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SWIPE DES MONATS: Ich bin ein Sitzenbleiber – eine Hommage an das Radio

Immer wieder wird mir von Teilnehmer*innen in Seminaren entgegengehalten, dass zu den Medien doch auch Zeitungen, Bücher und das Radio gehören; die solle ich doch bitte bei meinen Ausführungen über den richtigen Umgang mit Medien auch berücksichtigen.

Ich erwidere dann meist, dass sie natürlich völlig Recht haben, wir uns aus Zeitgründen aber auf die sogenannten ‚neuen Medien‘ konzentrieren wollen. Insgeheim denke ich dabei meist: Es gibt wenige Pädagog*innen oder Eltern, die sich über eine übermäßige Leseleidenschaft beklagen und Angst haben, dass die Kinder durch exzessives Lesen oder Radiohören den Übertritt ins Gymnasium nicht schaffen könnten; auch gibt es keine Klagen darüber, dass das Taschengeld für Bücher verschwendet wird. Mir scheint dieser Einwand eher von dem Wunsch geleitet zu sein, sich – was den Umgang mit Medien betrifft – in sicheres Fahrwasser zu begeben.

Auf der Heimfahrt von solchen Seminaren mit dem Auto komme ich dann manchmal ins Grübeln, welches ‚alte‘ Medium für mich eigentlich eine zentrale Rolle spielt.

Die Bücher sind es nicht. Zum einen bin ich als hyperaktiver Mensch viel zu viel in Bewegung, was naturgemäß mögliche Lesezeiten stark einschränkt. Zum anderen bin ich aus beruflichen Gründen gezwungen, viel zu lesen, was meine Leselust in meiner eher knappen Freizeit fast auf null schrumpfen lässt. Da ich beruflich aber viel mit dem Auto unterwegs bin, gibt es genug Zeit, um das Radio zu nutzen. Vor allem das Digitalradio hat da eine neue Qualität in mein Radioleben gebracht. Einen Sender einmal einstellen und schon bleibt der Empfang über Bezirks- und Landesgrenzen hinweg stabil. Da Musik in meinem Leben nur eine untergeordnete Rolle spielt, sind es die Sender B2, Deutschlandfunk und BR24, die ich im Wechsel höre. Leider synchronisieren sich die Sendezeiten und Dauer von Beiträgen nicht automatisch mit meinem Navigationsgerät, um sich mit meiner Fahrstecke abzugleichen. Deshalb komme ich oft Zuhause an und die Sendung ist noch nicht zu Ende. Ich fahre dann meist nicht in die Tiefgarage – da hat auch das Digitalradio keinen Empfang – sondern stelle mich auf eine schraffierte Fläche vor unserem Haus (also ins absolute Halteverbot), um den Beitrag zu Ende zu hören. Denn immer noch vermisse ich bei all der Technik in meinem Auto einen Aufnahmeknopf für mein Autoradio. Das hat mir schon einige skurrile Situationen beschert. Zum einen musste ich 20 € bezahlen, da ich mich gegenüber dem kommunalen Parkzonenüberwacher weigerte, für die letzten 5 Minuten des Beitrags den Parkplatz zu wechseln. Zum anderen hat mich eine besorgte Nachbarin beobachtet; nach einer Weile kam sie aus dem Haus, klopfte an meine Scheibe und erkundigte sich besorgt nach meinem Gesundheitszustand – jetzt, wo ich 60 geworden bin, vielleicht gar kein so unsinniger Gedanke. Aber am meisten nerven mich die Nachbarn, die einfach die Autotür aufreißen und mit mir ein Gespräch anfangen wollen, da wir uns ja schon so lange nicht mehr gesehen haben. Das hat dann meist eine spätere Suche in der Mediathek zur Folge, die leider oft nicht von Erfolg gekrönt ist.

Schier wahnsinnig macht es mich, dass ich immer denselben Fehler mache: Ich höre Tipps für Serien, Bücher (die ich oft kaufe, aber nicht lese), Reisetipps usw. und denke mir: ja, das kannich mir merken! Aber schon nach der nächsten Kurve muss ich feststellen, dass es mir wieder nicht gelungen ist. Wann also kann man endlich Radiosendungen im Auto aufzeichnen? Gerne mit Sprachsteuerung: „Bitte die Sendung aufzeichnen und als MP3 an meine E-Mail-Adresse schicken mit der Verlinkung in der Mediathek. Vielen Dank.“

 

Klaus Lutz

 


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JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis

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