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Social Media als Extremismus-Falle?

KJM fordert mehr Schutz durch Anbieter*innen

Extremistische Inhalte und Botschaften lassen sich längst nicht mehr nur in den dunklen Seiten des Internets finden, sondern breiten sich zunehmend auch auf Sozialen Netzwerkplattformen wie Instagram, Facebook, YouTube, Snapchat, TikTok und Co. aus. Da diese Anwendungen sich vor allem bei der jüngeren Generation einer hohen Beliebtheit erfreuen, ist es nicht verwunderlich, dass extremistische Akteur*innen leichtes Spiel haben, ihre Ideologien und Narrative an junge Menschen heranzutragen. Gerade flüchtige Formate wie Livestreams, Livechats, Stories oder Q&A’s (Question and Answer) erweisen sich dafür als besonders geeignet. So verführen die schnelllebigen Inhalte und die besondere Aufbereitungsart zu einer langen Verweildauer. Der perfekte Nährboden für Radikalisierung und Hetze. Das beweist der aktuelle Report ‚Flüchtige Hasspropaganda‘ von jugendschutz.net, dem Kompetenzzentrum von Bund und Ländern für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet, beweist. 

Der Report zeigt auf, dass flüchtige Social-Media-Formate es Extremist*innen erleichtern, Desinformationen zu verbreiten, den Umgangston in Diskussionen zu verrohen und schließlich Hass und Konflikte zu schüren. Auch wenn diese Hasspropaganda laut den Angaben von jugendschutz.net derzeit nur einen geringen Anteil aller flüchtigen Inhalte im Netz ausmacht, lässt sich nicht ignorieren, dass hier eine manipulative Strategie verfolgt wird, die aufgeht. So gehören Volksverhetzung, die Verbreitung von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen und schwere Jugendgefährdung mittlerweile zu den häufigsten Verstößen im Netz. 

Dr. Marc Jan Eumann, Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM), weist ebenfalls auf dieses besondere Gefährdungspotenzial für junge Menschen hin und fordert von Anbieter*innen, digitale Strukturen zu schaffen, die eine sichere und verantwortungsvolle digitale Partizipation für Heranwachsende ermöglichen: 

„Wenn Extremist*innen sich bei Minderjährigen beliebte Formate wie Stories oder Livestreams zu eigen machen, ist das quasi ihr verlängerter Arm ins Kinderzimmer. Angesichts dieser Entwicklung ist es wichtig, dass Anbieter*innen ihrer Verantwortung, durch Einsatz von technischen Mitteln, Meldesystemen und Moderation, gerecht werden. Während einige hier vorangehen, ist bei anderen noch viel zu tun. So zeigen jüngste Berichte, dass schädliche Inhalte durch große Anbieter*innen teilweise sogar toleriert werden, wenn es dem Konzern dient.“ 

Angesichts dieser besorgniserregenden Entwicklungen seien auf Anbieterebene stärkere Kontroll- und Regulierungsbestrebungen gefragt. Zudem müssen die Gefahren für das gesellschaftliche Zusammenleben und vor allem für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen, die von antidemokratischen Inhalten ausgehen, noch ernster genommen und sich diesen noch stärker entgegenstellt werden. Bisherige Möglichkeiten zur Bekämpfung von digitaler Hasspropaganda und Co. sollten deshalb noch stärker ausgeschöpft und Anbieter, die bisher noch nicht aktiv geworden sind, zur notwendigen Mitarbeit angehalten werden. 

Außerdem brauche es Aufzeichnungen und Überprüfungen des flüchtigen Contents, die jedoch ohne das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern nicht geleistet werden können. So können Nutzer*innen die Einhaltung von Kinder- und Jugendschutzbestimmungen unterstützen, indem sie Ausschau nach problematischen bzw. rechtswidrigen Inhalten in flüchtigen Formaten halten, diese dokumentieren und schließlich der KJM melden. Dies würde die Nachverfolgung und Löschung dieser Inhalte erheblich erleichtern. 

Letztendlich ist es jedoch auch damit noch nicht getan. Neben Aufklärung und einer umfassenden Sensibilisierung für extremistische Ansprachen und Strategien sowie Hass und Hetze im Netz braucht es eine stärkere Fokussierung auf Angebote zur Förderung von Medienkompetenz, um jungen Menschen ein sicheres und selbstbestimmtes Aufwachsen im Netz zu ermöglichen. 

 

Zum aktuellen Report von jugendschutz.net 

Zur Website der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM)

Lisa Melzer


Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) ist ein Organ der Landesmedienanstalten und ein Expertengremium aus Vertretern von Bund und Ländern. In Deutschland ist die KJM die zentrale Aufsichtsstelle für den Jugendschutz im privaten Rundfunk und Internet.  


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Herausgeber

Kathrin Demmler | Prof. Dr. Bernd Schorb
JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis

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