Zum Hauptinhalt springen

ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2023

In Deutschland nutzen so gut wie alle Menschen ab 14 Jahren (98 %) täglich Medien. Insbesondere das lineare Fernsehen gehört weiterhin für knapp zwei Drittel (64 %) der Bevölkerung zum Alltag. Was die Reichweiten angeht liegen das lineare Fernsehen und Radio weiterhin an der Spitze. Überraschend ist, dass digitale Video-Ausspielwege erstmals keine neuen Nutzer*innen hinzugewinnen. „Für Streaming-Anbieter, Mediatheken und YouTube wird ein erster Sättigungs-Effekt sichtbar“ heißt es in der Studie der ARD/ZDFMassenkommunikation Trends 2023

Die Studie bietet spannende Erkenntnisse zur Mediennutzung der Deutschen. Deutlich wird, dass der Großteil der Zeit dem Konsum von Bewegtbild gewidmet wird, gefolgt von Audio und Textinhalten. Insbesondere Videos in Sozialen Medien gewinnen in den Altersgruppen bis 49 Jahre weiter an Bedeutung. Die Veränderungen in den Sehgewohnheiten einzelner Zielgruppen werden deutlich im Fünf-Jahresvergleich: Bei den unter 30-Jährigen reduziert sich die Anzahl der Personen, die täglich lineares Fernsehen nutzen, um die Hälfte auf 19 Prozent. In der Altersgruppe der 30- bis 49-Jährigen sinkt dieser Wert auf 45 Prozent (ein Rückgang von 28 Prozentpunkten). 

Für vier von fünf Personen bleiben Audio-Angebote ein fester Bestandteil der täglichen Mediennutzung. Weiterhin nutzen 68 Prozent wie bereits im Vorjahr täglich lineare Radioprogramme, während bei Musik-Streaming-Diensten und Podcasts ein erster Sättigungseffekt zu erkennen ist. Im Vergleich zum Vorjahr zeigen sich keinerlei Zuwächse in der Nutzerschaft. Jedoch haben sich beide Audio-Nutzungsformen insbesondere bei den unter 30-Jährigen als feste Bestandteile der täglichen Audionutzung etabliert und somit nicht an Bedeutung verloren. Vergleicht man die Ergebnisse mit der Vor-Corona-Zeit geht die Audio-Hördauer insgesamt (um 11 Minuten) zurück, bei den Jüngeren ist es eine Viertelstunde. Der Anteil des Radios am Audio-Zeitbudget bleibt jedoch in allen Altersgruppen stabil. Streaming-Dienste haben in großem Maße herkömmliche Tonträger verdrängt. Insbesondere bei den unter 30-Jährigen entfallen zwei Drittel der gesamten Audio-Nutzungszeit auf nicht-lineare Angebote. Dennoch hören weiterhin drei Viertel dieser Altersgruppe regelmäßig Radio.  

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass im ersten Erhebungsjahr nach der Aufhebung sämtlicher Covid-19-Maßnahmen die Gesamtdauer der Mediennutzung einen leichten Rückgang auf 412 Minuten im Vergleich zu 420 Minuten im Vorjahr aufweist. Videos nehmen mit 203 Minuten, trotz eines leicht rückläufigen Trends um 11 Minuten, weiterhin den größten Anteil der Mediennutzung ein. Audios verzeichnen mit 175 Minuten eine leichte Zunahme um 5 Minuten. Die Zeit für das tägliche Lesen von Texten liegt mit 60 Minuten signifikant niedriger (minus 10 Minuten). Wenn man die Ergebnisse im Bereich redaktioneller Texte betrachtet, zeigt sich, dass 58 Prozent der Menschen diese täglich lesen. Es wird jedoch ein Rückgang um 5 Prozentpunkte verzeichnet.  Dies steht im Zusammenhang damit, dass die Menschen nun wieder vermehrt Zeit außerhalb ihres Zuhauses verbringen, insbesondere im Kontext von beruflichen Aktivitäten sowie Schule/Studium. 

ZDF-Intendant und Vorsitzender der ARD/ZDF-Forschungskommission Dr. Norbert Himmler   äußert sich zu den Studienergebnissen wie folgt: „Die Zahlen zeigen: Mit dem Ausbau des gemeinsamen Streaming-Netzwerks von ARD und ZDF sind wir auf dem richtigen Weg. Damit können wir das jüngere Publikum, das immer weniger linear schaut, mit unseren hochwertigen Inhalten noch besser erreichen. Die bestmögliche Vernetzung aller Ausspielwege ist elementar für unser Ziel: Den Menschen in Deutschland ‚ein ZDF für alle‘ zu bieten.“ 

 
Die vorliegende Studie analysierte unter anderem die Bewertungen von Nutzer*innen in Bezug auf sechs verschiedene Angebotskategorien: öffentlich-rechtliche und private Rundfunkanbieter, Video- und Musik-Streamingdienste sowie Videoportale und Soziale Medien. Ein zentrales Ergebnis dieser Untersuchung ist die generationsübergreifende Relevanz der öffentlich-rechtlichen Rundfunkangebote für die politische Meinungsbildung, die von zwei Dritteln der Befragten (67 %) bestätigt wurde. Hinsichtlich Video- und Audio-Streamingdiensten schätzten mehr als 80 Prozent der Befragten insbesondere die passgenauen Inhalte. Obwohl Soziale Medien als besonders vielfältig wahrgenommen werden, gelten sie im Medienvergleich als stärker abhängig von politischen und wirtschaftlichen Interessen. 

Studiendaten:  

Insgesamt wurden 2.000 deutschsprachige Personen ab 14 Jahren in Deutschland befragt: 70 Prozent davon per Telefon auf Basis einer repräsentativen Dual-Frame-Stichprobe, weitere 30 Prozent über ein repräsentatives Onlinepanel. Die Studie wurde vom Institut GIM in der Zeit von Ende Januar bis Anfang April 2023 durchgeführt.  

Die detaillierte Beschreibung der Methode und vertiefende Analysen werden auf der Online-Plattform „Media Perspektiven“ (www.media-perspektiven.de) veröffentlicht. Die Website www.ard-zdf-massenkommunikation.de hält Daten und ergänzende Informationen bereit. 

Weitere Informationen hier: https://www.ard-zdf-massenkommunikation.de/mk-trends/pressemitteilung/  


Für mehr Informationen und weitere spannende Erkenntnisse schaut auch gerne in unserem Heft zum Thema Streaming. Bewegte Bilder in Bewegung vorbei. In dieser Ausgabe werden nicht nur einige Basisinformationen über den Wandel im Bewegtbildangebot erarbeitet, sondern auch Herausforderungen für die medienpädagogische Praxis mit Bezug auf die veränderten Nutzungsweisen der Streaming-Angebote kritisch beleuchtet. 

www.merz-zeitschrift.de/alle-ausgaben/details/merz-2023-05-streaming-bewegte-bilder-in-bewegung/  

 

Katharina Stengl 


Zurück