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| Praxis

Vernetzungstreffen der Medientutorinnen und Medientutoren

Am 18. Februar 2019 fand das dritte Vernetzungstreffen im Rahmen des Projekts „Medientutoren Bayern“ statt. Junge Leute sollen hier durch entsprechende medienpädagogische Betreuung befähigt werden, andere im Umgang mit digitalen Medien zu unterstützen. Die Medientutorinnen und Medientutoren aus sechs verschiedenen Schulen im Alter von zwölf bis 16 Jahren trafen sich hierfür im Medienzentrum München des JFF, um sich kennenzulernen und ihre Projekte vorzustellen. Zugleich erwartete die Schülerinnen und Schüler die Aufgabe, ihre Fähigkeiten als Medientutorinnen und -tutoren bei der selbstständigen Erstellung eines multimedialen Produkts in Form eines Kurzclips unter Beweis zu stellen. Die begleitenden Lehrkräfte hatten an diesem Tag die Möglichkeit zum Austausch und einer Reflexion ihrer Arbeit. Sie sollen den Schülerinnen und Schülern in diesem Projekt als Ansprechpartner zur Seite stehen, diese anleiten und unterstützen.

 

Das Projekt „Medientutoren Bayern“

Seit der Modellphase im Schuljahr 2017/2018 werden über die Entwicklung medienkompetenzstärkender Unterrichtsmaterialien Grundlagen für die Etablierung von Medientutorinnen und -tutoren an drei weiterführenden Schulen geschaffen: der Mittelschule an der Schleißheimer Straße München, der Walter-Mohr-Realschule Traunreut und dem Justus-von-Liebig-Gymnasium  Neusäß. Hier finden seither regelmäßige AG-Treffen statt, die von einer medienpädagogischen Fachkraft des JFF– Institut für Medienpädagogik begleitet werden. Die AGs setzen sich aus Schülerinnen und Schülern der sechsten bis zehnten Klassen zusammen. Den Auftrag der Medientutorinnen und -tutoren haben die Jugendlichen bei einem vorhergehenden Vernetzungstreffen selbst formuliert:

„Wir wollen in der Schulgemeinschaft einen verantwortungsbewussten und sicheren Umgang mit Medien etablieren. Wir als Medientutor_innen möchten mit anderen Schüler_innen sowie Lehrkräften relevante Inhalte thematisieren, um sie bei einem souveränen und reflektierten Umgang mit Online-Angeboten zu unterstützen. Es ist uns wichtig, dass wir hilfsbereit sind. Dabei versuchen wir Vorbilder zu sein und wollen zeigen wie sinnvoll und bereichernd es sein kann, wenn sich Schüler_innen gegenseitig helfen.“ (https://medientutoren.bayern/leitbild)

In der angelaufenen zweiten Phase des Projekts wird die Tätigkeit der Medientutorinnen und -tutoren an den Schulen verstetigt. Im Schuljahr 2018/2019 sind drei weitere Schulen in das Projekt aufgenommen worden. Am Vernetzungstreffen nahmen daher ebenso Schülerinnen und Schüler der Leonhard-Wagner-RealschuleSchwabmünchen, der Mittelschule Neuburg vorm Wald und der Via-Claudia-RealschuleKönigsbrunn teil. Eine Erprobung der Unterrichtsmaterialien findet an 30 ausgewählten Schulen in ganz Bayern statt.

 

Das Vernetzungstreffen beginnt

Getreu des Leitbildes setzen sich die Schülerinnen und Schüler auf dem dritten Vernetzungstreffen intensiv mit Medien auseinander. Nach der Einführung in den Ablauf des Treffens können die Jugendlichen ihre Berührungsängste innerhalb eines aktivierenden Spiels, der lebenden Statistik, abbauen. Doch auch die Medientutorinnen und -tutoren selbst hatten hierfür Spiele mitgebracht. Bei der Vorstellung ihrer Medientutoren-AGs wurden ihnen keine Grenzen gesetzt. Mit Hilfe kleiner Spiele und Quizze zur Anregung für Diskussionen sowie der Präsentation von Erklärvideos stellten sie ihre Projekte und Themenschwerpunkt den anderen Schulen vor. Dabei gehörten neben der Beratung von Lehrenden und Schülerinnen bzw. Schülern der fünften Klassen auch die Beschäftigung mit Gefahren im Internet, dem Urheberrecht und Mobbing zu den thematisierten Aufgaben.

 

Die Medientutorinnen und Medientutoren – ein Imagefilm

Anschließend teilte sich das Programm von Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern. Während die Lehrkräfte die Möglichkeit bekamen, sich unter anderem über unterschiedliche Rahmenbedingungen und Erfahrungen sowie Tipps auszutauschen, gingen die Schülerinnen und Schüler ihrer eigentlichen Hauptaufgabe an diesem Tag nach: einen Imagefilm über ihre AG drehen. Kernfragen wie „Wer seid ihr?“, „Was macht ihr?“ und „Warum macht ihr das?“ sollten darin beantwortet werden. Für die Erstellung ihres Videos standen den Jugendlichen unter anderem die App Snapchat, ein Greenscreen sowie das Tool MySimpleShow und Trickboxen zur Auswahl. Diese wurden im Medienzentrum München in Form von verschiedenen Stationen von Teamern des JFFs betreut.

Doch bevor es ans Drehen der Szenen ging, stand die Erstellung eines Skripts auf dem Plan, in dem jede AG sowohl Inhalt als auch Umsetzung skizzieren sollte. Unter Anleitung der Teamer beantworteten die Jugendlichen W-Fragen rund um ihre AG, wodurch gleichzeitig der Rahmen für die Imagefilme gesetzt wurde. Zunächst teilweise zurückhaltend, dann aber mit zahlreichen Ideen reflektierten sie ihre Rolle und Tätigkeit als Medientutorinnen bzw. -tutoren. Weitgehend selbstständig erarbeiteten sie dabei ihre Konzepte und brachten auch eigene kreative Einfälle für die Umsetzung mit ein. Jeder Teil des Films sollte nämlich an einer anderen Station gedreht werden. So zeigte sich später das ein oder andere Schauspieltalent nicht nur vor dem Greenscreen sondern auch im Hof des Medienzentrums.

Nach der Planungsphase und Stärkung in der Mittagspause ging es dann endlich los: die gesammelten Ideen wurden in einem Film umgesetzt. Innerhalb von zwei Stunden Zeit sollten ihre Szenen gedreht und der Film zusammengefügt sein. Während sich bei der Konzepterstellung noch einige Schülerinnen und Schüler eher im Hintergrund hielten, waren spätestens jetzt alle aktiv und mit Feuer und Flamme dabei. An den verschiedenen Stationen wurde gebastelt, fotografiert und gefilmt. Mit Hilfe einer pro Gruppe gewählten Teamsprecherin bzw. eines Teamsprechers konnten schon während der Dreharbeiten gesammelte Filmteile eingesehen und so mitverfolgt werden wie aus Ideen Clips entstanden. Selbst wenn die Schülerinnen und Schüler mit einigen der Tools noch nicht vertraut waren, fanden sie sich zügig zurecht und konnten sich bald auch ohne Hilfe der Teamer in die Arbeit stürzen. Begeisterung kam auf, sobald sich die Jugendlichen gegenseitig ihre Zwischenergebnisse auf dem Tablet präsentierten. 

Aufgrund unterschiedlicher Gruppengrößen waren einige AGs deutlich schneller mit der Video-Erstellung fertig als andere. Langeweile kam dennoch nicht auf. So bestand beispielsweise die Möglichkeit, passende Musik für die Clips selbst zu erstellen. Zudem bot sich so auch die Gelegenheit, sich über die Arbeit als Medientutorinnen und -tutoren auszutauschen.

Trotz des engen Zeitplans konnte am Ende jede Schule stolz ihren Imageclip präsentieren. Von Interviews im virtuellen Nachrichtenstudio über Stop-Motion bis hin zu richtigen Schauspiel-Sequenzen war hier alles vertreten. Bei einer kurzen Reflektion des Gezeigten konnten die Medientutorinnen und -tutoren noch einmal erklären, was sie mit ihrem Video sagen wollten. So verabschiedeten sich die Schülerinnen und Schüler mit neuen Ideen und Inspiration für weitere Projekte im Gepäck aus dem Medienzentrum.

 

Vorreiter für den Digitalpakt

Das Projekt „Modellhafte Entwicklung und Implementierung von Medientutoren an bayerischen Schulen“ des JFF – Institut für Medienpädagogik wird durch das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus, Wissenschaft und Kunst finanziert. Seit 2017 besuchen medienpädagogische Fachkräfte des JFF regelmäßig die Projektschulen, um sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Lehrkräfte in ihrer Tätigkeit an der Schule zu unterstützen.

Somit ist das Projekt ein geeignetes Beispiel, in welcher Form Schulen die Digitalisierung in den Unterricht und das Schulleben mit einbinden und thematisieren können. Während sich der Digitalpakt noch in der Anlaufphase befand, wurden hier schon erste Konzepte formuliert und Projekte durchgeführt, um digitale Medien und den Umgang mit diesen sowohl Schülerinnen und Schülern als auch Lehrkräften näher zu bringen. Denn auch, wenn keine Gelder für Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte im Digitalpakt vorgesehen sind, müssen Lehrkräfte den sinnvollen Einsatz von digitalen Medien im Unterricht erlernen. So macht die Anschaffung von Tablets und Smartboards den Unterricht nur bedingt medialer, wenn infolge weiterhin nur PowerPoint-Präsentationen gezeigt werden und die Funktionen dieser Geräte nicht ausgeschöpft werden. Außerdem bringt der ständige Zugang zu digitalen Medien auch gewisse Gefahren und Herausforderungen mit sich, deren Umgang sowohl Lehrkräfte als auch Kinder und Jugendliche erlernen müssen. Wenn hier Lehrkräfte mit Schülerinnen und Schülern zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen, ist das sicher ein guter Anfang.

Weitere Informationen zum Projekt „Medientutoren Bayern“ finden Sie hier.

Lara Moritz hat Medienkommunikation an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg studiert und ist Praktikantin bei merz | medien + erziehung.

Fotos: Max Kratzer und JFF

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Herausgeber

Kathrin Demmler | Prof. Dr. Bernd Schorb
JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis

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