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Friedrich Krotz: Forschung und Praxis heute

    Zur Person

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    Interdisziplinärer Diskurs

    Medien vor 60 Jahren – Medien heute. Da ist vieles gleich geblieben und doch irgendwie alles ganz anders. Wir sind vernetzt, online und mobil, Medien sind immer und überall – und aus keinem Lebensbereich und keiner (humanwissenschaftlichen) Disziplin wegzudenken. merz, seit 60 Jahren Forum der Medienpädagogik, nimmt ihren Geburtstag zum Anlass, um dies im interdisziplinären Horizont zu erörtern. Wir fragten Kolleginnen und Kollegen verschiedenster Disziplinen: Was macht den Mehrwert medienpädagogischer Forschung und Praxis in der zunehmend mediatisierten Gesellschaft aus?

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    Medienpädagogische Forschung und Praxis (MF&P) muss, wenn sie ihre Zielgruppe erreichen will, vor allem aktuell sein und bleiben. Dies ist vor dem Hintergrund der oft zu beobachtende Gemächlichkeit und Traditionsorientierung anderer Disziplinen oder Institutionen ihr erstes wichtiges Charakteristikum. MF&P muss deswegen als ein sich immer weiter entwickelnder Prozess der Analyse und des Verständnisses sich entwickelnder und aufkommender neuer Medien in der Perspektive der jugendlichen Nutzenden verstanden und betrieben werden. Sie ist dadurch gleichzeitig Seismograph für die mit dem Medien- und Kommunikationswandel verbundenen tiefgreifenden Veränderungen – die zu untersuchen und zu ordnen auch Anliegen der Mediatisierungsforschung ist. Denn MF&P lässt sich so immer neu auf neue Kohorten und Generationen ein, für die die Medienumgebung, die sie entdecken, erproben und weiter gestalten, quasi natürlich vorgegeben ist. MF&P hat also ihr Ohr am Puls der Entwicklung – weit mehr, als die meisten anderen wissenschaftlichen oder praktischen Zugänge.

    Ein zweites Charakteristikum von MF&P liegt in ihrer zivilgesellschaftlichen Orientierung, die den Wissenschaften an der Universität im Zeitalter einer ökonomisch und staatlich ausgerichteten Restrukturierung immer mehr abhanden kommt. Zumindest von ihrem Anspruch her fühlt sich MF&P weder primär den Medieninstitutionen, den ökonomischen Zielen und staatlichen Anpassungen, den Algorithmikern und Auftraggebenden verpflichtet noch den Internetgiganten wie Facebook, Amazon oder Google oder der die Entwicklung vorantreibenden Wirtschaft, Industrie und Technik. Sondern den Kindern und Jugendlichen und ihrer Zukunft.An ihrem dritten Charakteristikum muss die MF&P noch etwas arbeiten. Nämlich an einer kontinuierlichen und lauten Teilhabe an den öffentlichen Diskussionen über weitere Entwicklungspfade der Mediatisierung. Immer noch werden Entscheidungen etwa über Netzneutralität oder nicht zwischen Staat und Ökonomie ausgehandelt, die Zivilgesellschaft wird dabei erfolgreich übersehen.

    Immer noch weigern sich die Schulen und andere jugendbezogene Einrichtungen sowie die dafür verantwortlichen Institutionen überwiegend, der Medienpädagogik einen angemessenen Platz einzuräumen und ihr die notwendigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Immer noch wird MF&P darauf verkürzt, dass sie eine enge Medienkompetenz zu untersuchen und zu vermitteln habe, obwohl sie mittlerweile eine Pädagogik für das Aufwachsen in mediatisierten Welten geworden ist: Sie will und kann ein mediensouveränes Handeln vermitteln, mittels dessen sich Kinder und Jugendliche ein selbstbestimmtes Leben in einer demokratischen Gesellschaft erarbeiten können. Sie wird auch angesichts ihrer Ziele und ihres Engagements dafür gebraucht, zusammen mit sozialen Basisbewegungen, mit den diffamierten Hackerinnen und Hackern oder auch einer Kommunikationsguerilla gegen die Machtstukturen anzugehen, die das Internet auf Überwachung und Konsum beschränken wollen.

    Dr. Friedrich Krotz ist Professor für Kommunikations- und Medienwissenschaft mit dem Schwerpunkt soziale Kommunikation und Mediatisierungsforschung an der Universität Bremen. Er ist Koordinator des DFG-Schwerpunktprogramms 1505 „Mediatisierte Welten“.

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