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SWIPE DES MONATS: Kochen für mehr Medienkompetenz

Sobald ich an meinem Urlaubsort angekommen bin, besuche ich meist erst einmal die örtliche Tourismusinformation, um mich zu informieren, was die Region so alles zu bieten hat. Mittlerweile lasse ich die Prospekte überBungee-Jumping, Canyoning oder Fallschirmspringen links liegen und wende mich lieber dem Programm des örtlichen Theaters, Lesungen oder dem in vielen Urlaubsregionen reichhaltigen Angebot von Kochkursen zu. So auch bei meinem letzten Urlaub in Südtirol. Ich entschiede mich - zusammen mit der besten Ehefrau von allen - an einem Vormittag das Kochen von Südtiroler „Schlutzkrapfen“ zu erlernen. Da ich, was Kochen angeht, nur über eine mäßige Begabung verfüge, hatte ich mich für dieses doch einfache Gericht entschieden, in der Hoffnung, mein bescheidenes Portfolio für die Zubereitung von schmackhaften Speisen zu erweitern. Was die Altersstruktur des Kurses anging, lagen wir voll in der Zielgruppe, alle so zwischen 50 und 65 Jahren. Zu Beginn des Kurses legten alle Teilnehmenden erst einmal ihren überflüssigen Schmuck ab, zogen die bereitgelegten Schürzen an, verstauten ihre Handtaschen und Rucksäcke an einem sicheren Ort und bewaffneten sich mit ihren Handys. Schon bei der Präsentation der Zutaten durch die Kursleiterin - eine überaus kompetente und freundliche Bäuerin aus der Region - wurde fleißig mit dem Handy dokumentiert.

Leider hatte ich bei der kurzen Vorstellungsrunde den Fehler gemacht, zu erzählen, was ich beruflich so treibe. Das sollte mir im Laufe des Kurses zum Verhängnis werden, denn einige Teilnehmende hatten mehr Interesse daran, ihr Wissen im Umgang mit dem Handy zu erweitern als ihr Können am Kochtopf. So wurde ich schon nach dem ersten Einsatz der Handys um Rat gefragt. Ja, durch den Einsatz des Pinzettengriffs kann man in das Bild hinein und heraus zoomen, durch das Tippen mit dem Finger auf das Bild lassen sich wichtige Details fokussieren, bei Verschickung der Bilder per Mail kann man die Größe der Datei bestimmen usw. Als weitere Teilnehmer*innen bemerkten, dass es möglich ist, seine Fragen zur Vielfalt der Nutzungsmöglichkeiten des Handys endlich jemanden stellen zu können, war für mich der Kochkurs zu Ende.

Ja, man kann per WhatsApp Nachrichten an sich selbst und durch die neue Broadcast-Funktion auch an verschiedene Menschen verschicken, ohne eine Gruppe zu erstellen. Auch der grüne Haken der Lesebestätigung lässt sich in den Einstellungen ausschalten (Enkeltrick); man kann auch über den Messenger Bilder in hoher Qualität verschicken, wenn man sie als Dokument verschickt. Auch beim Abhören von Sprachnachrichten kann man das Telefon einfach ans Ohr halten und keiner kann mehr mithören. Zudem  kann man in der Galerie ein Album „Kochkurs“ erstellen, damit sich die Bilder auch wiederfinden lassen. Und ja, auch für Apps lassen sich Ordner erstellen, um die Übersicht auf dem Smartphone nicht zu verlieren.

Mittlerweile waren die ersten Schlutzkrapfen in den Töpfen schon an die Oberfläche gekommen und alles wurde für die gemeinsame Verkostung vorbereitet. Nach dem Essen verabschiedeten meine Frau und ich uns zügig und verwiesen die  Teilnehmenden darauf, dass ich im Knödelkochkurs am übernächsten Tag dazu referieren würde, wie man Videos auf dem Handy am besten bearbeitet und wie sich eigentlich eine Story auf Instagram erstellen lässt.

Meine Frau hat ihr ohnehin schon großes Repertoire an schmackhaften Speisen ergänzt und ich habe das gemacht, was ich eigentlich immer mache: Ich habe Menschen bei der Erweiterung ihrer Medienkompetenz unterstützt. Vor dem nächsten Urlaub darf ich aber auf keinen Fall vergessen, mir von meinen Kolleg*innen ein Update über die neuesten Funktionen geben zu lasen. Denn ich werde immer älter und mein Vorsprung wird immer kleiner.

 

Klaus Lutz


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