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Cornelia Pläsken: Zwischen gebratenen Goldfischen und tanzenden Piranhas

    Zur Person

    Almond, David (2014). Der Junge, der mit den Piranhas schwamm. Hörbuch, Hörcompany. 336 Min., 16,95 €. „

    Wie würde es euch gefallen, wenn jemand aus eurer Familie euer Zuhause zu einer Fischfabrik verwandeln würde?“ Stanley Potts ist ein Waisenjunge, der bei seiner Tante und seinem Onkel in einem hübschen Haus in der Fischzuchtgasse lebt. Als die beiden aber ihre Jobs verlieren, entscheidet Onkel Ernest, die Welt zu verändern und in die Fischindustrie einzusteigen. Dabei nehmen seine Begeisterung und seine Arbeitseinstellung mit der Zeit etwas wahnwitzige Züge an, beispielsweise wenn er schon am frühen Morgen lauthals „Dosen, Dosen, Dosen! Fische, Fische, Fische!“ durch das Haus schreit. Sein paranoider Enthusiasmus klingt nicht einmal am Geburtstag seines Neffen ab – an den aber glücklicherweise seine Frau zumindest denkt und Stanley etwas Geld schenkt, damit dieser sich einen schönen freien Tag machen kann; auch wenn sein Onkel dafür weniger Verständnis hat. Auf dem Weg in die Welt außerhalb der Fischverwertung entdeckt Stan einen Jahrmarkt, der erst seit kurzem seine Zelte aufgeschlagen hat. Ein Stand, an dem es lebendige Goldfische zu gewinnen gibt, weckt Stans Faszination. Bei näherem Hinsehen bemerkt er allerdings, dass die Fische kaum mehr Wasser haben.

    Von Mitleid gerührt überzeugt er den Standbesitzer, Herrn Dostojewski, durch ein wenig Mitarbeit am Stand als Entlohnung alle Goldfische zu erlangen. Dieser ist sichtlich begeistert von Stans tatkräftiger Art und möchte ihn überzeugen, auch weiterhin für ihn zu arbeiten. Stan lehnt das Angebot jedoch ab, um seine Familie nicht hängenzulassen. Währenddessen bekommen sein Onkel und seine Tante Besuch von Beamten vom ‚Amt für fischige Angelegenheiten‘, die private Fischfabrik soll geschlossen werden. Clarence P., einer der etwas eigentümlichen Beamten, droht Ernest sogar mit einer Gerichtsvorladung, da es sich um das „Blamöseste und Skandabelste“ handele, dass er je gesehen habe. Stans Onkel – unbeirrt stur wie eh und je – denkt jedoch gar nicht daran, seine Produktion zu stoppen. Nein, er hat im Gegenteil – inspiriert durch seinen Neffen – eine glorreiche Idee, die ihn reich machen werde: gebratene Goldfische in der Dose. Gesagt, getan! Als Stan die grausame Tat seines Onkels entdeckt, erstarrt er innerlich zur Salzsäule, packt seine Sachen und verlässt etwas verstört, aber unaufhaltsam sein Zuhause. Ziellos geht er umher und steht plötzlich wieder vor dem Jahrmarkt. Bestürzt von der Tat seines Onkels beschließt Stan – etwas verängstigt, aber dennoch überzeugt –, das Angebot des Herrn Dostojewski doch anzunehmen und mit ihm und dem Jahrmarkt auf Reisen zu gehen. Der Junge erledigt seine Aufgaben gut, findet sich immer besser im Jahrmarktleben zurecht und wird vom eher mürrischen Herrn Dostojewski für seine Arbeit immer wieder gelobt. Eines Tages besucht der berühmt-berüchtigte Pancho Pirelli den Jahrmarkt und gibt eine seiner gefährlichen Vorführungen zum Besten.

    Fasziniert von dem ihm vorauseilenden Ruf ist auch Stan bei der Vorführung mit im Publikum. Pirelli, ein Mann mit einnehmender Ausstrahlung und exotischer Kindheitsgeschichte, kündigt pompös an, dass er in ein Becken voller Piranhas, das mitten auf der Bühne steht, steigen und mit den gefährlichen Fischen im Wasser tanzen wird. Vermeintlich wie von Zauberhand gelingt es dem großen Pirelli, grazil und mit viel Geschick in jenem Becken zu tauchen und sich so gekonnt zu bewegen, dass sich die Piranhas um ihn scharen und es aussieht, als würden sie mit ihm tanzen. Nach dem spektakulären Auftritt kommen Stan und Pirelli ins Gespräch. Pirelli bietet Stan an, ihn unter seine Fittiche zu nehmen, auszubilden und ihm ebenfalls zu zeigen, wie man mit Piranhas schwimmen kann. Nach einer Nacht voller verrückter Träume entscheidet der Junge, das Wagnis einzugehen und schließt sich dem großen Pirelli an. Stan weiß jedoch noch nicht, dass diese Entscheidung sein ganzes Leben von Grund auf verändern soll … Der Junge, der mit den Piranhas schwamm – basierend auf der Geschichte von David Almond – nimmt innerhalb von 336 Minuten Kinder ab neun Jahren mit auf die Reise in eine fischige Welt. Eine Fischfabrik im eigenen Haus, Goldfische vom Jahrmarkt und tanzende Piranhas – das Leben von Stanley Potts, dem tüchtigen aber eher zurückhaltenden Waisenjungen, ist von Fischen aller Art geprägt.

    Jörg Pohl erzählt die außergewöhnliche Geschichte rund um Stan und den Jahrmarkt mit viel Feingefühl und Hingabe – zu Recht wurde das Hörbuch für den Deutschen Kinderhörbuchpreis BEO nominiert und mit dem Deutschen Hörbuchpreis 2015 in der Kategorie ‚Bestes Kinderhörbuch‘ sowie dem AUDITORIX Hörbuchsiegel 2014/2015 ausgezeichnet. Stan liebt seinen Onkel, fügt sich anfangs seines Schicksals und packt tatkräftig mit an. Dennoch muss er zusehen, wie sein Onkel seine geliebten Goldfische zu Dosenfutter verarbeitet. Als Zuhörerin bzw. Zuhörer fühlt man sich als Teil des Abenteuers und möchte Onkel Ernest am liebsten von seinen Dummheiten abhalten. Mitfühlend wird das Publikum auch in den Bann gezogen, als Stan seinen ganzen Mut zusammennimmt und einen völlig anderen Weg einschlägt. Er besitzt die Courage, sein bisheriges Leben hinter sich zu lassen und ergreift eine Chance, die ihm das Leben bietet. Der Junge, der mit den Piranhas schwamm ist ein Hörbuch, das direkt ins Herz geschlossen wird, weil die hingebungsvolle und umsichtige Art des Protagonisten von Anfang an fasziniert. Andere Rollen wie die der Beamten werden durch ihre eigenartige Sprache mit einer gewissen Prise Humor versehen.

    Trotz einer stolzen Länge, bei der die Aufmerksamkeit unter Umständen leiden kann, bleibt die Zuhörerin bzw. der Zuhörer vermutlich trotzdem immer gespannt mit dabei, weil sie bzw. er auf gar keinen Fall verpassen will, welche Herausforderungen und kleinen Abenteuer als nächstes auf Stan warten. Die Handlung zeigt, welche Widrigkeiten im Leben auftauchen können, es sich aber dennoch lohnt weiterzumachen. Stan stellt sich seinen neuen Aufgaben mit viel Geschick und Köpfchen und schafft es deshalb, sein ganzes Leben auf den Kopf zu stellen. Sein Mut und seine Tapferkeit werden belohnt, denn am Ende ist Stan nicht mehr der schüchterne Junge, sondern der große Stanley Potts, der von allen bewundert und bejubelt wird – und nicht zu vergessen mit den Piranhas schwimmt. Der Junge, der mit den Piranhas schwamm zeigt sich somit als klassische Geschichte auf der Suche nach sich selbst, die durch einfallsreiche Ideen und einer spannenden Erzählweise heraussticht. Das Hörbuch eignet sich damit nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene mit ausgeprägter fischiger Seite.

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    JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis

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