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PLAY22–Festival: Virtuelle Hausbesuche und spannende Einblicke in die Gaming-Branche (Teil 2)

Der folgende Beitrag  knüpft  an den  ersten Teil des Rückblicks zum PLAY22 – Creative Gaming Festival an. Eine Woche lang konnten Fans der digitalen Spielekultur vor Ort in Hamburg und online in Workshops, Ausstellungen und weiteren Mitmachangeboten die kreativen Potenziale von Games zu entdecken. Rund um das diesjährige Motto ‚Take a Breath‘ standen dabei vor allem digitale Spiele und Spielformen im Vordergrund, die zum Entspannen, Innehalten und Reflektieren einladen. 

Um die Games-Branche und die Berufsfelder dahinter besser kennenzulernen, bot das Festival mit den digitalen Hausbesuchen ein besonderes Format, bei denen Besucher*innen unterschiedlichste Persönlichkeiten aus verschiedenen Bereichen der Branche kennenlernen. Dadurch konnten sie spannende Einblicke in ihren Arbeitsalltag gewinnen. Moderiert wurde das Format von Andreas Hedrich, Medienpädagoge und Initiator der Initiative Creative Gaming.  

 

Hausbesuch mit Dennis Winkens

Den Anfang machte der Hausbesuch bei Dennis Winkens, Online-Redakteur, leidenschaftlicher Gamer und Gründer von Wheelyworld. In Livestreams auf Youtube oder Twitch lässt er seine Zuschauer*innen regelmäßig daran teilhaben, wie er in Rocket League, Fall Guys oder The Legend of Zelda virtuelle Welten erobert. Wie er im Gespräch mit Andreas Hedrich berichtet, wäre dies vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen. So hatte er mit17 Jahren einen schweren Sportunfall und ist seither vom Hals abwärts gelähmt. Eine lange Zeit habe er deshalb seiner Gaming-Leidenschaft nicht mehr nachgehen können. Erst mithilfe des ‚Quadsticks‘, einem Controller-Ersatz, welcher mithilfe eines Joysticks sowie Pust- und Schluck-Sensoren über den Mund gesteuert wird, konnte er sein Hobby schließlich wieder aufnehmen.  

Beeindruckend sind aber nicht nur die technischen Hilfsmittel, die Winkens bei seiner Arbeit unterstützen, sondern auch die Message, welche hinter seinem Kanal steht. Mit Hilfe seines Kanals möchte er mit seinem Streams Vorurteile und Berührungsängste abbauen und ein Zeichen für mehr Inklusion im Gaming setzen. Aus diesem Grund sei es ihm auch ein wichtiges Anliegen, Games auf ihre Barrierefreiheit zu testen, um Entwickler*innen dabei zu unterstützen, die Anwendbarkeit von digitalen Spielen zu verbessern. So engagiert er sich beispielsweise in Projekten wie Gaming ohne Grenzen oder Aktion Mensch. Schließlich zeigt er mit seinem Engagement auf, wie wichtig es ist, Lösungen zu entwickeln, um Barrieren in digitalen Spielen zu überwinden und Räume für Austausch, Begegnung und ein gemeinsames Miteinander zu schaffen. 

Hausbesuch mit Kathrin Radtke 

Abgesehen von Streamer*innen gibt es jedoch noch weitere Akteur*innen, welche die Games-Branche prägen. Eine von ihnen ist Kathrin Radtke. Sie ist Spieleprogrammiererin und Mitgründerin des Indie Game Studios Spellgarden Games. Nach ihrem Abschluss im Studiengang Mobile Medien arbeitete sie als Entwicklerin bei Studio Fizbin in Ludwigsburg und wirkte in diesem Zuge an verschiedenen Indie-Games mit.Das Programmieren ist jedoch nicht ihre einzige Leidenschaft. So war sie bis Ende 2021 als Creatorin auf dem YouTube-Kanal So Many Tabs von Funk aktiv. 

Mit ihrem Team arbeitet sie derzeit aktiv daran, ihre Firma Spellgarden Games weiter auszubauen, um in Zukunft mit der Produktion eigener Spiele beginnen zu können. Nebenbei gibt sie zusätzlich noch Programmier-Workshops für Kinder und Jugendliche oder ganze Schulklassen. Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung hatte sie für die Zuschauer*innen auch einige hilfreiche Ratschläge und Anregungen parat, die sich für das Programmieren digitaler Spiele interessieren oder später einmal selbst in diese Branche einsteigen möchten. So empfiehlt Radtke, für den Anfang mit Erklärvideos und Tutorials zu arbeiten und kostenlose Programme für Einsteiger*innen zu nutzen, um sich Grundkenntnisse  aneignen zu können.   

Schließlich gäbe es jedoch nicht den einen Weg, um den Einstieg in die Spielentwicklung zu schaffen, wie Radtke hervorhebt. Insbesondere Praktika können dabei eine wertvolle Möglichkeit sein, um neue Fähigkeiten zu erlernen, Akteur*innen aus der Praxis kennenzulernen und so schließlich Erfahrungen zu sammeln, die den beruflichen Findungsprozess unterstützen können. 

Hausbesuch mit Marlena Bayer 

Auch beim dritten Hausbesuch mit Marlena Bayer wurde eine weitere interessante Berufsperspektive im Gaming-Bereich vorgestellt. Sie ist 3D-Artist bei Tivola Games, einem bekannten deutschen Publisher für Anwendungen und Computerspiele für Kinder. Als 3D-Artist ist sie vor allem dafür zuständig, dreidimensionale Objekte und Gebilde in Computerspielen zu entwerfen und zu animieren. Virtuelle Welten zum Leben zu erwecken und ihnen Charakter zu verleihen, gehört also wesentlich zu ihrem Beruf dazu. Da Games immer aufwendiger und detailreicher werden, sind bei dieser Tätigkeit ein ausgeprägtes technisches Verständnis, Kreativität, Einfallsreichtum sowie Kommunikations- und Teamfähigkeit gefragt.  

Obwohl Bayer noch am Anfang ihrer Karriere steht, arbeitet sie derzeit bereits an einem großen Projekt: Ihr erstes eigenes Mobile Game Cat Rescue Story, bei dem es darum geht, Katzen aufzunehmen, sie zu pflegen und schließlich an neue Besitzer*innen zu vermitteln.  Wie viel Herzblut und Arbeit hinter dem Spiel stecken, wird im Gespräch über das Projekt unmissverständlich deutlich. Da sie sich selbst auch durch ihre Kolleg*innen und andere Game-Designer*innen inspirieren lässt, rät sie auch jungen Menschen, die Fuß in der Branche fassen möchten, möglichst viel auszuprobieren, unterschiedlichste Erfahrungen zu sammeln und vor allem den Spaß an der kreativen Auseinandersetzung mit digitalen Spielen nicht zu verlieren. 

Hausbesuch mit Marco Caniglia 

Neben den klassischen Arbeitsfeldern der Gaming-Branche wurden im Rahmen der digitalen Hausbesuche auch Berufe vorgestellt, die eher weniger geläufig sind, so auch der des*der QA-Tester*s*in (zu dt.: Qualitätsmanager*in). Dafür war Marco Caniglia vom Game-Studio Deep Silver Fishlabs zu Gast, um Einblicke in seinen Arbeitsalltag zu geben. So trägt er als Lead-QA-Tester die Hauptverantwortung dafür, noch vor dem eigentlichen Release eines Games die Software auf Fehler (sog. Bugs) zu testen, um beispielweise das Risiko eines Programmabsturzes zu vermeiden. Dabei geht es vor allem darum, die dafür notwendigen Testdurchläufe zu planen, durchzuführen und sie schließlich für die Nachverfolgung zu dokumentieren.   

Doch wie gestaltet sich der Einstieg in einen solchen Beruf? Wie Caniglia berichtet, habe er selbst unterschiedlichste Erfahrungen in verschiedenen Branchen (Gastronomie, Pädagogik, Bauwesen) gesammelt, bevor er durch ein Praktikum auf den Gaming-Bereich aufmerksam geworden ist. Als Seiteneinsteiger brachte er bereits vielfältige branchenrelevante Kompetenzen mit, die ihm schließlich den Einstieg erleichtert haben. Auf die Frage hin, welche Voraussetzungen es für den Beruf braucht, nennt Caniglia neben grundlegende IT- bzw. Programmierkenntnissen auch die Notwendigkeit gut ausgeprägter Soft-Skills, da gerade die Zusammenarbeit mit dem Team entscheidend für die Optimierung und Verbesserung digitaler Spiele sei.  Ähnlich wie die anderen Interviewpartner*innen rät auch er dazu, sich nicht am Idealbild eines linearen Karrierewegs zu orientieren, sondern auch alternative Zugangsmöglichkeiten in Erwägung zu ziehen, um in der gewünschten Branche Fuß zu fassen.  

Hausbesuch mit Kim Adam 

Der letzte Hausbesuch bei Kim Adam (aka freiraumreh) gewährte den Besucher*innen des Festivals spannende Einblicke abseits der Gaming-Thematik. Auch wenn ihre Streaming-Laufbahn ebenfalls mit Gaming begonnen hat, beschäftigt sie sich mittlerweile auf ihrem Twitch-Kanal hauptsächlich mit Themen rund um Social Media, Politik und Nachhaltigkeit. Dazu lädt sie regelmäßig unterschiedlichste unterschiedliche  Persönlichkeiten ein, mit denen sie über ihre Geschichten, Anliegen oder ihr berufliches bzw. politisches Engagement spricht. Dies ist jedoch nicht ihre einzige Leidenschaft. So hat sie im Zuge der Auseinandersetzung mit Themen wie Minimalismus und fairer Mode vor drei Jahren damit begonnen, nachhaltige Textilien, darunter auch Merchandise für andere Influencer*innen, zu vertreiben.  

So ist der Erfolg ihres Kanals ein positives Beispiel dafür, wie Content-Creator*innen auf Twitch ihre Reichweite nutzen können, um auf zentrale gesellschaftspolitische Themen und Problematiken aufmerksam zu machen. Doch Adam ist sich auch darüber bewusst, welche Risiken ein so intensiver Austausch mit der Community bergen kann. So hebt sie hervor, wie wichtig es für sie sei, Privatsphäre und Berufsleben zu trennen und dies für die Zuschauer*innen transparent zu machen.  Deshalb blicke sie auch kritisch auf Beispiele, in denen diese Grenzen bewusst aufgeweicht werden, um Werbung bewusst zu umgehen, falsche Empfehlungen auszusprechen oder das Vertrauen der Follower*innen zur eigenen Bereicherung auszunutzen. Umso wichtiger sei es ihr, im Umgang mit ihrer eigenen Community bewusst Grenzsetzungen vorzunehmen und diese auch deutlich zu kommunizieren, um keine falschen Erwartungen oder Abhängigkeiten entstehen zu lassen. 

Um auch zukünftig die Entscheidungsfreiheit und Kontrolle über ihre Inhalte zu behalten, hat sich Adam dazu entschlossen, neben ihrem Twitch-Kanal noch ein zweites Standbein auf YouTube aufzubauen, um sich somit auch unabhängiger von der Plattform zu machen. Zudem ist auch ein eigener Video-Podcast in Planung, um noch mehr Raum für Interviews und Diskussionen zu ermöglichen. Gerade diese Freiheiten und Handlungsspielräume, die das Streaming ihr und anderen Content-Creator*innen eröffnet, sieht Adam dabei als eine wertvolle Möglichkeit, um vor allem jüngere Zielgruppen zu erreichen und diese für die Auseinandersetzung mit politischen und gesellschaftlichen Themen zu begeistern. 

 

Fazit und Ausblick  

Insgesamt haben die virtuellen Hausbesuche nicht nur Einblicke in vielfältige und spannende Berufsfelder der Gaming-Branche eröffnet, sondern auch zur Beschäftigung und Auseinandersetzung mit den komplexen und anspruchsvollen Aufgabenbereichen hinter diesen Berufen angeregt. Gerade der fachliche Input der Gäste* lieferte dem jungen Publikum viele Anregungen und Hilfestellungen, um eigene Interessen, Ideen oder Projekte weiter zu verfolgen und somit vielleicht sogar den langgehegten Wunsch von einer Karriere in der Gaming-Branche Wirklichkeit werden zu lassen. 

 

Alle Informationen zum Festival

Die digitalen Hausbesuche zum Nachschauen

Lisa Melzer


Diese Meldung basiert auf eigenen Eindrücken und den uns zur Verfügung gestellten Presseunterlagen des PLAY22-Festivals. 

Header und Teaserbild: © Initiative Creative Gaming e.V. (bearbeitet mit Canva) 


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Herausgeber*in

Kathrin Demmler | Prof. Dr. Bernd Schorb
JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis

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