der Digitalität. Die Grundstruktur setzt sich aus der Gliederung: Grundlagen, Voraussetzungen und Ziele, Merkmale, Chancen, Grenzen und Risiken sowie Methodische Umsetzung und geeignete Inhalte, zusammen (S.202). Eine ausführliche Darstellung dieses Prinzips wird im nächsten Teilkapitel vorgenommen, dazu werden auch beispielhafte Inhalte genannt, etwa die Thematisierung von Hard- und Software oder gesellschaftlicher Fragestellungen. Zuletzt werden in diesem Kapitel drei konkrete Umsetzungsbeispiele vorgestellt, die die digitalen Medien im Unterricht bzw. der Lehre gelungen einsetzen. Dazu gehören das praktizierende Unterrichtsszenario des bayerischen PrivatinternatsSchloss Neubeuern, das Blended Didaktikum der Universität Duisburg-Essen und das e:t:p:M® an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe.

Zum Abschluss werden die einzelnen Erkenntnisse von Wedding zusammengefasst und an seine vorangegangen Forschungsfragen angepasst.

Dieses Buch eröffnet einen sehr theoretischen Blick auf den Einsatz von digitalen Medien im Unterricht. Deswegen kann das Buch Lehrkräften, pädagogischen Fachkräften und auch Studierenden in diesen Feldern als Grundlage dienen, um sich intensiv mit der Notwendigkeit von digitaler Bildung auseinanderzusetzen. Die praktischen Überlegungen kommen im Verhältnis sehr kurz und sind dementsprechend weniger ausführlich.

Für diese praktische Sicht eignet sich das Buch ‚Lehren und Lernen mit digitalen Medien und Technologien. Ein Lehrbuch für die Organisation der Lehre in der digitalen Welt‘ von Markus Schäfer, in welchem ein ganzheitliches didaktisches Konzept vorgestellt wird, das die Umsetzung von Lehre mit digitalen Technologien in Form von Designprojekten ermöglicht.

Nach einer Einführung in die Thematik, in welcher die Struktur sowie Kompetenzbereiche der Projekte näher erläutert werden, werden die theoretische Grundlagen und bildungswissenschaftlichen Bezüge des didaktischen Konzepts vorgestellt. Das Konzept „setzt auf kreative, kommunikative, kollaborative und kritische Aushandlungs- und Gestaltungsprozesse in einer digital geprägten Kultur und integriert formale und informelle Kompetenzentwicklungsprozesse“ (S. 21). In den Projekten werden die Medien in erster Linie als „Organisations-, Kommunikations-, Kollaborations-, Gestaltungs- und Dokumentationsinstrument“ (S. 30) genutzt, die Medien werden also ganzheitlich integriert.

Im vierten Kapitel beschreibt Schäfer, welche Bedeutung der Film als Bildungsmedium hat. Als Vorteil nennt er dabei die Zeit-, Orts- und Geräteunabhängigkeit des Films, außerdem spreche das Bewegtbildformat eine breite Zielgruppe an. Im folgenden Kapitel wird der Frage nachgegangen, welches Bewegtbildformat sich für die Projekte eignet. Dazu werden die unterschiedlichen Formate – klassischer Realfilm, Iconfilm, Schiebe- bzw. Legetechnik und vertonte Slideshows – vorgestellt, mit dem Ergebnis, dass die vertonten Slideshows die meisten Anforderungen erfüllen.

Ab dem sechsten Kapitel beschreibt Schäfer ausführlich die Umsetzung der Designprojekte. Dazu gehören fünf Phasen: Themenfindung, Manuskript, Deklamation, Filmschnitt und Nachnutzung. Die Lehrkräfte überlegen sich also ein Thema, entwickeln dazu einen Text, gestalten einen Film zum Lösungsweg und stellen diesen letztendlich als offene Lernressource zur Verfügung. Jede der Phasen wird von Schäfer ausführlich beschrieben, mit umfassenden praktischen Tipps und hilfreichen Umsetzungsideen. Durch die einzelnen Phasen werden verschiedene Kompetenzentwicklungsprozesse angeregt, welche im siebten Kapitel zugeordnet werden. Dazu gehören unter anderem die Schreib- und Lesekompetenz, die Selbstkompetenz und die Medienkompetenz. Im achten Kapitel werden noch einmal Herausforderungen bei der Umsetzung eines Designprojekts diskutiert, bevor im neunten Kapitel ein Praxisbeispiel für die Umsetzung einer Lernsituation folgt. Damit wird das Konzept mit seiner Didaktik und seinen Strukturen verdeutlicht. Daran anschließend folgen noch Empfehlungen für Tools, die in der digitalen Lehre eingesetzt werden können. Schäfer schließt sein Lehrbuch mit einem Ausblick, dass die Designprozesse den Zeitgeist der digitalen Lehre treffen, aber das Grundkonzept aufgrund der dauerhaften (technischen) Entwicklungen weiter adaptiert und weiterentwickelt werden muss.
Das vorgestellte Konzept mit der Entwicklung von Designprojekten vereint die Didaktik mit Medienprodukten. Der Einsatz von mediendidaktischen Ansätzen in der Bildung wird mit der Digitalisierung immer notweniger. Das Konzept erscheint schlüssig und sinnvoll, da die Umsetzung eines Bewegtbildformats eher niedrigschwellig und vor allem bei jungen Erwachsenen bekannt ist. Allerdings greift das Konzept keine völlig neuen Ansätze auf, sondern verschriftlicht eher etwas, was bisher schon getan wird und bringt es in einen didaktischen Kontext. Damit richtet sich das Lehrbuch vor allem an Lehrkräfte oder pädagogische Fachkräfte, die im schulischen oder außerschulischen Bereich tätig sind. Der Aufbau des Buchs ist sehr ansprechend, denn die theoretische Einführung gibt zuerst einen guten Überblick über die Thematik und vermittelt Grundlagen. Der zweite ausführlichere und praktische Teil beinhaltet dann alle notwendigen Informationen, die es braucht, um das Konzept selbst umzusetzen. Wenn die theoretischen Überlegungen bereits bekannt sind, dann kann direkt zum praktischen Teil des Lehrbuchs gesprungen werden. Schade ist, dass das Konzept den Ansatz und auch die meiste Umsetzung bei den Lehrkräften sieht, wobei die Methode als aktive Medienarbeit mit Schüler*innen sehr gut vereinbar wäre.

 

Joana Baumgarten

 

Schäfer, Markus (2020). Lehren und Lernen mit digitalen Medien und Technologien. Ein Lehrbuch für die Organisation der Lehre in der digitalen Welt. Opladen/Berlin/Toronto: Barbara Budrich. 227 S., 19,90 €, ISBN: 978-3-8474-2388-1.

Wedding, Stephan (2020). Das didaktische Prinzip der Digitalität. Ein allgemeindidaktischer Beitrag zum bildenden Unterricht mit und zu digitalen Medien. Weinheim Basel: Beltz Juventa. 294 S., 31,99 €, ISBN: 978-3-7799-6214-4.


Teaser- und Headerbild: Hatice Erol I pixabay


Zurück

In merz suchen

Volltextsuche

Ausgabe nach Jahrgang

Beiträge nach Medien

Kontakt

Redaktion

merz | medien + erziehung
Kati Struckmeyer
Arnulfstraße 205
80634 München

+49 89 689 89 120
+49 89 689 89 111
merz@jff.de

Verlag

kopaed verlagsgmbh
Arnulfstr. 205
D-80634 München

+49 89 688 900 98
+49  89 689 19 12
www.kopaed.de
info@kopaed.de

Rechtsträger

JFF – Jugend Film Fernsehen e. V.
Arnulfstraße 205
80634 München

+49 68 989 0
+49 68 989 111
www.jff.de
jff@jff.de

Herausgeber

Kathrin Demmler | Prof. Dr. Bernd Schorb
JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis

Kontaktformular

Kontaktformular