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Rechtsextremismus auf TikTok: Warum ist die AfD so beliebt bei jungen Menschen?

Anlässlich der Europawahl am 09. Juni veröffentlichte die Bildungsstätte Anne Frank (BSAF) einen Report, welcher sich mit dem Thema‚Das TikTok Universum der (extremen) Rechten‘ auseinandersetzt. Darin findet eine umfangreiche Analyse von Trends, Strategien und Ästhetik der Social-Media-Kommunikation der Rechten statt. Abschließend werden medienpädagogische Empfehlungen ausgesprochen. 

Spätestens seit der Trendstudie ,Jugend in Deutschland‘ 2024 wurde deutlich, dass Rechtsextremismus unter Jugendlichen weit verbreitet ist. Die Studie zeigte, dass 22 Prozent der Erstwähler*innen bei der Bundestagswahl die AfD wählen würden. Diese alarmierende Tendenz wird durch Kommunikationsstrategien auf der Videoplattform TikTok verstärkt, das erklärt unter anderem der Report der BSAF.

Die Plattform TikTok ist eine der beliebtesten Apps unter den Heranwachsenden. Rechtsextreme Inhalte werden dort auf verschiedenen Wegen verbreitet: von der Bewegung der Lippen zu rechtsextremen Songtexten über die Ästhetisierung von traditionellen Geschlechterrollen bis hin zur Präsentation von rechtsextremen Symboliken wie Springerstiefeln. Eine besondere Rolle bei der Verbreitung des bedenklichen Gedankenguts spielt der ausgeklügelte Algorithmus: schnell landet man in einer politisch eindimensionalen Blase, welche eine visuelle Hegemonie und damit den Eindruck einer Massenbewegung erzeugt. Die AfD hebt sich auf der Videoplattform besonders durch drei Merkmale ab: erstens ist sie schon lange auf der App präsent und aktiv. Zweitens passen ihre kurzen, populistischen Inhalte ideal zur Plattform. Drittens haben es ihnen die anderen Parteien leicht gemacht, indem sie der AfD lange Zeit das Feld überlassen haben.

Eine Kommunikationsstrategie zur Verbreitung von rechten Inhalten, die im Report ausführlich erklärt wird, ist die Vlog-Form, eine persönliche und direkte Ansprache. Sie punktet durch Einfachheit der stilistischen Mittel, das Auftreten als Motivationscoach sowie Direktheit und Wiederholung von Aussagen. Eine weitere ist die multimedialeForm, bei welcher mit audiovisuellen Inhalten, wie Memes, starken Bildern, editierten Videos und Musik zur ästhetischen Selbstinszenierung gearbeitet wird. Damit wird das Ziel verfolgt, eine bestimmte Stimmung zu transportieren.

Obwohl TikTok offensichtlich eine Gefahr für unsere demokratische Gesellschaft darstellt, wird sein Einfluss nach wie vor unterschätzt. Erziehungsberechtigte sowie Nutzende haben nur mangelhaftes Wissen über Wirkweisen, Risiken und Chancen der App. Die Bildungsstätte Anne Frank betont, dass es im Rahmen der Sensibilisierung wichtig ist, die Bedeutung von Emotionen, Ästhetiken und indirekter Kommunikation hervorzuheben. Aber auch soziale Dynamiken und die eigene Verletzlichkeit müssen in diesem Kontext thematisiert werden. Die BSAF empfiehlt, dies unter anderem durch Aufklärungsarbeit in Schulen oder durch Ansätze der Peer-Group-Education umzusetzen. Besonders relevant ist auch die Aneignung von Wissen über rechte Inhalte, Desinformation und Deep Fakes. Im Report werden zudem konkrete Umsetzungsideen und eine Übung zur Selbstreflektion für die medienpädagogische Praxis erläutert.

Darüber hinaus stellt die Bildungsstätte Anne Frank Forderungen an die Plattform TikTok, an Bildungseinrichtungen, die Zivilgesellschaft und die Politik.  Abschließend ist wichtig zu betonen, dass TikTok nicht verteufelt werden soll, aber aufgrund ihrer einflussreichen Mechanismen als Meinungsbildungsplattform für junge Menschen sehr ernst zu nehmen ist.

www.bs-anne-frank.de/mediathek/publikationen/das-tiktok-universum-der-extremen-rechten

Veronika Wagner


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